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Stockschwerenot

Und wieder hat ein seltenes Ersatzteil für schmale Mark seinen Weg in meinen Fundus gefunden: Ein Schaltstock.
Die hinter dem Anreißhebel sitzenden Dinger, sind mal wieder speziell fürs Duo abgeänderte Simsonteile. Theoretisch passen alle Fußschalthebel von S50, Star, Habicht und Sperber. Also alle von Motoren mit kleiner Schaltwelle. Allerdings muss man bei diesen Hebeln dann den oben abgewinkelten Steg absägen und einen passenden Kugelkopf für die Schaltstange (welche die Schaltbewegung vom Schalthebel überträgt) anlöten. Zusammen sieht das dann so aus:
Schaltgestänge
Das Problem bei der ganzen Kiste ist aber, dass durch den hohen Kupferanteil in der Chromschicht ein anschweißen des Kugelkopfes nicht möglich ist. Der Kugelkopf hält dann zwar, aber nur bis man 3-4 mal geschaltet hat. Man muss also jemanden finden, der sowas löten kann. Und bis das geschehen ist, ist es gut, einen Ersatzschaltstock im Fundus zu haben:
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Der Zustand des Chroms und Lacks ist zwar nicht sonderlich berauschend, aber nix, was nicht mit Schmiergelpapier sowie einer Spraydose in den Griff zu bekommen ist. Dafür sieht die Lotstelle aber sehr ordentlich aus und es hat noch niemand den Doppelbogen auf der Rückseite durchbohrt und mit einer Schraube verstärken müssen. Das ist nämlich die andere Schwachstelle der Schaltstöcke.

„Guck ma inni Doous ob noch wat binnen is!“

Vor ein paar Tagen habe ich, nachdem mein Benzinhahn endlich dicht war, meinen provisorischen Tank gegen Lolas neulackiertes Original eingetauscht. Diese Chance habe ich auch genutzt, um an dem Benzinstandsanzeige-Schlauch Markierungen für den Füllstand des Tanks anzubringen. So weiß man nicht nur, ob noch etwas im Tank ist, sondern auch, wieviel, wie weit man damit noch kommt und wieviel man noch drauf tanken kann. Als Abstandsmaß für die Striche habe ich mir 3,5 Liter ausgesucht. Dies halte ich aus verschiedenen Gründen für schlau. Einmal fasst der Tank 14 Liter (macht also 4 Striche), weiterhin sind 3 Liter Reserve im Tank (Wenn der Füllstand also unter die unterste Markierung sinkt, kann man schon mal prophylaktisch auf Reserve umschalten) und außerdem verbraucht so ein Duo zwischen 3,2 und 3,5 Liter auf 100Km (Macht also pro Strich noch 100 Km verbleibende Reichweite). Leider hatte ich nur 8 Liter 2T-Gemisch zuhause, als ich die Aktion durchführte. Daher gibts bisher erst zwei Striche.
Eigene Bilder Duo 1 004
Wenn ihr das nach macht, denkt daran, als Messbecher ein geeichtes benzinbeständiges Gefäß zu nehmen. Ich hab eine antike 0,5l-Öl-Gießkanne aus unserem Fundus verwendet. Das war langwierig und verzählanfällig, aber durch den großen Ein- und Ausguss doch recht bequem (Das gelbliche Gefäß rechts neben dem Kanister).
Eigene Bilder Duo 1 002
Gegen das Verzählen hat sich nach einem zwangsweisen Neuanfang eine Strichliste bewährt…

Weil es thematisch gerade passt, will ich noch schnell ein Bild vom Tank des Außenbordmotors Forelle 6 (Heckmotor HM 125) publizieren. Von diesem hat nämlich das Duo seinen Tank. Es ist NICHT, wie häufig behauptet wird ein Trabi-Tank (der ist wesentlich größer – 26 Liter)! Damit der Forelle-Tank im Duo allerdings verwendet werden kann, sind einige Umbaumaßnahmen notwendig. Diese sind aber nicht allzu schwer und sollten vom Installateur des Vertrauens angelötet/-schweißt werden können. Es fehlt der Benzinhahnanschluss unten links, sowie die Querverstrebung unter dem Tank und die Haltelasche auf der Rückseite. Da rostfreie Duo-Tanks mittlerweile gesalzene Preise bei eBay bringen, kann solch ein Umbau attraktiv werden. Hier ein Bild vom Original:
Forelle-Außenborder Tank

Käfighaltung

Im Schwalbennest bin ich neulich über einen uralten Thread gestolpert, in dem es um das Nachbauen des Verdeckgestänges geht. Dies ist unter Umständen nötig, da die Gestänge Duo-spezifische Teile sind und etwa die Stabilität von Cheddar haben. Dementsprechend sind unverbogene Gestänge heute auf dem Markt ungefähr so selten (und teuer) wie Plutonium aus der Lüneburger Heide. Für den Besitz eines solchen Gestänges sprechen aber verschiedene äußerst triefige triftige Gründe:

  1. Nur mit Verdeckgestänge darf man das Duo ohne Helm fahren (weil es dann als geschlossenes Fahrzeug gilt)
  2. Das Verdeckgestänge stützt die Frontscheibe und minimiert ihre Eigenvibration
  3. Über das Gestänge kann man ein Regenverdeck oder ein Bikini-Top ziehen

Somit spaltet sich die Duo-Gemeinde grob in zwei Lager: Die einen haben ein Gestänge. Die Anderen wollen ein Gestänge.

