Archiv der Kategorie: Simson Duo 4/1

Hier geht es um mein heiß geliebtes Duo 4/1. Meinen ersten Oldtimer.

Der Prinzessin neue Schuhe VI

Nachdem ich nun die Räder vermessen und aussortiert hatte, hab ich mich ans ausspeichen gemacht. Es wird immer vorgeschlagen, man soll hierzu eine Flex nehmen, weil das am schnellsten geht. Ich hab hingegen jede Speiche einzeln rausgeschraubt. Wer weiß, wozu man die nochmal gebrauchen kann…
Als die Teile dann einzeln vor mir lagen, konnte es ans schleifen, polieren und lackieren gehen.
Als erstes musste die 30 Jahre alte Oxidationsschicht samt Dreck runter. Dazu hab ich einen Messing-Bürstenvorsatz für die Bohrmaschiene benutzt. Es ist wichtig keine Eisen-Bürste hierzu zu verwenden, weil beim schruppen winzige Teilchen der Bürste in das Alu eindringen. Wenn das dann rostfähiges Materieal ist, fängt eure Trommel später mal an zu rosten und ist dann ein Fall für den Eimer bzw. die Drehbank!
Räder neu einspeichen 038
Allerdings erwieß sich die Messingbürste als blöde Idee, da sie zu hart war und tiefe Kratzer in der Trommel hinterließ:
Räder neu einspeichen 041

Als wesentlich besser hat sich eine später von mir gekaufte Polyamid (Nylon)-Bürste herausgestellt. Die entfernt den Dreck genau so gut, hält ihre Form und hinterlässt nur ganz feine Kratzer. Dreck an Stellen, in die ich mit der Bürste nicht kam, habe ich mit Bremsenreiniger eingeweicht und dann mit einem kleinen Schraubenzieher rausgekratzt bzw. mit einem Tuch abgewischt.Nachdem der Dreck runter war, konnte es ans schleifen gehen. Den Anfang bildete 400er Schleifpapier. Dann 600er, dann 800er und zum Abschluss noch nasses 1000er-Papier. Das Wasser fungiert bei diesem letzten Arbeitsschritt als Gleitmittel und ergibt einen hübscheren Glanz. Was an dieser stelle als kurze Beschreibung rüber kommt, war in Wahrheit tagelange, eintönige Arbeit, bei der einem am Abend der Arm vor Schmerzen abfällt. Die einzigen Bauteile bei denen ich einen Deltaschleifer zum schleifen einsetzen konnte, waren die Bremsendeckel und der Zierdeckel des Vorderrades. Und für den habe ich kein feineres Schleifpapier als 360er gefunden. Das ersparte mir also auch nur den ersten 400er-Arbeitsschritt.
Nachdem ich auch mit schleifen fertig war, konnte es ans polieren gehen. Ich hab erst mit einem öligen Politurmittel (in fester Blockform) experimentiert, dass wir noch rumliegen hatten. Durch rubbeln mit dem Stein kam etwas Abrieb auf das Bauteil. Der sollte dann mittels Sisalbürste an der Bohrmaschiene wieder runterpoliert werden. „Sollte“…. Das Ergebnis war ein hartneckiger, schwarzer Schmier auf den Teilen und in der Bürste. Toll. Ich hab mir dann aus dem Baumarkt SONAX Chrom-& AluPaste mitgebracht. Die war wesentlich besser zu verarbeiten, auch wenn sie eine Menge Staub im Werkraum hinterließ, so das tägliches saugen angebracht war. Den poliertechnischen Abschluss bildete dann eine Behandlung mit dem Wundermittel Nevr-Dull und ein kräftiges abputzen mit einem sauberen Lappen. Auf dem nächsten Bild seht ihr die einzelnen Schritte: Unten links ein Teil im Ausgangszustand, oben links eines nach der Messing-Bürsten-Behandlung und oben rechts eines im finalen Polierzustand.
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Beim Felgenhorn sieht man den unterschied auch recht deutlich. Hinten der Ausgangszustand und vorne das fertig polierte:
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Da ich ja ein fauler Mensch bin, will ich in Zukunft nicht dauernd meine Felgen nachpolieren müssen, um den Glanz zu erhalten. Daher habe ich mir extra harten Klarlack besorgt und die fertigen Teile damit überlackiert. Dadurch wurde der Glanz etwas matter (wenn man ganz genau hin sieht, erkennt man die feine Orangenhaut des Lacks), aber ich fand es noch tragbar:
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Bei der Trommel sieht man ganz deutlich den Glanz des Klarlacks und die Riefen der Messingbürste.
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Wie gesagt: Die Teile, die ich mit der Nylon-Bürste gemacht habe, haben eine viel feinere Oberfläche!
Insgesamt bin ich aber mit dem Ergebnis zufrieden.
Der nächste Schritt war dann das aus- und einpressen der Radlager. Hierbei sollte sich herausstellen, dass die vorherige Lackierung der Trommel keine ganz brillante Idee war…

