Archiv der Kategorie: Reliant Rialto

Hier geht es um meinen 1984er Reliant Rialto 2 GLS Estate. Mein erstes richtiges Auto.

Trommel trouble

Sir Edwards Bremstrommeln vereinen Freud und Leid. Vorne Leid, hinten Freud.
Die hinteren Trommeln überraschten mich bei meinem Check mit nagelneuen Radbremszylindern:
Bremstrommel hinten 033

Bremstrommel hinten
Ich vermute, sie wurden im Zuge der „Standschädenbeseitigung“ zusammen mit dem Hauptbremszylinder (der auch neu aussieht) ausgetauscht. Sehr schön! Damit kann ich wieder eine Sache von meiner Einkaufsliste streichen.
Neu auf die Liste kommen aber Bremsbeläge. Ich kann nicht so recht einschätzen, was die neu an Stärke haben und wie abgefahren die von Sir Edward daher sind. Ich werde sie einfach mit bestellen, vergleichen und wenn die Alten noch gut sind, erstmal in den Fundus packen. Frist ja alles kein Heu.
Die Frage, die aber nun in mir aufkeimt ist: Wenn die ganzen Komponenten getauscht wurden, muss ja auch die Bremsflüssigkeit getauscht worden sein. Haben die dann DOT3 oder DOT4 da rein gefüllt? Und kann ich jetzt (mit den neuen Teilen) problemlos auf DOT 4 aufrüsten, oder zerfrisst die mir trotzdem die Gummidichtungen? Weiß jemand von euch, ob man irgendwie die einzelnen Bremsflüssigkeiten unterscheiden kann? Farbe? Geruch? Geschmack?
Hinten scheinen Profis am Werk gewesen zu sein. Zumindest haben sie dran gedacht zwischen die Bremstrommel und die Ankerplatte Kupferpaste zu packen. Tut man das nicht, hat man die Misere, wie ich jetzt beim Vorderrad:
Bremstrommel vorne 034
Die Trommel sitzt bomben fest mit der Ankerplatte verbacken. Akkurat festgerostet. Ich konnte sie nur abbauen, indem ich das komplette Radlager auseinander genommen habe.
An dieser Stelle sollten die Beiden sich eigentlich trennen:
Bremstrommel vorne 036
Die Verbindung ist dermaßen dicht, dass noch nicht mal Rostlöser da rein krabbeln will. Schwimmt einfach oben drauf….
Diese solide Verbindung aufgrund mangelnder Kupferpaste ist ein bekanntes Problem. Zur Lösung wird im Forum einhellig dieses Spezialwerkzeug empfohlen:

Tolle Wurst. Ich werde die Trommel mal die Woche über von meinem Vater in Rostlöser baden lassen und dann nächstes Wochenende die ganze Einheit mit dem Bunsenbrenner erhitzen. Wenn auch das nichts hilft, schwinge ich den Vorschlaghammer. Mehr als kaputt geht nicht.

Hier kommt Gurt III

Nachdem ich die mittleren Montagepunkte hinten ja nun entdeckt hatte, standen noch die an der Seite aus. Ein Hinweis aus dem R3W-Forum brachte mich auf die richtige Spur. Sie sollen sich in den kleinen Ausbeulungen am Fuße der Rücklehne befinden:
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Also mal vorsichtig das Kunstleder runter gepult:
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Dammt. Nix. Die Löcher wurden anscheinend nur durch die Karosserie gebohrt, wenn die Gurte auch wirklich verbaut wurden. Ich befürchtete schon, aus der Karosse an dieser Stelle einen schweizer Käse machen zu müssen, um per Probebohrungen das Loch zu finden.
Ein Blick ins Radhaus brachte aber Erleichterung:
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„Ich sehe was was du nicht siehst und das ist ein Loch!“
Im nächsten Schritt habe ich das Loch so gut es ging an der Karosserie eingemessen:
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Für die „Tiefenmessung“, habe ich mich eines Hakens bedient, welchen normalerweise der Zahnarzt benutzt um einen zu piesaken:
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Diese Maße wurden dann im Innenraum angezeichnet:
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Bisher alles harmlos. Nun kam der Teil mit Augen zu und Luftanhalten….Bohrer raus!
Ich hab mich für den kleinsten Bohrer entschieden, den wir im Haus hatten. Mit etwas Spucke hätte man das Loch dann als Fliegendreck verkaufen können. Nach der Bohrung kam ein dünner Draht durch, um zu schauen, wo ich gelandet bin:
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Besser als erwartet! Also einen größeren Holzbohrer (die haben diese praktischen Zentrierspitzen) rausgekramt und das Loch vergrößert. Leider war meine Erstlingsbohrung etwas außermittig und ich musste mit der Feile (sehr gut geeignet!) ein etwas eieriges Loch ausfeilen:
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Blöd, aber nicht zu ändern. Außerdem verschwindet es später unter einer Unterlegscheibe, der Kunstlederabdeckung und der Haltelasche.
Ich habe dann mal einem der Vordergurte einen Bolzen gemopst um den Montagepunkt zu testen. Erst ging die Schraube kaum rein. Mit etwas Silicon-Öl und einer Ratsche ging es aber ganz leicht. War halt das erste Mal seit 25 Jahren, dass da jemand ne Schraube in das Gewinde dreht. Nach 2-3 Mal rein und raus ging es dann ganz easy.
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Es passt übrigens nur der Bolzen der äußeren vorderen Montagepunkte. Die Bolzen an den Gurtpeitschen sind dicker! Sie müssen 20 Gänge pro inch (UNF) haben, 38,8 mm lang (wobei länger auch kein Problem ist) sein und 10,8 mm dick. Ich hoffe mal, dass ich auf dem Schrott passende Bolzen finde.
Auf der anderen Seite war es dann wesentlich einfacher, ein schön rundes Loch zu produzieren. Ich habe einfach das erste Loch auf der Innenseite zur Mitte vermessen und übertragen. Hier für die Nachwelt ein bemaßtes Bild:
Seatbelts

