Schlagwort-Archive: Bremse

ausgebremst V

Nachdem nun feststand, dass die Überholung des alten Bremssattels an mangelndem Werkzeug scheiterte, habe ich mich erstmal den alten Bremsscheiben zugewandt:
Opel Combo | Bremsanlage hinten | alte Bremsscheibe
Der Zustand der Scheiben hatte beim letzten TÜV-Besuch wenig Gnade beim Prüfer gefunden.
Nach meiner Information hat der CNG-Combo die Hinterachse des späten Opel Astra G mit Lucas Bremsanlage um das wesentlich höhere Gewicht zu tragen.
Bei dieser Bremsanlage werden die Bremsscheiben (u.a.) mit einer kleinen Zentrierschraube fixiert. Das Opel-Original-Teil ist eine Torx-Schraube mit 8.8er Festigkeit. Bei den neuen TRW-Scheiben waren jedoch nur Kreuzschlitzschrauben unbekannter Festigkeit dabei:
Opel Combo | Bremsanlage hinten | Zentrierschrauben
Da bin ich lieber auf Nummer Sicher gegangen und habe die Opel-Schrauben wiederverwendet. So eine (im Zweifel festgegammelte) Minischraube rund zu drehen muss ich nicht haben.
Die Bremsscheiben haben sich auch bei der Bestellung als Stolperstein erwiesen.
Opel hat wohl im Laufe der Produktion die Bremsscheibengröße an der Hinterachse geändert. Frühe Fahrzeuge haben Scheiben mit 240mm Durchmesser, die späteren (wie unser 2008er) haben 264mm Durchmesser.
Ich wusste das ehrlich gesagt nicht und war dementsprechend froh über den kostenlosen „Expertencheck“ bei pkwteile.de. Schon am Tag nach der Bestellung kontaktierte mich ein Mitarbeiter und meinte, dass die ausgewählten Scheiben nicht zu der angegebenen Fahrgestellnummer passen würden. Ein gleich teures Alternativangebot hatte er auch schon rausgesucht. Tip-Top!
Nach entfernen der Zentrierschraube gingen die Scheiben erstaunlich leicht von der Nabe:
Opel Combo | Bremsanlage hinten | Achsstummel
Beim Astra war damals ein männlicher Abzieher nötig.
Ausgebaut wurde auch nochmal deutlich, was der Prüfer an den Scheiben zu monieren hatte:
Opel Combo | Bremsanlage hinten | alte Bremsscheibe ausgebaut
Dank Neuteileregen war der Zusammenbau dann easy:
Opel Combo | Bremsanlage hinten | Neuer Sattel, neue Scheibe
Der Bremsschlauch hätte eigentlich gerne beim erneuten Zusammenbau einen neuen Dichtring. Da der Alte aber weder vom Schlauch runter wollte, noch ich einen passenden zur Hand hatte, blieb der Alte drauf. Ist auch bisher alles dicht:
Opel Combo | Bremsanlage hinten | Bremsschlauch wieder montiert
Hier noch ein Praxistipp fürs entlüften:
Opel Combo | Bremsanlage hinten | Bremsflüssigkeitsvorratsbehälter
Den Füllstand im Vorratsbehälter kann man immer bescheiden erkennen. Hier hilft es, eine Taschenlampe auf den Behälter zu stellen.
Außerdem will ich auch nochmal auf die Schwierigkeiten bei der Verwendung des MITYVAC Bremsenentlüfters hinweisen:
Opel Combo | Bremsanlage hinten | Luftblasen
Der Hase zieht Luft durch das Gewinde des geöffneten Entlüfternippels.
Ein deutliches Indiz dafür sind, wie auf dem Bild zu sehen ist, regelmäßige Luftblasen im Schlauch.
Das ändert nix an der eigentlichen Entlüftung, irritiert aber sehr.
Laut Internet soll man das unterbinden können, indem man rings um den Entlüfternippel etwas Bremsenpaste schmiert. Die soll dann das Gewinde abdichten und ein nachströmen von Luft verhindern. Werde ich beim nächsten Mal testen.