Millimeterarbeit

Beim Daten-aufräumen habe ich noch diese drei Fotos gefunden. Sie sind ein Nachtrag zum Artikel Homecoming Queen.

Die neuen Drehwirbel habe ich mit Gummiunterlage versehen, damit sie nicht direkt den neuen Lack zerkratzen:
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Die neuen Edelstahlschrauben der Wirbel passen nur gerade so. Ich vermute, dass die Gummiunterlagen und die neue Kederleiste für diesen Umstand verantwortlich sind. Wie gesagt: Was bei der Anprobe Haar-genau passt, ist später garantiert zu klein.
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Der schwarze Rand zwischen Heckblech und Querrohr ist der innere Teil der Kederleiste.
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Der Prinzessin neue Schuhe V

Nachdem ich dann den Plan gezeichnet hatte, hab ich mir eine Vorrichtung gebaut, um den (ungefähren) Rundlauf der alten Räder zu überprüfen. Ich wollte sowohl den Höhen- und Seitenschlag des Felgenhorns checken, als auch den Rundlauf der Trommeln überprüfen.
Ich nahm mir dazu einen langen Achsbolzen aus meinem Fundus, ein paar alte Kugellager und etwas Lochband:
Räder neu einspeichen 028
In das Lochband bohrte ich ein Loch durch das die Achse passte. Solltet ihr meine Konstruktion nachbauen wollen, sei an dieser Stelle angemerkt, dass ihr zum Bohren das Lochband auf einem Stück Holz fixieren solltet. Ansonsten reißt euch der Metallbohrer das Dingen aus der Hand und wickelt ne hübsche Spirale draus. Also zum bohren schön fest machen! Quasi so:
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In einen Holzklotz wurde ein für die Achse passendes Loch gebohrt und dieser dann samt Achse in den Schraubstock eingespannt. Darauf wurden dann eine kleine Unterlegscheibe und ein Kugellager gesteckt. Die Unterlegscheibe ist so gewählt, das nur der innere Ring des Kugellagers auf ihr aufliegt und der Rest des Lagers frei schwebt:
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Nun wird das Rad auf die Achse gesteckt:
Räder neu einspeichen 012
Der Bereich der Trommel durch den die Achse führt ist so breit, dass er nur auf dem äußeren Rand des Kugellagers aufliegt (Zur Not mit Unterlegscheiben nachhelfen). Dadurch kann sich das Rad auf dem Lager frei drehen und wird nicht (wesentlich weniger) durch Reibung abgebremst:
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Auf der Oberseite der Konstruktion habe ich wieder ein altes Kugellager mit Unterlegscheiben aufgelegt. Darauf kam dann das Lochband. In das Lochband habe ich zwei Schrauben eingesteckt und mit Muttern gekontert. Dann wurde das ganze so gebogen, dass die Schrauben hauchdünnen Abstand zur Trommel bzw. zum Felgenhorn hatten:
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Es ist wichtig, dass das Lochband stabil genug ist, dass es nicht unter dem Gewicht der Schrauben verbiegt oder zu leicht selbst zu schwingen beginnt.
Dreht man nun am so eingespannten Rad bleiben die Schrauben als Fixpunkt bestehen und man kann mit bloßem Auge den relativen Versatz der Bauteile erkennen.
Einmal am Felgenhorn:
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Und einmal an der Trommel:
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Will man das ganze auch noch messen, muss man das Rad an der „höchsten“ Stelle anhalten, mit der Schieblehre Zwischen Schraube und Bauteil maßnehmen und dann zur „tiefsten“ Stelle weiterdrehen. Dort das gleiche Spiel nochmal und dann ein wenig rechnen.
Mir reichte mein ungenaues Augenmaß um eine eierige Trommel und ein wellenförmiges Felgenhorn (Man stelle sich eine winkende Menschenmasse vor) auszusortieren. Das Horn überschritt die tolerierbaren 5mm Höhen- und Seitenschlag ganz wesentlich.

