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Oberst Hathi gehört nun zur Familie

Entgegen meiner Prognose werden es wohl nicht „die nächsten Artikel“ sein, in denen ich von unserer Suche nach einem Opel Combo CNG berichte, sondern nur dieser…
Wir haben ihn nämlich schon gefunden.
Im tiefsten Brandenburg (Jüterbog, malerischer Arsch der Welt), dort wo die Trabanten blühen, fanden wir ihn.
Trabant-Denkmal
Bei Autohaus Lautsch stand er als unsere Erstwahl (hier schon nach der Abholung):
Fahrerseite
Baujahr 2008 und damit modellgepflegt, mit dem 94-PS-Motor.
Beifahrerseite
An Ausstattung hat er: elektrische Fensterheber & Spiegel, FlexOrganizer-Paket, CD-Radio „CD 30“ mit Lenkradfernbedienung, höhenverstellbaren Fahrersitz, zwei Schiebetüren, große Heckklappe, Raucherpaket (trotzdem NR-Wagen), Klimaanlage, Funkzentralverriegelung
Front
Mit 52.000 km war der Tachostand angenehm niedrig. Erstzulassung war Ende 2008 auf den Landkreis Teltow-Fläming. Der Landkreis leaste bei diesem Händler insgesamt 28 (!!) identische Combos. Als Behördenrutsche wird er kein einfaches Leben gehabt haben. Dessen sind wir uns bewusst. Allerdings habe ich im Laufe der Suche lernen müssen, dass es kaum CNG-Combos aus erster privat-Hand mit akzeptabler Laufleistung gibt. Selbst wenn es eine domestizierte „Tour“-Version ist, so lief diese dann meistens bei einem Kleingewerbetreibenden und wurde nachmittags als Familienkutsche verwendet.
Da ist mir so ein Behördenfahrzeug mit vollem Scheckheft schon lieber. Da wurde wenigstens nicht am Service gespart und alles repariert, was anfiel. Dadurch, dass das Autohaus so einen Haufen von den Dingern zu warten hatte, werden die auch genügend Erfahrung gesammelt haben, um mit den Gasanlagen umgehen zu können. Das beruhigte mich weiterhin.
Durch die Behördenvergangenheit ist er natürlich kein Top-ausgestattetes Spitzenmodell. Der Üni-Lack in „royalblau“ war die billigste, nicht aufpreispflichtige Farbe. Ebenso das Interieur in Stoff-anthrazit.
Innenraum Sitze vorne
Er hat jedoch alles, was nach unserer Meinung für ein einigermaßen komfortables Reisen, auch auf längeren Strecken, erforderlich ist.
Das Geräuschniveau hält sich selbst bei Tempo 120 in überraschend akzeptablen Grenzen. Man kann sich dann noch unangestrengt unterhalten.
Bemerkenswert ist der Fußraum für die Hinterbänkler:
Innenraum Sitze hinten
Die Behördenvergangenheit bringt ebenfalls mit sich, dass augenscheinlich noch nie jemand auf den hinteren Sitzen Platz genommen hat.
Ein wenig negativ ist jedoch aufgefallen, dass sich die Vordersitze nicht sonderlich weit zurück schieben lassen. Uns Zwergen ist das jedoch Schnuppe.
Das Raumgefühl ist, bei annähernd identischen Außenmaßen (Länge und Breite) wie der Stiefastra, überwältigend:
Innenraum Überblick
Wie man sieht bekommt man bei aufgestellten Rücksitzen noch vier Winterreifen in den Kofferraum.
Die Rundumsicht ist ebenfalls fabelhaft. Die riesigen Nutzfahrzeug-Außenspiegel und die große Frontscheibe geben einem einen Panoramablick auf den Straßenverkehr. Gut dass wir uns für die große Heckklappe entschieden haben. Die Rücksicht durch den Innenspiegel ist so ebenfalls ausgezeichnet. Im Netz ließt man immer wieder, dass hinter den dicken Holmen der Flügeltüren sogar ganze Autos aus dem Blickfeld verschwinden. Von Motorrad- und Fahrradfahrern ganz zu schweigen.
Der Motorraum sieht ebenfalls gut aus:
Motorraum
Lediglich dieser ominöse Beutel trübt den gepflegten Eindruck:
ominöser Beutel
Ich vermute, dass sie den lokalen Marder mit einer goldenen Priese Koks killen wollten…
Auch von unten bestätigt sich der gute Eindruck:
Ölwanne + Getriebe
Motor und Getriebe sind trocken und alle Teile im Umfeld sehen noch neu aus.
Lediglich der Auspuff ist eine Sollroststelle:
Auspuff
Das Netz spricht von einer maximalen Lebensdauer von 5 Jahren.
Der CNG-Combo weicht hier auch von seinen sonstigen Brüdern ab. Aufgrund der großen Gastanks unter dem Heck, war dort kein Platz mehr für einen Auspuff. Daher endet dieser nun unter der Schiebetür auf der Fahrerseite.
Der Combo ist auch das erste Fahrzeug, dass ich sehe, welches auf seiner Unterseite Klartext-Aufkleber hat:
Aufkleber unterm Auto
Positiv ist mir ebenfalls aufgefallen, dass egal in welchen Hohlraum man blickt, man immer auf eine dicke Schicht Korrosionsschutzwachs stößt:
Korrosionsschutz
Unter dem Tankdeckel finden sich zwei Tankstutzen:
Tankstutzen
Auf den Kleinen Nöppes kommt dann die Kupplung der Zapfsäule (hier die alte Version):
Erdgas-Zapfpistole
Der Tankvorgang selbst wird von einer beeindruckenden Geräuschkulisse begleitet, ist aber ansonsten unspektakulär.
Ganz große Emotionen kommen erst dann, wenn man nach dem Volltanken auf die Zapfsäule blickt:
Erdgas-Zapfsäule
Unsere bisherige Erfahrung ist, dass uns die Strecke Magdeburg – Osnabrück mit ihren 280 km an Gas 12,45€ kostet. Der Stiefastra hätte den dreifachen Betrag gefressen….