Für die Leute, die eins haben:
Die Vorbesitzer meiner Lola scheinen mal ne halbe Kuh auf dem filigranen „Überrollkäfig“ transportiert zu haben. Zumindest war das Ding so krumm und schief, dass ich es nach dem Kauf erstmal grob hinbiegen musste, um überhaupt das Verdeck drüber ziehen zu können. So sah es damals aus:
Bild nicht vorhanden
Und anscheinend bin ich nicht der Einzige mit einem krummen Häuschen. Das Material aus dem die (hohlen) Rohre des Gestänges sind, ist so weich, dass sie schon bei relativ geringen Belastungen verbiegen. Und in 30 Jahren tritt so die ein oder andere Belastung für solch ein Gestänge auf. Aber alles kein Beinbruch. Mit einem geeigneten Werkzeug und etwas Zeit kann man ein verbogenes Gestell schön wieder richten.
Ich habe mir dazu ein einfaches Werkzeug gebaut. Dazu benötigt ihr einfach eine Schraubzwinge, ein längeres Brettchen (ca. 25 cm), zwei Klötzchen, eine Rundfeile und zwei Schrauben. In die Klötzchen macht ihr mit der Rundfeile Rillen in Form des Gestänges. Die Rillen müssen nicht 100%ig passen. Sie dienen nur dazu, dass die Klötzchen später nicht wegrutschen können. Wenn eure Klötzchen fertig sind, schraubt ihr sie auf die entgegengesetzten Enden eures Brettchens. Fertig ist das Spezialwerkzeug.
Zusammengebaut sah das dann so aus:
Bild nicht vorhanden
Nun sucht ihr euch eine Delle in eurem Gestänge und setzt das Brettchen auf die Seite, in deren Richtung ihr das Gestänge drücken wollt. Dann setzt ihr die Schraubzwinge mit dem festen Ende auf die Delle (wenn ihr das „Schraubende“ nehmt, rutscht ihr beim Anziehen immer ab) und fangt an die Schraubzwinge anzuziehen. Tastet euch langsam an die benötigte Kraft herran. Mit der Zeit merkt ihr, wieviel Kraft ihr braucht um eine bestimmte Delle raus zu drücken. Ich habe festgestellt, dass man das Gestänge ein ganz klein wenig über den „geraden“ Punkt hinaus Richtung Brettchen drücken muss, damit es nach dem entspannen der Zwinge auch gerade bleibt. So arbeitet ihr euch dann von Delle zu Delle. Vergesst nicht, zwischendurch mal einen distanzierten Blick auf eure Arbeit zu werfen. Nicht dass ihr eine falsche Krümmung produziert. Kleinere und größere Dellen könnt ihr auch gezielter Bearbeiten, indem ihr die Position der Klötzchen auf dem Brett variiert. Für kleine Dellen setzt die Hölzchen einfach näher zusammen. Für größere weiter auseinander. So könnt ihr später auch eine falsch laufende Krümmung Nachkorrigieren.
So sah dann das Werkzeug im Einsatz aus:
Bild nicht vorhanden
Bei dieser ganzen Hin- und Herbiegerei wird der Lack auf eurem Gestänge Risse bekommen und/oder abplatzen. Das ihr das Teil also nachher neu lackieren müsst, sollte euch bewusst sein. Vor dem neuen Lackieren baut es unbedingt testweise ein! Ihr müsst es garantiert noch ein wenig zurechtbiegen, weil nach eurem Strecken die Form etwas aus den Fugen geraten ist. Aber das ist alles kein Hexenwerk. Gezielter und dosierter Krafteinsatz und fertig.

Für die Leute, die eins wollen:
Izzy aus dem Schwalbennest hat mal folgende Anleitung gepostet:

ein Tipp:
Schweiß es dir selber zusammen, habe ich auch gemacht, ist tadellos. Du brauchst 8m Stahlrohr mit 10mm Außendurchmesser und 1mm Wandstärke, 2 Stücke à (knapp) 2m (längsrohre) und 4 Stücke à 1m (Querrohre).

Zum Biegen der beiden Längsrohre einfach ein Ende mit Isolierband zukleben, bis obenhin mit feinem, trockenem Sand füllen (bei meiner Biegeaktion mit der Schraubzwinge habe ich das nicht gemacht), oben auch zukleben und um irgendeine geeignete Form biegen (Kniescheibe isnichgut, ein runder Blumenkübel hat sich als gut erwiesen …).

Wenn du die Plane hast, kannst du die benutzen, um die Längsrohre vor dem Schweißen anzupassen.

Wenn du jemanden kennst, der ein Schutzgasschweißgerät hat (oder selber eins hast…), dann ist das Ding ruckzuck fertig.
An den beiden hinteren Rohrenden schweißt du ein Stück 8mm Gewindestange und eine Unterlegscheibe (als Anschlag am Rohrende) ein, vorn zwei wie-heißen-die-nochmal (Stockschrauben mit Auge heißen die hier im Ösiland, ein Stück metrisches 8er Gewinde, vorn plattgeschmiedet mit einem Befestigungsloch) (Bei uns Saupreußen heißt sowas AugenschraubeDIN 444 [gibts auch in biegefreundlichem Format, da sie beim Gestell ja angewinkelt werden muss]) zum Festschrauben am Fensterrahmen – fertig.

Ich hab’s danach zum Feuerverzinken gegeben, das hat die gewaltige Summe von etwa 11€ gekostet.

Solltest du dich entschließen, das Ding selber zu bauen, schicke ich dir gern ein Foto mit Maßen. Mein Neffe hat sein (intaktes) Gestänge fotografiert und alle nötigen Maße eingetragen.

Das ist das genannte Bild seines Neffen:
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