Kategoriearchiv: Reliant Rialto

Hier geht es um meinen 1984er Reliant Rialto 2 GLS Estate. Mein erstes richtiges Auto.

Friedhof der Kuscheltiere

Nach dem Hinweis von Michael gestern Abend konnte ich es heute kaum erwarten mich auf dem lokalen Schrottplatz umzusehen.
Schrottplätze und ich haben ein etwas zwiespältiges Verhältnis. Nein, dass da tote Autos liegen und vermodern ist es weniger. Es sind viel mehr die Menschen die dort arbeiten. Ich war noch auf KEINEM Schrottplatz, auf dem ich nicht angemault wurde. Und wer mich kennt, weiß dass ich ein ruhiger, zürückhaltender und umsichtiger Mensch bin.
Ich verstehe ja, dass sie sehr skeptisch sind, weil ihnen dauernd Sachen geklaut werden. Aber wenn man nicht möchte, dass ich in den Autos rum krieche, dann darf man mir nicht bei meiner vorherigen Anmeldung im Büro sagen: „Jau, schau dich mal um, ob du was passendes findest.“.
Dann muss man den Platz für den Publikumsverkehr sperren und es so wie die Ludolfs machen. Aber stöbern erlauben und dann anblaffen („…Lack zerkratzt…“, „…klauen alle…“, „…der TÜV darf gar keine Gurte verlangen…“, etc.), dass geht nicht. Naja, muss wohl an dem Schlag Menschen liegen, die sowas betreiben/dort arbeiten.
Zurück zum eigentlichen Thema:
Mein Besuch war fruchtlos.
Einen Suzuki Alto hatten sie nicht da und auch im Lager keinen Scheinwerfer. Damit hatte ich aber schon gerechnet. Was mich erstaunte, war die Fruchtlosigkeit meiner Gurtsuche.
Leider sind (anscheinend egal bei welchem Hersteller) bei 3-sitzigen-Rückbänken die Gurte/Schlösser immer in einer Y-förmigen Platte zusammengefasst:
Schrottplatz 018
Damit kann ich aber bei Sir Edward nix anfangen. Ich brauche da einzelne Haltelaschen:
Gurte-Ankerpunkte Rücksitze 029

P4290024
„Abschneiden“ hilft auch nur bedingt, da die Peitschen am Rand ja sichtbar sind. Das sähe schon Scheiße aus. Bei Autos, die hinten nur zwei Sitzplätze haben (Renault Clio z.B.), ist das Problem ähnlich. Die haben meist nur einen mittigen Montagepunkt mit einem identischen Y-Stück. Haben sie zwei Montagepunkte, steht man vor dem nächsten Problem, dass es 3-Punkt-Gurte sind. Man braucht also zusätzlich noch einen Beckengurt mit passender Zunge für die Schlösser…. Kacke. Da nehme ich wohl doch das Angebot eines englischen Ersatzteilhändlers an und kaufe zwei NOS-Reliant Beckengurte. Kommen zwar (auch wegen des Versands) ziemlich teuer, aber was solls.
Das Einzige was der Ausflug einbrachte, waren ein paar morbide Friedhofsbilder. Hier für starke Nerven:

Als erstes entdeckte ich diesen Talbot Matra Murena unter einem Wellblechunterstand:
Schrottplatz 007

Schrottplatz 009

Ein schönes Detail fand ich in Form der Herstellerplakette:
Schrottplatz 008
Könnte man ja mal anrufen und fragen, ob sie einem einen Matra-Katalog zuschicken können…

Ein bisschen weiter stand dieser BMW E9:
Schrottplatz 011

Von einem Ford Mondeo platt gedrückt, fand ich dieses Audi Coupé (B2):
Schrottplatz 016

Liebevolles Detail an einem 200 D-Benz:
Schrottplatz 015

Der Atem blieb mir aber bei diesem Anblick stehen:
Schrottplatz 014
So wie es schien, war das mal ein echter von Alpina veredelter BMW 6er (E24).
Allerdings war er schon weit jenseits von gut und böse:
Schrottplatz 012

Schrottplatz 013
Der Innenraum war ziemlich komplett gefleddert. Es war mir daher nicht möglich, weitere Details zu dem Wagen in Erfahrung zu bringen. Außerdem stand ich zu diesem Zeitpunkt auch schon unter Bewachung…

Einzig positive Bilanz meines Besuchs, die ich ziehen kann: Die Ersatzteilversorgung für unsere beiden Rallye-121 ist gesichert. Ich hab drei Stück gesehen und da waren bestimmt noch mehr.