Auch die Namensfindung war schnell abgeschlossen. Aufgrund der riesen Ohren wurde er „Oberst Hathi“ getauft:
http://www.youtube.com/watch?v=HWE-Cn19B_g

Oranje

Es ist ein neuer Bug bei eBay Deutschland aufgetaucht:

Leider geben weder die Beschreibung noch die Bilder viel zum technischen Zustand her. Aber wenigstens ist von einem „Fotoband über Restauration und Neuaufbau + Rechnungen“ die Rede. Da könnte man einiges nachvollziehen.
Um eine deutsche Zulassung muss sich der neue Eigentümer auch kümmern.
So lässt sich halt nur über das äußere Erscheinungsbild nörgeln.
Die Außenspiegel stammen von einem Motorrad, das Orange ist zu dunkel und blättert stellenweise schon ab, hinten ist eine moderne Antenne aufgesetzt, die Hutablage hat einen aufgeschraubten Kasten für ein Radio, der Innenraum wurde mit dem Pinsel schwarz gestrichen, die mit Kunstleder bezogene Abdeckung über der Mittelkonsole und dem Lenkrad fehlt (selten!), der Sitzbezug vom Fahrer ist „komisch“, die Steckfenster sind aus schwülstigem Plastik, der blaue Dekorsatz ist ebenfalls nicht original, die Kofferraumklappe aus Riffelblech ist der Horror, das Abdeckblech für die Kühleröffnung ist nicht original (selten!) und als Unke vom Dienst befürchte ich bei diesem Bild auch einigen technischen Unbill:

An der Elektrik scheint schon mal jemand geflickt zu haben und wenn man sich die Hydraulikzylinder genau anguckt, erinnern die mich stark an die von meinem Bug (vor dem Umbau versteht sich!).
Es ist also mal wieder , wie alles im Leben, eine Frage des Preises…
Ich bin gespannt, für was er über den Tisch geht.