ausgebremst IV

Nachdem der halbherzige Versuch mit WD40 keine Besserung der schleifenden Bremse brachte, stand also eine grundlegende Überholung des hinteren rechten Bremssattels auf dem Programm.
Der Überholungssatz war mit ca. 15€ vertretbar billig. Einen vorsichtshalber direkt mitgeorderten neuen Bremskolben (9,99€) hätte ich nicht gebraucht.
Damit mir das System nicht leer läuft habe ich eine Plastikfolie unter den Deckel des Ausgleichsbehälters getan:
Opel Combo | Bremsanlage hinten | Plastikfolie über Behälter
So kommen nur ein paar Schluck Bremsflüssigkeit aus der Leitung, wenn man sie am Bremssattel trennt:
Opel Combo | Bremsanlage hinten | Schlauchanschluss am Sattel
Es empfiehlt sich, bevor man den Bremsschlauch am Sattel abschraubt, die Anschlussstelle gründlich zu säubern, damit einem keine Brösel dort rein fallen. Auch die Torx-Schrauben, die den Bremssattel am Träger halten, freuen sich über ein Bad in Rostlöser.
Weiterhin sollte man daran denken, dass der Bremssattel im Inneren voller Bremsflüssigkeit ist. Hat man den Schlauch demontiert, empfiehlt sich ein Entlüfternippel als Stöpsel. Die Gewinde sind identisch:
Opel Combo | Bremsanlage hinten | Entlüfternippel im Schlauchanschluss
Nun lässt sich der Sattel in Ruhe demontieren und ausleeren. Auf der Werkbank geht es nun daran, den Kolben aus dem Sattel zu schrauben:
Opel Combo | Bremsanlage hinten | Bremskolben ausschrauben
Wir haben dazu ein Rückstellwerkzeug verwendet. Eine lohnende Anschaffung!
So geht der Kolben ganz leicht raus:
Opel Combo | Bremsanlage hinten | Bremskolben ausgeschraubt
Sowohl Kolben als auch Dichtmanschette sahen noch gut aus:
Opel Combo | Bremsanlage hinten | alter Bremskolben ausgebaut
Anschließend muss das Geraffel auf der Rückseite weichen:
Opel Combo | Bremsanlage hinten | Rückseite vom Sattel
Für den Betätigungsarm empfiehlt sich ein kleiner Abzieher.
Ist der Bremssattel soweit nackig, kann man ausgiebig sein Inneres beäugen:
Opel Combo | Bremsanlage hinten | Krümel im Bremssattel
Die Krümel stammen vom Ausbau. Da ist also später eine intensive Reinigung mit Bremsenreiniger nötig.
Tief im inneren des Sattels sieht man einen Segering, der den Handbremsmechanismus dort hält:
Opel Combo | Bremsanlage hinten | Seegering im Bremssattel
An diesem Ring sind wir gescheitert. Weder unsere Sammlung an Segeringzangen, noch sonstige Hilfskonstruktionen waren schmal bzw. gekröpft genug, um den Ring zu lösen. Der sitzt da mit anständig Spannung drin.
Damit hatte sich die Überholung des Sattels erledigt.
Beim Zusammenbau des Sattels (den Neuen gab’s im Austausch) ist uns auch prompt die Dichtmanschette des Kolbens gerissen.
Sollte ich mich also nochmal mit einer Bremssattelüberholung beschäftigen müssen, würde ich direkt zwei Dichtsätze ordern. Nix ist ärgerlicher, als wenn die Reparatur an so einer Lapalie scheitert.
In der nächsten Episode gehts dann mit einem Neuteileregen weiter.

ausgebremst II

Dem Combo gelüstete es ja noch nach einem neuen Bowdenzug für die Bremse. Man erinnert sich?
Um da anständig dran zu kommen, muss man unter den Hobel. Da ich momentan jedoch nicht in die alte Heimat kann und vor Ort noch keine Menschen mit Hebebühnenzugag kenne, hab ich mal eine Selbsthilfewerkstatt getestet.
Meine Wahl fiel auf „Olsens Schrauberhalle„. Mit 10€ für die Hebebühnenstunde waren sie die billigsten. Außerdem sahen die Bilder gut aus:

Man beachte den Opel Blitz am linken Bildrand.
Aktuell sieht die Halle so aus:
Auf der Hebebühne
Der Combo steht dabei auf der Bühne des G-Astras und man blickt Richtung Opel Blitz.
Sagen wir mal so: Die Jungs haben sich Mühe gegeben, die Halle voll zu bekommen…
Egal. Ich war zum arbeiten da und das ging ratz-fatz.
Kurz angemeldet, „Jau, nimmste Bühne 5.“ als Antwort bekommen und danach sich selbst überlassen gewesen.
Wie man die Bühne bedient? Ob die Kiste da sicher drauf sitzt? Gewichtsverteilung?
„Selbsthilfe“ wird da groß geschrieben. Gut dass ich bei Mehl und Goof schon ausreichende Erfahrung gesammelt habe.
Rucki-Zucki war der alte Bowdenzug draußen und ich konnte einen ersten Vergleich vornehmen:
ausgebaut
Aufbau stimmt, lediglich die Gummimanschetten sind etwas anders geformt und aus erkennbar billigem Gummi. Mal sehen, wie lange die halten.
Außerdem fehlt der Hitzeschutz zum Auspuff. Der ist jedoch meines Wissens nach ein CNG spezifisches Teil. Den muss man also umfriemeln.
Danach alles wieder zusammen geworfen:
eingefädelt
Am besten fängt man damit an, den Bowdenzug vom Handbremshebel einzufädeln. Eine schön lange Spitzzange ist da sehr hilfreich!
Bei den Halteklammern stellt man dann fest, dass der Nachbau-Bowdenzug ein dünneres Schutzgummi hat:
Durchmesser für Klammer zu klein
Is aber kein Hindernis. Die Klammern lassen sich leicht etwas zusammenbiegen.
Abschließend muss man noch den Hitzeschutz vom alten Bowdenzug wieder anbringen:
Hitzeschutz
Soweit ich gesehen habe, führt kein Weg daran vorbei, ihn der Länge nach aufzuschneiden und dann am neuen Bowdenzug wieder zu verschließen. Professionell würde man das mit einem Streifen Alu-Klebeband machen. Kabelbinder sind aber mindestens genauso gut….
Keine Ahnung, ob das bei normalen Combos auch nötig ist, da der CNG-Combo aufgrund der Gastanks eine „Sidepipe“ als Auspuff hat. Normalerweise läuft der Auspuff gerade nach hinten weiter.

Gorillastopper

Die Vorderrad-Bremse der Gorilla sang vor ein paar Tagen das Lied vom quietschenden Bremsbelag.
Kein Problem. Einmal neu, bitte:
neue Bremsbeläge
Prophylaktisch hab ich direkt einen Satz für die Hinterradbremse mit geordert. Auch wenn manche Händler behaupten, es würde unterschiedliche Sätze für vorne und hinten geben: Sie sind identisch…
Um die Gorilla aufzubocken hat sich eine Getränkekiste bewährt:
Gorilla aufgebockt
Um die Maschine zu sichern empfiehlt sich ein Spanngurt, den man durch die Griffe der Kiste und über die Fußrasten führt. Zusätzlich kann man noch einen Spanngurt vom hinteren Gepäckträger zum Kasten führen, um das Heck am Boden zu halten.
Der Ausbau ist selbsterklärend.
Hier ein Asbest-Gruß aus den 80ern:
Asbest
Für den Einbau empfiehlt es sich, die Federn in ausgebautem Zustand in die Belagträger einzuhängen und das Ganze dann mit roher Muskelkraft über den Halter, sowie den Nocken zu zwängen:
Bremse zusammengebaut
Der Einbau erfolgt dann in umgekehrter Reihenfolge….
Bei dieser Gelegenheit will ich auch mal auf eine weitere schlaue Honda-Idee hinweisen, den Verschleißanzeiger:
Verschleißanzeiger
Wie man sieht, befindet sich am Bremshebel eine kleine Blechfahne mit einem Pfeil drauf, steht dieser Pfeil bei gezogener Bremse bündig mit dem Guss-Pfeil der Bremstrommel ist es Zeit, den Bremsbelag zu wechseln. Einfach und effektiv!