Spieglein, Spieglein an der Flank…

Ein wenig Kleinkrams habe ich auch zwischendurch erledigt. So zum Beispiel die Spiegel wieder beweglich gemacht. Oder zumindest teilweise.
Der auf der Fahrerseite ging einfach abzuschrauben:
Außenspiegel 039
Auf der Beifahrerseite dreht sich leider der Dübel einer der Schrauben mit, so dass ich sie nicht los bekomme. Blöd. Um das zu beheben, muss ich die Türverkleidung abbauen und den Dübel von hinten mit einer Zange gegenhalten…. Spontaner Beschluss: Sooo dringend ist das mit dem Spiegel nun auch wieder nicht.
Auf dem Bild oben seht ihr aber schon ein weiteres Problem. Die Spiegel wurde damals einfach so auf die lackierte GFK-Hülle geschraubt. 25 Jahre Vibration, Wasser und Dreck haben da eine schöne Spur hinterlassen. Damit das in Zukunft nicht noch schlimmer wird, kam mal wieder mein guter Freund LKW-Schlauch zum Einsatz:
Außenspiegel 040
Die Kugelgelenke der Spiegel habe ich dann noch mit Sprühfett behandelt und versucht etwas gängiger zu machen. Bei der abgebauten Fahrerseite hat das auch gut geklappt. Auf der Anderen eher nicht. Aber da muss ich ja eh irgendwann nochmal ran.

Hier kommt Gurt IV

Ich staune immer wieder über die Früchte unseres familliären Sammeltriebes! Neulich Abends hatte ich eine Eingebung betreffend der benötigten Bolzen zur Montage der Beckengurte.
Als wir damals den Kleinen von Statikgurten auf Automatikgurte umgerüstet haben, waren bei den Securon/Stevens-Wesel-Gurten auch jede menge Adapterteile mit im Lieferumfang. Unter Anderem auch verschiedene Bolzen. Wir konnten die Bolzen damals nur nicht verwenden, da der Kleine (ganz untypisch, normalerweise werden Herstellerübergreifend identische UNF-Gewinde/-Bolzen zur Gurtbefestigung verwendet.) UNC-Gewinde verwendet, um die Gurte zu sichern. Wir mussten daher damals die alten Bolzen anpassen und weiterverwenden. Die mitgelieferten Teile wanderten unbenutzt in unseren Fundus.
Eben dort habe ich sie wieder ausgegraben:
Gurte-Ankerpunkte Rücksitze 031
Die Langen passen vorzüglich in die äußeren Befestigungslöcher.
Um zu überprüfen, ob die Kurzen auch in die mittleren Löcher passen, war etwas Feinarbeit notwendig.
Gurte-Ankerpunkte Rücksitze 029
Die Arbeiter in der Reliant-Fabrik waren nicht sehr maßhaltig bei der Sache. Die Löcher waren ausgefranst und wesentlich zu klein. Hinzu kommt noch der Umstand, dass die Fiberglasmatten damals bei der Produktion von Hand in die Formen gelegt wurden und daher keine Karosse gleich einer anderen ist. Das führt auch dazu, dass die Löcher in der Karosserie nicht immer zu 100% mit den vorgesehenen Bohrungen im Rahmen fluchten. Die Gurtlöcher von Sir Edward lagen ca. ein Viertel daneben.
Gurte-Ankerpunkte Rücksitze 030
Nach etwas Feintuning mit der Feile passten sie aber und ich konnte mich daran machen, die Gewinde wieder nutzbar zu machen. Die äußeren Gewinde sind ja im Rahmen integriert und daher etwas geschützter als die exponierten mittleren Muttern. Dementsprechend hat es eine geschlagene Stunde gedauert, bis ich mit Hilfe von Rostlöser und einem Bolzen die Gewinde wieder frei bekommen hatte. Zwischendurch musste ich den Bolzen immer wieder durch eine andere Mutter drehen, um sein Gewinde wieder in Form zu bringen. Mühsam, aber schlussendlich von Erfolg gekrönt!
Bolzen habe ich also schon mal. Fehlen nur noch Gurte. Mal sehen, ob ich diese Woche zum Schrottplatz komme.

Trommel trouble

Sir Edwards Bremstrommeln vereinen Freud und Leid. Vorne Leid, hinten Freud.
Die hinteren Trommeln überraschten mich bei meinem Check mit nagelneuen Radbremszylindern:
Bremstrommel hinten 033

