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Große Hafenrundfahrt II

Wie schon gesagt, stand als letztes noch der Tausch des Benzinfilters auf der Inspektionsliste.
Als Grundlage dienten mir diese beiden Einträge.
Vorweg möchte ich anmerken, dass der Herr Ingenieur, welcher bei Opel meinte, die Schlauschellen, mit denen sowas seit 100 Jahren erfolgreich befestigt wird, gegen Plastik-Clipse austauschen zu müssen, wiederholt und mit wachsender Begeisterung ausgepeitscht gehört!
Doch zurück zum Thema:
Den Spritfilter findet man beim Astra Benziner auf der linken hinteren Seite. Ist, je nach Zustand, eine silberne bis rostfarbene „Dose“:

Das das Dingen auf dem Bild so feucht ist, ist nur dem Rostlöser geschuldet. Der Halter hat eine winzige Vielzahnschraube (ich meine Größe 20).
Ich rate dazu, den Ausbau zu zweit anzugehen.
Die Schwierigkeit ist, das man die auf dem Bild hell grün/blauen „Zungen“ (zwei jeweils gegenüberliegend) simultan nach außen biegen muss, damit der Schwarze Stecker samt Zungen über den Wulst des Filters schlüpft. Dafür gibts ein Opel Spezialwerkzeug. Es tun aber auch zwei Schraubenzieher mit dünnem Blatt und eine weitere helfende Hand.
Hat man eines der Leitungsenden runter gewurschtelt, sollte man ein Gefäß griffbereit haben, da ca. 50 ml Benzin austreten:

Entgegen der ab und zu im Netz geäußerten Meinungen muss man weder die Sicherung der Benzinpumpe ziehen, noch die Leitung abklemmen. Selbst wenn man den Wagen, wie wir, hinten auf Achsständer setzt, kommt da nach einiger Zeit kein Sprit mehr raus. Habt Vertrauen!
Der „Zungenclip“ bleibt erstmal im Leitungsende stecken. Man bekommt ihn später recht einfach raus gefummelt, indem man den gesamten Clips-Körper zusammendrückt und mit einer Spitzzange raus zieht:

Dem neuen Filter sollten auch neue Clipse beiliegen.
Sitzt der Filter so lange, wie beim Stiefastra kann es sein, dass man trotz weggebogener Zungen den Filter nicht aus dem Clips ziehen kann. Das liegt dann daran, dass eine Dichtung, welche Teil des Steckers ist, am Rohr des Filters festgerostet ist. Dann geht es weder vor noch zurück.
Wir haben bestimmt eine dreiviertelstunde an dem *#$%§*-Teil rumgewürgt.
Bei allem Gewürge muss man aufpassen, dass man nicht ausversehen, den schwarzen Plastikstecker, welcher mit der Leitung verbunden ist zerbröselt. Dann bleibt nämlich wirklich nur noch die Eisensäge…
Irgendwann schafften wir es dann unter grenzwertigem Gewalteinsatz den gesamten Clip aus dem Stecker zu wurschteln. So sah das Mistding dann auf der Werkbank aus:

Auf dem folgenden Bild erkennt man schön, wie der Rost den Dichtring unterwandert hat und ihn festkrallt:

Da die Dichtringe leider nicht im Lieferumfang des neuen Filters enthalten sind, mussten wir ihn da irgendwie runter bekommen, ohne ihn zu beschädigen. Ansonsten läuft einem die güldene Suppe da immer raus.
In einer ersten Amtshandlung wurde dazu die angestaute Aggression an dem verbliebenen Plastikklips ausgelassen. Das führte zu einem Spalt zwischen Wulst und Dichtring in dem vorher der Clips saß:

Dort konnten wir dann mit der Eisensäge ansetzen. Nun noch ein Unterlegscheibe mit passendem Innendurchmesser gesucht und den Rohrstummel durch getrieben:

Merkt euch vorher genau, wie rum der Dichtring auf dem Rohr saß! Er hat eine abgeflachte Seite, welche später zum Stecker hin verbaut werden muss.
Hier noch ein Bild von Alt und neu im direkten Vergleich:

Beim Einbau gilt es drei Dinge zu beachten:
1. Die Durchflussrichtung (ist aber auch aufgedruckt)
2. Den Dichtring müsst ihr mit einer kleinen 8er oder 9er-Nuss zuerst wieder zurück in ihren Sitz im schwarzen Stecker treiben. Alleine auf den Filter aufstecken und rein drücken bringt nix.
3. Auf den ersten 100 Kilometern kann es vorkommen, dass euer Auto etwas ruckelt. Das ist der durch den Tausch eingedrungenen Luft geschuldet und unschädlich. Geht weg sobald die Spritpumpe die ganze Luft aus dem System gedrückt hat.