Rubbel-die-Kratz III

Vor ein paar Tagen gab der Combo ein verräterisches Quietschen von sich, wenn man die Bremse betätigte. Klassisch, Metall auf Metall.
Da ich das nahende Ende des hinteren linken Bremsbelages schon beim letzten Reifenwechsel habe kommen sehen, hatte ich frühzeitig einen Satz neue Bremsbeläge geordert. Nach dem Debakel mit den Pinnen auf den letzten Belägen, hatte ich diesmal darauf geachtet, welche mit glatter Rückseite zu nehmen. Die Wahl fiel auf ATE 13.0460-2868.2.
ATE 13.0460-2868.2
Da wir glücklicherweise nicht täglich auf den Combo angewiesen sind, konnte ich ihn stehen lassen, bis ich Zeit für den Wechsel hatte.
Am letzten Wochenende war das dann ein Aufwasch mit dem anstehenden Sommerreifenwechsel.
Der Belag hinten links war klar am Ende:
Blick auf den alten Belag
Ausgebaut zeigte sich, dass er lediglich am erhöhten Rand der Bremsscheibe Kontakt mit dem Metall hatte:
blanker Belag
Die Scheibe selbst trug keine Blessuren davon.
Laut Werkstatthandbuch sind Riefen in der Scheibe bis 0,4mm zu tolerieren. Davon war keine Spur.
Ich habe die Chance genutzt und mal die Stärke der Bremsscheibe vermessen. Die Verschleißgrenze beträgt an der Hinterachse 8mm:
Mindeststärke der Bremsscheiben
Hat man keine Bügelmessschraube zur Hand, kann man auch mit einer einfachen Schieblehre die Dicke bestimmen. Allerdings nutzen sich Bremsscheiben in der Mitte stärker ab, als an den Rändern. Um also kein verfälschtes Ergebnis zu bekommen empfiehlt es sich bei der Messung zwei Unterlegscheiben als Distanzstücke in der Mitte der Scheibe zu platzieren und deren Stärke nachher vom Ergebnis abzuziehen. Die Scheiben des Combos haben noch 9,47mm Reststärke. Sind also noch gut.
Die Bremskolben an der Hinterachse muss man zum zurück stellen unter starkem Druck nach rechts (im Uhrzeigersinn) drehen. Für diese mühsame Aufgabe haben wir bisher einen Flexschlüssel mit passender Aussparung und eine Schraubzwinge verwendet. Aber selbst das war eher suboptimal und immer sehr zeitaufwändig. Also habe ich etwas Geld in die Hand genommen und ein Bremskolbenrücksteller-Set von Ro-Tools geordert:
Ro-Tools Bremskolbenrücksteller-Set
Es beinhaltet neben rechts- und linksdrehenden Spindeln samt Druckplatten auch Adapter für folgende Fahrzeuge:
Ro-Tools 21pcs Bremsrücksteller Fahrzeugliste
Das sollte einen Großteil unserer Fahrzeuge (mit Scheibenbremsen) abdecken.
Leider fand sich in dem Koffer weder obige Fahrzeugliste noch eine Bedienungsanleitung. Ist aber keine Weltraumwissenschaft:
Als erstes sucht man den passenden Adapter. Für Opel steht in obiger Liste der Adapter „F“. Allerdings passt der beim Combo C (und damit auch Corsa C) eher bescheiden. Die Pinne stehen zu eng zusammen und gucken halb aus den Aussparungen im Bremskolben. Haargenau passt hingegen der Adapter „6“:
Adapterplatten Nr. 6 und F für Opel
Nachdem man den passenden Adapter auf den Mitnehmer der Spindel gesteckt hat, fädelt man die große Druckplatte von hinten über den Handgriff und verspannt das ganze Gesäusel handfest in der Bremszange:
Ro-Tolls Bremskolbenrücksteller im Einsatz
Bevor man nun loslegt, sollte man den Bremsflüssigkeitsstand im Vorratsbehälter begutachten. Durch das zurückpressen des Kolbens wird Bremsflüssigkeit zurück ins Reservoir gedrückt und kann dort überlaufen. Da der Combo bei uns sehr schief stand (Achsständer), hat Vaddern sicherheitshalber etwas Flüssigkeit abgezogen:
Bremsflüssigkeit abziehen
Anschließend kann man langsam die Spindel reindrehen. Es hilft, wenn man ab und zu eine kleine Pause einlegt, damit die Bremsflüssigkeit Zeit hat, zurück ins Reservoir zu strömen.
Mit dem Rücksteller ist zwar immer noch anständig Kraft nötig (insbesondere wenn der Kolben recht weit draußen ist), aber die Arbeit geht viel schneller und ohne Gefummel von der Hand. Die 19,99€ auf jeden Fall Wert!
Anschließend konnten die neuen Gleitbleche und Beläge rein:
neue Beläge eingebaut
Anschließend das gleiche Spiel nochmal auf der anderen Seite.
Interessant fand ich, dass drei der vier Beläge gleichmäßig abgenutzt waren. Lediglich der hintere, linke äußere Belag war bis auf den Belagträger abgefahren:
vier alte Bremsbeläge
Hängender Kolben?
Ich befürchte sowas.
Ich werde da mal ein Auge drauf haben. Wenn auch die neuen ATE-Beläge bei dem so schnell runter sind, werde ich da mal tätig werden müssen.