Nachdem das Material nun gesichtet war, konnte es ans ausspeichen, schleifen und polieren gehen…

Der Prinzessin neue Schuhe IV

Nachdem ich nun die Räder gegen die Transportrollen getauscht hatte, konnte es ans ausspeichen, schleifen und polieren der alten Felgen gehen.
Um mir aber nachher das Neu-einspeichen zu erleichtern, habe ich vorher mit Buntstiften einen Plan von den alten Speichen gezeichnet. Einfach drei DIN-A4-Zettel aneinander geklebt, ein Rad mittig drauf gelegt, die Trommel und das Felgenhorn umzeichnet und dann abwechselnd mit drei Farben die Speichen nachgemalt:
Rad neu einspeichen -Plan- 4
An der Trommel nebeneinander liegende Speichen bekamen immer die selbe Farbe:
Rad neu einspeichen -Plan- 1
Der fertige Plan sah dann so aus:
Rad neu einspeichen -Plan- 5
So weiß man nachher von wo nach wo, welche Speiche geht.

Ich empfehle euch aber dringendst, ein Rad komplett zu lassen, bis ihr ein anderes komplett fertig habt! So habt ihr immer ein Anschauungsobjekt, sei es fürs einpressen der Radlager oder die Frage welche Speiche nun über oder unter welcher anderen her läuft.

Schluckspecht

Da ich ein tendenziell vergesslicher Mensch bin, habe ich mir überlegt, dass es schlau wäre in Lolas Handgepäck ein kleines Fläschchen 2T-Öl zu lagern. Wenn ich dann also mal wieder vergesse zu tanken und dann auf einer längeren Tour (z.B. nach hause) nachfüllen muss, weil mich auch die Reserve nicht (sicher) ans Ziel bringt, muss ich nicht gleich den vergoldeten Tankstellenstoff kaufen.
Bisher hatte ich zu diesem Zweck 100ml-Einweg-Plastikfläschchen aus dem Waldmopped-Bedarf dabei.
Aufgrund besagter Vergesslichkeit habe ich allerdings schon zwei Stück davon aufgebraucht und bei knapp 2€ pro Stück ist das ein nicht ganz billiges Vergnügen. Also fix nach einem passenden 100ml Gefäß gesucht, dass auch noch ölbeständig und unkaputtbar ist. Im lokalen Einzelhandelsgroßmarkt fiel mir als einzige 100ml-Flasche eine Baby-Trinkflasche in die Hände. Die Dinger sind unkaputtbar und haben eine schöne ml-Skala auf der Seite. Guter Anfang! Allerdings war ich mir unsicher, ob sie auch ölresistent sind… keine Ahnung, ob die kleinen Teppichratten nen Ölzusatz brauchen, damit sie anständig laufen? Vielleicht quietschen die dann nicht mehr so….
7€ waren mir für dieses Experiment zu teuer. Also weiter gesucht. Bei uns zuhause fand ich dann eine Plastikflasche (war früher Hefe-Extrakt zum Wein-selber-machen drin) auch mit ml-Skala. Die habe ich dann erstmal getestet, musste aber feststellen, dass sie nach ca. einer Woche begann sich aufzulösen und ich ganz herrliche Plastikschlieren im Öl hatte…traumhaft.
Da ich auf weitere Experimente keine Lust mehr hatte, hab ich dann einfach für 6€ einen 100ml-Edelstahlflachmann gekauft. Der ist auf jeden Fall ölfest!
Flachmann
Ich bin schon auf die Blicke an der Tanke gespannt, wenn ich Lola zuproste und es dann in den Tank entleere….

Nick, Nick, Nick…