Möhre aus Möhrendorf

eBay hat für Schnellentschlossene Momentan die Gelegenheit auf einen Reliant Rialto:

Vom äußeren Zustand kann man getrost auf den Inneren schließen. Das Armaturenbrett ist mittig durchgebrochen und kollabiert:

Als Hatchback ist er auch von der Karosserieform eher uninteressant.
Laut Anzeige stand er 8 Jahre in einer Scheune und springt nun nicht mehr an. Der Motor soll aber drehen. Leider fehlen auch die englischen Papiere.
Also 1A-Schlachtfahrzeug. Dafür sind die momentan aufgerufenen 101€ fair.
Alternativ könnte man daraus einen witzigen Schlafanhänger basteln.
Für mich steht er aber zu weit weg. Die Spritkosten wären höher als der Kaufpreis.

Werkzeugkoffer

Ich merke schon, das Rätsel war viel zu leicht für euch.
OST lag mit seinem Tipp „Vitara“ goldrichtig.
Zu essen gab es griechische Hacksteaks (mit umstrittenem Namen Suzuki, Zuzuki, Souzuki, Bifteki, Keftedes) und dazu ein Vitamalz….Zu einfach. Ich gebs zu.
Dann erzähle ich die Geschichte mal von Anfang an.
Motivation für die Anschaffung war, dass sich der Ende letzten Jahres angeschaffte Volvo V50 als ungeeignet für den Waldeinsatz erwiesen hat.
Das hat multiple Gründe.
Zum einen hat Vaddern, welcher den Wagen bezahlt, ihn bislang am wenigsten genutzt. Erst hatte ich ihn mit in Speyer und seit Jahresbeginn nutzt ihn mein Bruder bis sein Volvo 740 wieder läuft.
Weiterhin hat sich herausgestellt, dass es doch eine zu starke emotionale Bindung bei uns an Fahrzeuge der Marke „Volvo“ gibt, als dass man damit ohne schlechtes Gewissen durch Wald und Flur im Revier bügeln könnte. Alleine schon der Gedanke an dreckverkrustete Stiefel ließ Vaddern erschaudern.
Und zuletzt ist der V50 einfach viel zu niedrig. Die Wege im Revier sind teilweise so ausgefahren, dass man dort unwillkürlich mit einem normalen PKW aufsetzt.
Daher erging der Auftrag an mich, ein Fahrzeug mit möglichst wenig emotionalem Bindungspotential zu suchen (damit hatte ich ja schon reichlich Erfahrung gesammelt) und welches für den regelmäßigen Waldeinsatz geeignet wäre.
Schaut man sich ganz unbedarft nach Allradfahrzeugen um, schlägt man erstmal bei den Preisen hinten rüber. Als Daumenpeilung kann man sagen, dass die Preise im Vergleich zu PKWs ähnlicher Größe und Ausstattung regelmäßig mindestens doppelt so hoch sind. Eine völlig tote Allrad-Rostlaube bringt immer noch über 1000€, während ein vergleichbarer PKW bei maximal 500€ liegen würde.
Um so schlimmer wird es, wenn man in den Bereich der „richtigen“ Offroader wie G-Klasse oder Land Rover geht. Da heben die Preise richtig ab. Da Vaddern jedoch lediglich über matschige Wiesen und ausgefahrene Feldwege hoppeln will, musste es keines dieser ernsthaften Geräte werden. Viel mehr war ihm an kompakten Abmessungen (um zwischen den Bäumen durch zu passen), moderaten Unterhaltskosten und problemloser Bedienbarkeit gelegen. Damit geriet die Klasse der „Softroader“ in meinen Fokus. Da finden sich auch Bodenfreiheit, Allrad sowie kleine Motoren. Toyota RAV4 (Serie I) in Kurzversion zum Beispiel erschien ein viel versprechender Kandidat. Allerdings soll sein komplett dem PKW-Programm entnommenes Fahrwerk auch lediglich leichtem Geländeeinsatz nicht gewachsen sein. Nächster Kandidat war der Daihatsu Terios I. Robuste Technik (späte Modelle sogar mit Steuerkette), sperrbares Mitteldifferenzial, 1,5l-Motörchen. Klang alles gut. Auch die Autozeitung mit vier Großbuchstaben lobte ihn mit den Worten „kann man blind am Telefon kaufen“. Ein Traum!