Bremstrommel hinten
Ich vermute, sie wurden im Zuge der „Standschädenbeseitigung“ zusammen mit dem Hauptbremszylinder (der auch neu aussieht) ausgetauscht. Sehr schön! Damit kann ich wieder eine Sache von meiner Einkaufsliste streichen.
Neu auf die Liste kommen aber Bremsbeläge. Ich kann nicht so recht einschätzen, was die neu an Stärke haben und wie abgefahren die von Sir Edward daher sind. Ich werde sie einfach mit bestellen, vergleichen und wenn die Alten noch gut sind, erstmal in den Fundus packen. Frist ja alles kein Heu.
Die Frage, die aber nun in mir aufkeimt ist: Wenn die ganzen Komponenten getauscht wurden, muss ja auch die Bremsflüssigkeit getauscht worden sein. Haben die dann DOT3 oder DOT4 da rein gefüllt? Und kann ich jetzt (mit den neuen Teilen) problemlos auf DOT 4 aufrüsten, oder zerfrisst die mir trotzdem die Gummidichtungen? Weiß jemand von euch, ob man irgendwie die einzelnen Bremsflüssigkeiten unterscheiden kann? Farbe? Geruch? Geschmack?
Hinten scheinen Profis am Werk gewesen zu sein. Zumindest haben sie dran gedacht zwischen die Bremstrommel und die Ankerplatte Kupferpaste zu packen. Tut man das nicht, hat man die Misere, wie ich jetzt beim Vorderrad:
Bremstrommel vorne 034
Die Trommel sitzt bomben fest mit der Ankerplatte verbacken. Akkurat festgerostet. Ich konnte sie nur abbauen, indem ich das komplette Radlager auseinander genommen habe.
An dieser Stelle sollten die Beiden sich eigentlich trennen:
Bremstrommel vorne 036
Die Verbindung ist dermaßen dicht, dass noch nicht mal Rostlöser da rein krabbeln will. Schwimmt einfach oben drauf….
Diese solide Verbindung aufgrund mangelnder Kupferpaste ist ein bekanntes Problem. Zur Lösung wird im Forum einhellig dieses Spezialwerkzeug empfohlen:

Tolle Wurst. Ich werde die Trommel mal die Woche über von meinem Vater in Rostlöser baden lassen und dann nächstes Wochenende die ganze Einheit mit dem Bunsenbrenner erhitzen. Wenn auch das nichts hilft, schwinge ich den Vorschlaghammer. Mehr als kaputt geht nicht.

Hier kommt Gurt III

Nachdem ich die mittleren Montagepunkte hinten ja nun entdeckt hatte, standen noch die an der Seite aus. Ein Hinweis aus dem R3W-Forum brachte mich auf die richtige Spur. Sie sollen sich in den kleinen Ausbeulungen am Fuße der Rücklehne befinden:
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Also mal vorsichtig das Kunstleder runter gepult:
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Dammt. Nix. Die Löcher wurden anscheinend nur durch die Karosserie gebohrt, wenn die Gurte auch wirklich verbaut wurden. Ich befürchtete schon, aus der Karosse an dieser Stelle einen schweizer Käse machen zu müssen, um per Probebohrungen das Loch zu finden.
Ein Blick ins Radhaus brachte aber Erleichterung:
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„Ich sehe was was du nicht siehst und das ist ein Loch!“
Im nächsten Schritt habe ich das Loch so gut es ging an der Karosserie eingemessen:
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Für die „Tiefenmessung“, habe ich mich eines Hakens bedient, welchen normalerweise der Zahnarzt benutzt um einen zu piesaken:
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Diese Maße wurden dann im Innenraum angezeichnet:
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Bisher alles harmlos. Nun kam der Teil mit Augen zu und Luftanhalten….Bohrer raus!
Ich hab mich für den kleinsten Bohrer entschieden, den wir im Haus hatten. Mit etwas Spucke hätte man das Loch dann als Fliegendreck verkaufen können. Nach der Bohrung kam ein dünner Draht durch, um zu schauen, wo ich gelandet bin:
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Besser als erwartet! Also einen größeren Holzbohrer (die haben diese praktischen Zentrierspitzen) rausgekramt und das Loch vergrößert. Leider war meine Erstlingsbohrung etwas außermittig und ich musste mit der Feile (sehr gut geeignet!) ein etwas eieriges Loch ausfeilen:
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Blöd, aber nicht zu ändern. Außerdem verschwindet es später unter einer Unterlegscheibe, der Kunstlederabdeckung und der Haltelasche.
Ich habe dann mal einem der Vordergurte einen Bolzen gemopst um den Montagepunkt zu testen. Erst ging die Schraube kaum rein. Mit etwas Silicon-Öl und einer Ratsche ging es aber ganz leicht. War halt das erste Mal seit 25 Jahren, dass da jemand ne Schraube in das Gewinde dreht. Nach 2-3 Mal rein und raus ging es dann ganz easy.
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Es passt übrigens nur der Bolzen der äußeren vorderen Montagepunkte. Die Bolzen an den Gurtpeitschen sind dicker! Sie müssen 20 Gänge pro inch (UNF) haben, 38,8 mm lang (wobei länger auch kein Problem ist) sein und 10,8 mm dick. Ich hoffe mal, dass ich auf dem Schrott passende Bolzen finde.
Auf der anderen Seite war es dann wesentlich einfacher, ein schön rundes Loch zu produzieren. Ich habe einfach das erste Loch auf der Innenseite zur Mitte vermessen und übertragen. Hier für die Nachwelt ein bemaßtes Bild:
Seatbelts