Die perfekte Welle

Wie schon mal ganz zu Anfang geschrieben, funktioniert Sir Edwards Tacho nicht. Auf der Probefahrt gab er anfangs ein kurzes Zucken von sich aber nach 200 Metern sackte die Nadel einfach zurück auf 0.
Der Ursache wollte ich gestern dann auf den Grund gehen. Als erstes habe ich die wirklich neue Welle vom Getriebe abgeschraubt:
Tachowelle 080
Es folgte der Griff zum Akkuschrauber. Wenn man das macht, musst man vorsichtig mit der Drehrichtung sein! erst mit ganz langsamer Geschwindigkeit testen, ob sich die Nadel rührt. Tut sie das nicht, Drehrichtung wechseln. Bei Sir Edward muss sich die Welle links rum (blick auf das abgeschraubte Wellenende) drehen, damit der Tacho etwas anzeigt.
Dies war aber bei meinem Versuch nicht der Fall.
Also ist schon mal das Tachogetriebe im Getriebe als Fehlerquelle ausgeschlossen und es konnten nur noch die Welle selbst und der Tacho sein.
Also im nächsten Schritt den Tacho ausgebaut.
Die Welle wird hinten am Tacho nicht eingeschraubt, sondern man muss den „Widerhaken“ niederdrücken und kann die Welle dann einfach abziehen.
Tachowelle 074
Ein Foto hilft hier übrigens sehr, die Kabel nachher auch wieder richtig anzustecken!
Nachdem ich das Tacho-Ende der Welle in der Hand hatte, viel mir das etwas unregelmäßige Ende der Welle auf. Sollten die Vögel in der Werkstatt etwa beim Einbau der neuen Welle selbige direkt wieder beschädigt haben? Ich baute den Tacho weiter aus, um Gewissheit zu haben.
Damit man den Tacho aus dem Armaturenbrett ziehen kann, muss man die Lenksäulenabdeckung abschrauben.
Tachowelle 081
Erst dann bekommt man ihn mit etwas kippen und kanten aus der Öffnung.
Als „Testwelle“ für den direkten Anschluss des Akkuschraubers an den Tacho, habe ich mir aus unserem Nägelfundus einen 4-Kant-Nagel mit ähnlichem Durchmesser wie die Welle gesucht, die beiden Enden gekappt und ihn etwas mit dem Schleifgerät angepasst:
Tachowelle 084
Ins Bohrfutter fest eingespannt, gab er eine formidable Welle ab:
Tachowelle 085
Ergebnis des Tests: Der Tacho ist in Ordnung. Es muss also die Welle sein. Ein Teil mehr auf meiner Einkaufsliste…

Überläufer

Kurz nachdem ich Sir Edward in die heimische Garage überführt hatte, bemerkte Tobias, dass einer der Schläuche im Motorraum abgerissen war:
broken tube
Auch die Stelle davor mit dem Kupferrohr sah sehr verdächtig aus.
Kurze Examination ergab, dass dieser Schlauch eigentlich zum Überlaufspeicher des Vergasers führen sollte:

Irgend jemand hat in Sir Edwards Vorleben einfach mal den Benzinschlauch, welcher vom Vergaser kommt abgeschnitten, eine Kupferhülse als Reduzierstück eingesetzt und dann mit normalem Gummischlauch weiter gemacht. Dieser Schlauch scheint aber nicht Benzinfest gewesen zu sein. Zumindest ist er im Laufe der Zeit ausgehärtet und einfach abgebrochen.
Folge des Ganzen war, dass der Überlauf nun nicht mehr in den Speicher führte sondern nur bis zum heißen Krümmer….. Ich hatte ja schon mal geschrieben, dass überdurchschnittlich viele Reliants den Feuertod gestorben sind. Bei vielen wird das sicherlich auch am Pfusch der Vorbesitzer gelegen haben! Mit Schaudern denke ich an unsere Überlegung den Reliant auf eigener Achse von England aus hier hin zu überführen.

