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Tote Engländer

Vor einiger Zeit habe ich an der von mir regelmäßig genutzten Bahnstrecke eine Lagerhalle entdeckt, um die herum sich einige Klassikerleichen sammeln. Neulich hatte ich mal etwas Zeit und hab der Halle einen näheren Besuch abgestattet. Es handelt sich dabei um einen Laden, welcher mit Ersatzteilen für Motorräder und klassische Engländer handelt. Passt gut! Die Reliants haben ja eine Menge Teile aus dem BMC-Regal (vor allem Mini-Teile) sowie Lucas-Elektronikkomponenten. Ich hab mal ne Visitenkarte mitgenommen…
Natürlich habe ich auch die Chance genutzt und ein paar morbide Fotos von den dort gelagerten Autos gemacht. Leider hatte ich zu wenig Zeit um ganz fies-faszinierende Detailaufnahmen zu machen. Auf der einen Seite der Halle steht eine ganze Armada toter Minis:
Autowracks 002
Die andere Seite der Halle hingegen ist wesentlich interessanter. Leider konnte ich aufgrund eines Gitters nicht näher ran:
Autowracks 001
Ich erkenne auf dem Foto ganz hinten hinter dem Bauzaun das blaue Gerippe eines 911 Targa, davor die Front eines roten 924. Vor dem 924 steht noch das Gerippe eines weiteren 911ers (konnte man vom Zug aus erkennen) und ganz vorne ein Jaguar XJ Serie II.
Das einzige echte Rätsel ist für mich der schwarze Wagen in der Mitte. Ich gehe davon aus, dass es ein Lotus ist. Aber welches Modell? Von dem Schriftzug kann man „e     s.e.“ erkennen. Ich bin mir unschlüssig, ob es ein „Eclat“ oder ein „Excel“ ist. Das „s.e.“ kann auch eine Ausstattungslinie sein. Hat jemand von euch ne Lösung?

Schwierigkeiten pflastern seinen Weg

Die verdammten Holländer machen es mir echt nicht leicht, ihnen einen Reliant abzukaufen. Nicht nur dass es dort keine Estates (Kombis) gibt, wegen dieser lächerlichen 400 KG-Regel, auch die Hatchbacks sind dort nicht wirklich vorhanden. Laut holländischen Reliant-Enthusiastenkreis wurden lediglich 14 Stück davon jemals in den Niederlanden neu zugelassen. Also auch kein Hatchback für mich, sondern nur Saloons. Die Saloons haben aber einen semi-sinnfreien Kofferraum. Man kann nämlich (wie bei den frühen Minis) nur ein kleines Fach unterhalb der Heckscheibe öffnen. Guckst du:

Da passt kaum ne Kiste Bier rein. Blöder Scheiß! Ok, ich war ja zu Kompromissen bereit. Hätte ja zugunsten einer Linkslenkung auf den eigentlich gewünschten Kombi verzichtet, aber so? Ich kann doch nicht gänzlich auf Kofferraum verzichten?!
Also neu abwägen: Kofferraum oder Linkslenker…. Die Insel hätte auch den Vorteil, dass ich da die größere Auswahl hätte und so mir eher einen in der gewünschten Zustandsnote von „Tip-Top“ holen könnte.
Hmmm, tempting. Die Besatzer fahren auch seit 60 Jahren hier mit dem Steuer auf der falschen Seite.. geht also.
Also neuer Plan: Ein Estate vonner Insel in Bestzustand. Gerne auch möglichst neues Baujahr und von nem Händler. Mal sehen, was sich da finden lässt….
Wenigstens muss ich mir wegen der Maximalmaße nicht so Sorgen wie Tobias mit seinen US-Car-Ambitionen machen. Die Stapeltiefgaragenplätze sind nämlich auf Maximalmaße von Länge 5,00 Meter, Breite 1,90 Meter, Höhe 1,50 Meter und Gewicht 2t limitiert. Um da mal zu checken, ob und wenn ja, wie knapp das wird (die Höhe war meine größte/einzige Sorge) hab ich mal versucht Maßangaben (für den Rialto) zu finden. Natürlich widersprechen sich die deutschen Papiere welche mir in Kopie vorliegen mit den englischen Angaben:
overall length approx: 135 inches = 342,9 cm (Deutsche Papiere: 335 cm)
overall width: 57 inches = 144,78 cm (Deutsche Papiere: 135 cm)
wheel base: 85 inches = 215,9 cm
Höhe gemäß deutschen Papieren: 137 cm
Gewicht = max. 460 Kg (Estate)
Ok, aber das liegt ja alles weit im Toleranzbereich. Vielleicht bekomme ich dann auch noch ein Duo mit auf das Parkdeck.