Es sollte sich aber eher als Wunschtraum (im wahrsten Sinne des Fahrzeugnamens) herausstellen.
Wir haben uns vier Terios von 2200€ bis 6900€, Baujahr 1997 bis 2003 und 36.000km bis 98.000km angesehen. Es war grauenhaft! Den Wagen für 2200€ habe ich noch nicht mal fotografiert. Die Rostlöcher waren so groß wie eine DIN-Faust, alles war mit Felgensilber übergejaucht und lieblos mit Glasfasermatten und Spaxschrauben geflickt. Der Wagen bekommt nie wieder TÜV. Doch auch seine jüngeren und teureren Brüder trieben einem die Tränen in die Augen.
Kandidat zwei:
Daihatsu Terios 14
Man erkennt die zielgerichtete Haltung der Protagonisten. Allerdings erkennt der geneigte Betrachter auch, dass die Motorhaube sowie Stoßstange eine andere Farbe hat, als der Rest des Wagens. Die linke hintere Tür war von Cellulite befallen und schlecht beilackiert. Unfall? „Nicht das ich wüsste.“ Warum sind denn da überall Bleche reingebraten? „Wooo?!“
Daihatsu Terios 15
„Och, da hat nur der Wagenheber den Unterboden ein wenig eingedrückt.“ Aha. Überall am Unterboden? Der frische Unterbodenschutz ist ja noch schön klebrig. Sogar auf den rostigen Falzen. War es nötig, auch die Bremsscheiben damit einzusprühen? Der Verkauf im Kundenauftrag ohne jegliche Gewährleisteung versteht sich dabei natürlich von selbst. Wir waren nach 15 Minuten durch. Für 4500€ muss er sich wen anderes suchen.
Nächster Händler. Der hatte gleich ein ganzes Rudel da. Der hier sollte 5900€ kosten:
Daihatsu Terios 20
Hatte knapp über 50.000km runter und war aus 2002. Innen Tip-Top. Das interessierte uns jedoch mittlerweile nicht mehr. Der Blick unter den Wagen offenbarte klassisches:
Daihatsu Terios 21
Als der Finger aus dem Loch zurück kam, war er braun und brachte reichlich Brösel mit.
Letzte Hoffnung war dieser hier:
Daihatsu Terios 16
2003, knapp 36.000km, Ersthand, Scheckheft, 6900€.
Was soll ich sagen? Hier die Bilder:
Daihatsu Terios 18

Daihatsu Terios 19
Sagen sie mal: Der rostet aber auch schon ganz ordentlich, oder?! „Warum?!“ Fingerzeig unters Auto; „Ja, da sind wir noch nicht mit der Aufbereitung fertig….“ blank geschliffen auf einer feuchten Wiese im Regen stehen lassen? Die „Aufbereitung“ sparten wir uns lieber.
Ein müdes Schmunzeln konnte uns der Händler wenigstens noch beim Anblick seiner praktischen Unkrautsperre im Vorgarten entlocken:
Daihatsu Terios 22
Ich vermute, er verkauft alle Autos ohne Fußmatten….
Daihatsu ist damit als Hersteller für uns gestorben. Tobias hatte sich vor einiger Zeit den Copen angeguckt und dort auch massive Korrosionsprobleme entdeckt. Das scheinen sie generell nicht im Griff zu haben.
Der Tag war ein Schlag ins Wasser und wir haben die obige Erkenntnis mit einer ziemlich hohen Spritrechnung teuer bezahlt. Ärgerlich.
Wir beendeten den Tag daher auch mit einer angemessenen Ladung Junkfood:
Daihatsu Terios 24