Ich hab ihn!! Den heiligen Gral deutscher Reliant-Rialto-Fahrer!

Herr Gerst vom TÜV Süd (Sehr sehr nett und kompetent!) hat mir vor wenigen Tagen ein offizielles Datenblatt für Sir Edward (Meinen 1984er Reliant Rialto) zugeschickt. Damit sollte die papierkram-technische Hürde der TÜV-Abnahme nun eigentlich kein Problem mehr sein. Lediglich die technischen Aspekte sind jetzt noch fragwürdig. Oh Boy, oh boy, oh boy….Ich bin ja schon so aufgeregt!
Sehr schön, dass er auch die alternative Reifengröße mit eingetragen hat. Im Original hatte Sir Edward ja Diagonalreifen. Mit der zulässigen Lautstärke muss ich mal gucken. 80N ist als Maximalwert für 1984 angegeben. Laut der Briefkopie, die ich habe, hat der Rialto genau 80N… mal hoffen, dass ich nen leisen Tag beim TÜV erwische.
Ich werde das Datenblatt die Tage noch durch den Scanner ziehen. Wenn dann jemand an einer Kopie interessiert ist, einfach melden.
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Ich hab gehört, ich soll hier ein Rohr verlegen?
Ein kleines unwichtiges Detail fehlte ja noch immer bei Sir Edward: funktionierende Bremsen.
Um die Bremstrommelabdeckplatte überarbeiten zu können, musste ich ja die Bridge-Pipe durchkneifen, da sie festgegammelt war. Auch die anderen Verschraubungen sahen nicht sehr vertrauenserweckend aus:

Daher hatte ich beim Korrosionsschutz-Depot auch alles bestellt, was ich zum nachfertigen der Leitungen benötigte:

Nur hatten sie leider kein „Know-how“ im Angebot. Und auch Profi-Werkzeug sollte sehr teuer sein.
as meinte ja mal, dass er einen Bekannten hätte, der sein Hazet-Bördelwerkzeug eventuell verleihen würde. Leider meinte der Bekannte (dessen Name ich leider schon wieder vergessen habe…) aber, dass es ihm persönlich zu gefährlich wäre, wenn jemand ohne Ahnung sich an Bremsleitungen wagen würde. Da bräuchte man schon Erfahrung zu. Daher wollte er sein Gerät nicht verleihen.
Im ersten Moment natürlich schade. Allerdings wurde die Nachricht im nächsten Moment wesentlich besser: Ich könnte aber gerne mit meinen Plünnen bei ihm vorbei kommen und die Leitungen mit ihm zusammen vor Ort bördeln…
YES! Know-How und Profi-Equipment gleichzeitig. So wünscht man sich das!
Da ich ja nun eh nen Haufen Kunifer-Rohr und Verschraubungen liegen hatte, stand auch direkt fest, dass alle Leitungen neu kommen würden. Also mussten erstmal noch die restlichen alten Leitungen raus.
Hinten rechts:

Hinten links:

Wirklich schwierig war nur die Verschraubung der nach hinten führenden Leitung im Motorraum. Da oben neben der Zündspule sitzt sie:

Da kam man weder von unten noch von oben mit nem Bremsleitungsschlüssel drauf. Einfach zu wenig Platz zum drehen. Erst mit einem schräg aufgesetztem Maulschlüssel ging die Verschraubung gaaanz langsam ab.
Die beiden Leitungen vom Hauptbremszylinder durch den Motorraum habe ich nicht ausgebaut und nachgefertigt. Die sehen aufgrund ihrer geschützten Einbauposition noch sehr gut aus.
So sahen dann die ausgebauten Leitungen auf dem Werkstattboden ausgelegt aus:

Rechts im Bild ist vorne, links hinten. Leider habe ich vergessen, die Leitungen zu vermessen, um es hier zu dokumentieren. Wird aber nachgeholt!
Mit den ausgebauten Originalen als Muster, dem Kunifer-Zeugs, Tobias und as habe ich mich dann auf den Weg zu dem Bekannten gemacht. Ich war besonders erfreut, als wir eine professionelle Autowerkstatt ansteuerten.
Nach einigem rätseln des Bekannten über die komischen englischen Bördel und damit einhergehendem Zittern meinerseits, ob die Hazet-Bördelmaschine die überhaupt kann, ging es ans Werk. Ich hab die Originale vermessen und neue Leitung abgeschnitten, as hat die Stücke entgratet, Tobias die passenden Überwurfschrauben/-Muttern aufgesteckt und der Bekannte hat gebördelt. Lief wie am Schnürchen. Danach habe ich mich noch ein wenig an einem Biegewerkzeug versucht, um die neuen Leitungen in Form zu bringen. Das führte dann beinah zum Desaster einer kaputten Leitung, da ich einfach zu doof dafür war („Naja, dann muss das Diff einfach wo anders hin…“) und ich brach die Biegeaktion ab. Die Kunifer-Leitungen sind so weich, dass man sie locker von Hand über den Daumen biegen kann (Achtung! Knick-Gefahr!). Das sieht dann zwar nicht so schön gleichmäßig aus, wie mit dem Werkzeug, aber dafür kann ich mit meinem Daumen umgehen. Mit dem arbeite ich schließlich schon, seit ich nuckeln kann.
Nach ca. einer Stunde waren wir fertig. Auf meine Frage hin, was ich für seine Hilfe bezahlen dürfte, meinte der Bekannte nur, dass das schon in Ordnung sei. Er wollte partout kein Geld haben. Mal wieder eines der tollen Erlebnisse bei Sir Edwards Restaurierung! Vielen Dank nochmals!! Ohne Sie wäre das bei weitem nicht so reibungslos gelaufen!
Leider war ich so konzentriert bei der Arbeit, dass ich weder davon, noch von der Werkstatt ein Foto gemacht habe, um hier wenigstens ein wenig zu werben. Vielleicht kann as ja noch ein paar Details zu der Werkstatt seines Bekannten (gerne mit Link) liefern, damit ich mich etwas revanchieren kann.
Eine gold-glänzende Pracht sind die neuen Leitungen:

Mit den neuen Leitungen habe ich auch neue Halterungsclips bestellt:

Wie schon mal angesprochen, hat Sir Edward hat im Original ja Doppel-Clips, um auf einem Halter Brems- und Benzinleitung zu fixieren:

Die neuen Clipse geben mir die Möglichkeit die dicke Benzinleitung an den Haltepunkten ebenfalls zu fixieren:

Sitzt sogar recht fest:

Mal sehen, was der TÜV sagt. Wenn die das nicht mögen, muss ich mir was neues überlegen.
Aber erstmal wird’s so gemacht und es war Zeit für den Einbau der Leitungen.
Vorne:

Hinten:

Längs unterm Wagen:

Zugegeben: Es sieht etwas eierig aus. Aber ich finds trotzdem sehr sexy!
Lecker, Lecker.
Natürlich habe ich auch gleich neue Bremsflüssigkeit eingefüllt. Ich habe ein wenig Angst, dass ich eventuell zu lange gebraucht habe und die Bremszylinder (welche ja nun recht lange ohne irgendwelche Bremsflüssigkeit waren) durch die Luftfeuchtigkeit Flugrost angesetzt haben. Das könnte unter Umständen die feinen Dichtlippen der Zylinder beschädigen, sowie zu schlechtem Bremsverhalten und der Notwendigkeit neuer Zylinder führen…. „ungerne….“
Naja, wird die Zeit zeigen. Ist jetzt eh zu spät.
Erstmal mussten die Kabel der Bremsflüssigkeits-Warnleuchte am Hauptbremszylinderreservoirdeckel ab:

Auch nen cooles Feature, wie ich finde. Im Deckel befindet nämlich sich ein Schwimmer, welcher, wenn der Bremsflüssigkeitsstand unter ein gewisses Limit sinkt, einen Kontakt schließt, welcher wiederum eine Leuchte im Armaturenbrett zum bedrohlichen glimmen bringt.
Der Blick in den Vorratsbehälter förderte dann die nächste Überraschung zutage:

Der Flüssigkeitsbehälter hat eine Trennwand. Das ist ein starkes Indiz für ein Zweikreisbremssystem. Der Blick unter den Behälter bestätigte diese Vermutung:

Hier finden sich auch zwei Abgänge in den Zylinder. Zweikreis-Bremsanlage. Jear!
Sollte also einer der Kreise (Hinterräder oder Vorderrad) undicht sein und Bremsflüssigkeit verlieren, so verhindert die Trennwand, dass der Vorratsbehälter gänzlich leer läuft und ich gar keine Bremsleistung mehr habe.
Im Vorratsbehälter fand sich etwas grauer Schmodder, den ich, so gut es ging mit einem Lappen aufgewischt habe. Keine Ahnung, was das war.
Zum entlüften verwendete ich die klassische Marmeladenglas-Technik:

Anleitungen hierzu gibts im Netz zu Hauf. Da muss ich glaube ich nix mehr zu schreiben. Als Bremsflüssigkeit verwendete ich handelsübliche DOT-4-Bremsflüssigkeit. DOT 5 auf Silikonbasis is Hexenwerk. DOT 5.1 bekommt man nicht zu zivilen Preisen und hat in meinen Augen keinen merklichen Vorteil (in einem Rialto). Angst wegen Unverträglichkeit habe ich keine. Die Radbremszylinder, alle Schläuche, der Hauptbremszylinder und die Leitungen sind ja (teilweise relativ) neu. Die sollten dann DOT 4 vertragen.
Das Bremspedal ist jetzt schön knall hart, wenn man ca. 1/3 seines Weges zurück legt. Ich bin auf die Testfahrt gespannt.
Nachtrag: Ich habe nun die alten Leitungen vermessen und ein bemaßtes Foto hier eingestellt.
Schlüsselkind III
Langsam werde ich zum Stammgast beim Schlüsselmacher meines Vertrauens.
Die Firma heißt „Schuh- u. Schlüsseldienst Bucken Gbr“:

Der Mann ist aber auch hammergut! Je schwieriger die Aufgabe ist, um so mehr freut er sich über den Auftrag.
Mit Begeisterung hat er, zusammen mit mir, einen Haufen Kataloge der verschiedenen Schlüsselhersteller gewälzt und nach passenden Rohlingen gesucht, sowie verschiedene Kollegen abtelefoniert, ob sie Rat wüssten. Auch die immer länger werdende Schlange an wartenden Kunden hat ihn nicht aus der Ruhe gebracht. Im Endeffekt sollte ich eine Woche später nochmal wieder kommen. Er wollte sich bis dahin was überlegen.
Und in der Tat, als ich wieder kam präsentierte er mir stolz vier passende Rohlinge.
Die Schlüssel für den Bug waren seiner Aussage zufolge eine Herausforderung. Aber der Zündschlüssel für King Kong war die härteste Nuss. Da half selbst ein Anruf beim Rohling-Hersteller in Italien nicht. Die sagten nur, dass der Rohling nicht mehr produziert wird. Er musste dann einen ähnlichen Rohling anpassen. Dieser extra Aufwand trieb den Preis für den Schlüssel von normalerweise 7,50€ auf unglaubliche 9€ in die Höhe….
Der kurze Schlüssel ist das Original, der lange, die Nachfertigung:

Wirklich toll!
Und im Gegensatz zu anderen Schlüsseldiensten passten bisher alle von ihm nachgefertigten Schlüssel auf Anhieb und ohne zu haken! Eine klare Empfehlung von mir, der Laden.
Für alle Menschen, die auch für ihren Bond Bug oder ihre Honda Gorilla/Monkey Schlüssel nachfertigen lassen wollen, hier mal die Bezeichnungen, der passenden Rohlinge:
Honda Gorilla Zündschloss: Silca YH28
B0nd Bug Zündschlüssel: Börkey 735L
Bond Bug Canopy/Kofferraum: Silca LF4
Bond Bug Tankkappe: Silca KI3
Skateboards für Lola
Auch für Lola hab ich mal wieder was gebastelt. Nachdem es nun in der Garage dank des Rallye-Eis etwas eng zu geht, habe ich das aktuelle Praktiker-Angebot wahrgenommen und mir dort für 5,99€ pro Stück drei Rollbretter geholt:

Schon als ich Lolas Felgen aufgearbeitet habe, habe ich festgestellt, wie praktisch meine Eigenbau-Transportrollen waren.
Die neuen Bretter haben nun den Vorteil, dass sie vier drehbare Rollen haben und bis 200Kg pro Stück belastbar sind. So kann ich Lola einfach auf sie drauf stellen und sie dann seitwärts in die Ecke der Garage schieben, ohne Angst haben zu müssen, irgendwo anzuecken.
Theoretisch könnte ich auch Sir Edward oder den Bug auf die Bretter stellen. Die wiegen ja auch jeweils weniger als 600 kg (und an keinem Rad mehr als 200 Kg).
Die Rollbretter sind aus Pressplatten und nicht gegen Umwelteinflüsse geschützt. Da sie aber bei mir die erhöhte Luftfeuchtigkeit in der Garage überleben müssen, habe ich sie noch etwas getunt. Erstmal mussten dazu die Aufkleber ab:

Die Biester klebten aber so hartnäckig, dass alles knibbeln nichts geholfen hat und ich zu größerem Kaliber greifen musste. Die Nylon-Bürste hat sie aber zuverlässig runter gerupft. Wenn auch mit etwas Holz. Schön ist anders, aber das ist an dieser Stelle auch egal.
Der nächste Schritt war der Lackauftrag. Hier geht eigentlich jeder Rest, sofern er wasserabweisend ist. Vaddern hatte noch eine angefangene Dose Parkett-Lack im Regal:

Der ist auch noch hoch abriebfest und auch etwas resistenter gegen Stöße. Kann nicht schaden.
Oben kamen zwei Schichten drauf, die Unterseite und die Ränder müssen sich mit einer begnügen.
Sobald der Lack trocken ist, schraube ich noch jeweils zwei Leisten an die kurzen Enden, auf Höhe der Rollen, so dass das darauf stehende Fahrzeug nicht von dem Brett rollen kann, bzw. es hoch klappt.
Der Nächste bitte!
Nachdem Sir Edward ja die Garage verlassen hatte, hat Tobias gleich die Chance genutzt, um seinen AMC Pacer zu uns nach hause zu bringen:


Auf dem Programm stehen für ihn die Bremsen, der Antrieb des Tachos sowie einige normale Wartungsaufgaben.
Beim Tacho fehlt ein kleines Ritzel. Leider ist es schaltwagenspezifisch und die sind bei den Amis ja sehr rar.
Die Bremsen, geben uns ebenfalls einiges an Rätseln auf.
Das Problem ist, dass das vordere linke Rad bei moderater Pedalbetätigung blockiert, während das Rechte keine/kaum Bremsleistung zeigt. Erste Vermutung war natürlich ein zugequollener Bremsschlauch. Allerdings kommt da bei Pedalbetätigung ein guter Schwall Bremsflüssigkeit raus. Dicht ist er also nicht. Nächste Vermutung war ein festsitzender Radbremszylinder. Dieser bewegt sich aber schön gleichmäßig und ohne zu stocken rein und raus. Auch die Bremsbeläge hat Tobias schon getauscht. Ohne Erfolg. Nun ist Kopf kratzen angesagt.