Ein Reliant Robin MK I (Vorgänger des Rialtos) spielte übrigens mal die zentrale Rolle in dem Video zu einem DER „Autofahr-Songs“: Golden Earring – Radar Love:

Der Prinzessin neue Schuhe VIII

Nachdem nun die alten Radlager raus waren, konnte ich daran gehen, die Neuen einzupressen.
Hierbei muss man aufpassen, dass man auf der Mitnehmerseite beginnt. Der Lagersitz ist nämlich auf beiden Seiten unterschiedlich tief. Beginnt man (wie ich) zuerst auf der Bremsenseite und treibt dort das Lager bis zum Anschlag ein, bekommt man das andere Lager nicht mehr vollständig in die Trommel. Dann darf man die Scheiße wieder heiß machen und die nagelneuen Lager wieder raus kloppen. Ich hab sie dann übrigens direkt in unsere „Alt-Lager“-Sammlung getan. Das Risiko, dass sie beim rauskloppen einen Schlag weg bekommen haben, war mir für die 6 € einfach zu groß. Dann lieber neu bestellen und nochmal richtig machen.
Fängt man allerdings gleich bei der Mitnehmerseite an, geht alles ganz einfach. Der Lagersitz ist 16 mm tief, das Lager hat 10 mm Breite und 6 mm soll nachher auf jeder Seite ungefähr der Rand betragen….“Easy-Peasy“. Vor dem einpressen habe ich das Radlager im Karton in die Tiefkühltruhe gelegt und dort ein wenig runterkühlen lassen (Dadurch soll sich das Metall mikrometerweise zusammenziehen…Naja, es kann zumindest nicht schaden). In der Zwischenzeit habe ich den Lagersitz und den Bereich dahinter dick eingefettet:
Radlager auspressen 002
Dann kam wieder das Heißluftgebläse ins Spiel. Als der Lagersitz heiß war, hab ich schnell das Lager aus der Truhe geholt und ausgepackt. Nun einfach schön gerade auf den Sitz legen und mit der behandschuhten Hand kräftig und gleichmäßig drücken. Das Lager sollte nun bis es bündig anliegt einfach in den Sitz rutschen. Nun nimmt man das dicke Rohr zur Hand und treibt das Lager vorsichtig über den äußeren Laufrand mit wohl dosierten Schlägen bis zum Anschlag in den Sitz. Passt auf, dass ihr nicht auf die Kugel oder den inneren Laufrand schlagt! Das könnte die Lager beschädigen und ihr dürftet es wieder raus pulen.
Das Lager ist tief genug drin, wenn es knapp unterhalb der Nut für den Seegering sitzt:
Radlager wechseln 023
Dieser kommt als nächstes rein.
Radlager wechseln 025
Anschließend dreht man die Trommel um, steckt sie auf die im Schraubstock eingespannte Achse und fädelt das Mittelrohr auf. Wie man nun feststellt, berührt das Mittelrohr an keiner Stelle die Seitenwände der Trommel. Das ist wichtig und richtig. Steckt ihr das Rohr nur einfach so ein, ist es nicht zentriert und ihr kommt nachher in Schwulitäten, wenn ihr die Achsen durch die Räder stecken wollt. Also machen:
Radlager auspressen 004
Nun folgt das selbe Prozedere wie auf der Anderen Seite: Lager in die Gefriertruhe, Sitz einfetten, heiß machen und einpressen. Beim einpressen müsst ihr diesmal etwas vorsichtiger sein, da ja der innere Laufring mit dem Mittelrohr den Anschlag bildet. Nicht das ihr immer weiter auf den äußeren Ring kloppt und dadurch die Kugeln oder den dann belasteten Innenring beschädigt. Immer schön mit Verstand und Ruhe. Hilfreich kann auch eine vorbereitete Schieblehre sein, mit der ihr den Abstand zum Rand checkt. Er sollte möglichs nahe an 6 mm liegen. Wenn die Trommel abgekühlt ist, vergesst nicht die Gummistopfen wieder einzusetzen. Fertig ist der Radlagerwechsel:
Radlager wechseln 033
Da ich ja eine der Trommeln schon mit Klarlack lackiert hatte, war ich mir nicht sicher, wie diese Trommel die Hitze vertragen würde. Allerdings hat sich da bisher noch nix negatives gezeigt. Kein verschmorter Lack und keine Blasen. Allerdings hat der Lack durch die doch etwas raue Behandlung mit dem Hammer beim aus- und einpressen etwas gelitten. Also für die Zukunft: Erst Lager wechseln, dann lackieren. Für die Anderen bin ich schlauer.
Ich habe die Lager übrigens so eingesetzt, dass man die Schrift von außen lesen kann. So weiß später mal jemand, das das Markenlager sind und von wann sie sind. Nur um nach den ganzen Fehlern meine Schläue mal wieder etwas zu prostituieren…
Im nächsten Schritt konnte es endlich ans einspeichen gehen.