Es stand damit fest, dass ich alle Benzinschläuche ersetzen würde.
6,5 Meter Benzinschlauch werden benötigt. Außerdem noch zwei Benzinfilter.
Natürlich haben die Engländer wieder watt spezial bei ihren Benzinschläuchen. In Deutschland (und wahrscheinlich überall sonst auf der Welt) gibt es Schläuche u.a. in 6mm und in 7mm. Was braucht Sir Edward? 6,5 mm….
Die holländischen Fraktion im Forum nutzt 7 mm-Schläuche und zieht sie mit Schlauchschellen überall fest, weil sie meinen, dass 6mm zu viel Gewürge ist, bis man sie auf die Anschlüsse gesteckt hat. Das erschien mir nicht so die perfekte Lösung. Ich will die Gewissheit haben, dass die Dinger auch so schön fest und dicht sitzen. Dafür schwitze ich auch gerne beim einbauen. Die Durchflussmenge des güldenen Saftes soll laut Forum auch bei 6 mm noch reichlich sein. Also habe ich mich für 6 mm entschieden.
Mit den Schläuchen im Motorraum bin ich mittlerweile durch:
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Die Leitung nach hinten zum Tank werde ich die Tage machen, wenn ich die passenden Clips zur Montage am Rahmen bekommen habe. Dafür muss ich auch den Tank ausbauen um an den Anschluss der Benzinpumpe auf der Oberseite zu gelangen. Ist ne gute Gelegenheit ihn auch gleich, zumindest von außen, zu entrosten.
Ich habe bei dem Aufwasch auch gleich die Benzinfilter getauscht. Sir Edward hatte noch Teile aus der Steinzeit mit Sintermetall drin:
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Wesentlich einfacher wird das aufwürgen der Schlauchenden übrigens, wenn man sie vorher in heißes Wasser hält:
P4260061
Dadurch wird das Gummi wesentlich weicher und lässt sich besser aufschieben.
Beim durchfädeln der Schläuche durch die Gummidichtungen an der Front hilft wie immer eine gehörige Portion Spüli. Ohne die ist es schlicht unmöglich.
Das alles hat aber nicht verhindert, dass ich mir vom drücken und drehen, einen Okoluten von Blase am rechten Daumen geholt habe:
P4250060
Es sind diese zarten Juristenhände…die sind sowas einfach nicht gewöhnt.
Aber lieber Wasserblase als Brandblase!

Unter Druck

Wie schon mal angedeutet, habe ich beim Abnehmen der linken Zugangsklappe entdeckt, dass die Unterdrucksteuerung der Zündverstellung von Sir Edward kaputt war.
P4240021
War nicht weiter schwierig zu entdecken:
Kopie von P4180066

lose cable

Die ovale Metaldose (Nr. 10 in der Zeichnung) ist eine „Benzinfalle“ (im englischen „Fueltrap“. Keine Ahnung, wie das im deutschen heißt), welche verhindern soll, dass Benzin aus dem Ansaugtrakt in das schwarze Plastikröhrchen (Nr. 7) gelangt. Den Übergang zwischen den beiden bildete ein Gummischlauch.
Passenden Ersatz fand ich in unserem Schlauchfundus, in Form eines alten Infusionssystems:
P4240018
Mal sehen, ob der Schlauch auch Benzindämpfe verträgt. Muss ja normalerweise auch jede Menge fieses Zeug durch laufen….
Etwas frickelig war dann die abschließende Montage. Entgegen der Zeichnung oben zeigt nämlich das obere Metalröhrchen der Benzinfalle nicht zur Seite (was perfekt wäre) sondern nach unten. Das schwarze Plastikröhrchen kommt aber von der Seite. Ich musste daher das Röhrchen etwas verlegen, damit ich einen 90° Bogen hin bekam, ohne zu viel Spannung auf das Röhrchen zu bringen. Ganz glücklich bin ich damit nicht.
Naja, hauptsache ich kann endlich was auf meiner Liste als „repariert“ abhaken:
P4250031