Der Prinzessin neue Schuhe VII

Nachdem ich nun die Felgen fertig poliert hatte, konnte ich ans auspressen der alten Radlager und einpressen der Neuen gehen. Ich fand das dies notwendig sei, da die Radlager alle mehr oder minder so aussahen:
Radlager wechseln 037
30 Jahre Staub und Dreck hatten in den offenen DDR-Lagern ihren Tribut gezollt und es war bei jeder Drehung der Trommel ein merkliches Knacken und Mahlen spürbar. Ich hatte mir (wie ganz zu Anfang berichtet) bei der Firma Dumcke die Radlagersets bestellt und nachdem nun die Räder ausgespeicht waren, war es an der Zeit diese einzubauen.  Damit das Ganze gut funktioniert und man nicht (wie ich) die neuen Radlager gleich wieder ruiniert braucht man für diese Arbeit vor allem eins: Ruhe.
Neben der Ruhe braucht man auch noch einige Werkzeuge. Vor allem ein Heißluftgebläse ist nahezu unersetzlich. Höchstens durch eine Herdplatte oder Muttis Backofen. Aber die sind beide nicht optimal. Ein solches Teil meine ich:
Radlager auspressen 017
Daneben benötigt ihr noch einen kleinen Schraubenzieher, den ihr als Meißel benutzen könnt, eine Seegeringzange, einen mittleren Hammer, ein paar Holzklötzchen, Handschuhe und zwei Rohre:
Radlager auspressen 019
Eines der Rohrstücke sollte den Durchmesser des inneren Laufrings der Lager haben. Quasi so:
Radlager wechseln 015
Das Andere sollte den Durchmesser des äußeren Laufrings haben.
Radlager wechseln 021
Zum Verwendungszweck der Rohre komme ich später.
Als erstes muss der Seegering raus, welcher das Lager auf der Mitnehmerseite hält. Dann erhitzt man den Lagersitz auf der Bremsenseite mit dem Gebläse. Nun mit den Handschuhen die Trommel umdrehen und auf Klötzchen legen, so dass das Lager rausplumpsen kann. Sollte es das nicht von alleine tun (was bei mir keines getan hat) steckt man den kleinen Schraubenzieher so tief in die Nabe, bis man die kleine untere Kante spürt, an der die Mittelhülse an den inneren Lagerring stößt.
Radlager wechseln 010
Dort dann einfach ringsum gleichmäßig Hammerschläge austeilen, bis das Lager draußen ist. Es ist wichtig, dass man das Lager gleichmäßig rings um raustreibt, da es sich ansonsten verkantet. Mit dem Lager verabschiedet sich dann auch die Mittelhülse. Als nächstes dreht man die Trommel um und macht die Mitnehmerseite heiß. Das Lager auf dieser Seite kann man dann mit dem schmalen Rohr raus treiben.
Nun noch die Lagersitze säubern und auf Riefen und Rillen untersuchen. Wenn alles ok ist, kann es mit dem einpressen weiter gehen. Davon handelt dann mein nächster Artikel.

Ich bin einfach zu fett geworden

Bei uns zuhause lag anständig Schnee. Sogar so viel, dass unser treuer Dackel bis zum Bauch drin versunken war:
Schlitten kaputt
Da war es natürlich klar, dass ich meine Freundin einpackte um vom matschigen Osnabrück in die verschneite Heimat umzusiedeln und ein Wochenende mit rodeln und Kaminfeuer zu verbringen. Neben einem LKW-Schlauch (Mal wieder für Lau vom Abfallhaufen des Reifenhökerers) besitze ich auch noch den schnellsten Schlitten des Dorfs. Oder besser „besaß“… aber dazu später mehr. Es ist der alte Kinderschlitten, auf dem schon meine Mutter rodelte. Eigentlich ein ganz normaler Holzschlitten, wie es sie zu Hauf im Dorf gibt. Allerdings sind die Kufen dieses Schlittens insgesamt nur 43cm lang. Weniger Reibung = mehr Speed… Dazu noch Hänflingsausmaße wie ich sie mitbringe, Schmirgelpapier sowie etwas Wachs und man ist seit 20 Jahren ungeschlagener Rodelmeister. Die heutigen Kinder mit ihren Sicherheits-Plastikschlitten sind eh raus. Um die fahre ich Kreise auf der Piste und bin trotzdem noch schneller… Das hier ist das gute Stück:
Schlitten kaputt 02
Es war also an der Zeit, es den Jungspunden mal wieder zeigen. Doch 40 Jahre harter Rodeleinsatz und 20 Jahre gute Ernährung führten zu einem verfrühten Ende der Aktion… Ich bin einfach zu fett geworden:
Schlitten kaputt 01

Eigentlich sollte ich den Schlitten dann zerlegen und ihn bei uns durch den Ofen schieben. Aber als ich so vor ihm stand und an all die schönen Erinnerungen dachte, habe ich es einfach nicht übers Herz gebracht. Es wäre fast sogar zu einer Träne gekommen. Mein Vater sah uns beide Häufchen Elend und meinte: „Na, bringstes nicht übers Herz? Weißte was: Den reparieren wir. Da schreinern wir zwei neue Streben und schauen auch mal nach dem Rest und dann läuft der wieder.“
Jedes Kind sollte einen Vater haben….. aber das sagte ich ja schon mal.