Wie gesagt: Mit einfachen Schlauchschellen hätte es so schön einfach sein können…
Damit war die Service-Tour abgeschlossen. Mal sehen, wie lange der Astra noch hält. Wäre ja traurig, wenn der ganze Aufwand vergebens gewesen wäre.

Astralschraubereien – Die Bremsscheiben –

Nachdem ich nach der Notreparatur vom letzten Mal von allen Seiten Schelte bezogen habe, hab ich am Wochenende auch ne Runde neue Bremsscheiben für den Astra an der Hinterachse spendiert. Wobei spendiert hat sie mein Vater. Gabs zum Geburtstag für die Beste. Was hat sie sich gefreut! Sie liebt es diese praktische Veranlagung unserer Familie zu betonen….
Um weiterer Kritik zu entgehen wurde, ganz unüblich, Markenware verwendet:
neue Barum Bremsscheiben
Barum ist eine Tochter der Continental AG. Sollte also ok sein. Alles andere wäre wirklich übertrieben. Is schließlich keine Weltraumtechnik.
Erste Hürde waren die Vielzahn-Schrauben, welche den Bremssattel halten.
Da ist zum lösen eine E18-Nuss samt starrem Knebel und Verlängerung nötig:
Torx-SchrAube auf der Rückseite
Die Schrauben gucken auf der Innenseite raus und gammeln dort fest. Ein guter Schuss Rostlöser wirkt ebenfalls Wunder!
Der Rostlöser kann auch gleich weiter für die Kreuzschlitzschrauben, welche die Scheiben zentrieren verwendet werden:
Zentrierschraube in der Bremsscheibe
Dreht man den Kopf der Schraube rund, wirds spaßig! Also sehr guten, passenden Kreuzschlitzdreher verwenden und mit eingeschaltetem Hirn arbeiten (Gut, ist bei den Bremsen eh ratsam).
Das Staubschutzblech im Hintergrund ist übrigens nicht verrostet, sondern von einem wilden Tier abgeknabbert worden….
Danach kann man sich daran versuchen, die Scheiben runter zu bekommen.
Es sind dazu immense Kräfte nötig!
Ein Weg ist es, die Bremsscheibe langsam zu drehen und von hinten mit einem schweren Hammer und maximalem Krafteinsatz gegen zu kloppen. Filigran ist anders…. Soll auch nicht gerade gut für die Radlager sein.
Eleganter ist da schon die Verwendung eines Drei-Arm-Abziehers:
Abzieher ungesichert
Gegen das Drehmoment stützt man ihn mit einem Kantholz ab und um die Radnabe zu schonen, legt man eine Stahlplatte drunter. Wenn man schlau ist, bindet man den Abzieher dann noch irgendwo am Auto (Feder, Stoßdämpfer, etc.) fest. Die Scheibe löst sich nämlich mit einem beeindruckenden Knall und der Abzieher fliegt durch die Gegend. Also Obacht!
Danach liegt die Radnabe frei und kann mit einer Drahtbürste und Schmirgelpapier etwas von Rost befreit werden:
Radnabe ohne Scheibe
Der Wagenheber im Hintergrund ist natürlich unbelastet und steht dort nur als Backup und für Notfälle! Der Wagen ruhte auf stabilen Achsständern.
Anschließend alles mit Neuteilen wieder zusammen werfen (immer wieder viel Bremsenreiniger verwenden!):
neue Bremsscheibe eingebaut
und fertig ist die Chose.
Auf der Anderen Seite ist es der identische Ablauf. Nur das man diesmal ein Band verwendet um den Abzieher zu fangen…
gesicherter Abzieher
Mit den alten Schieben baut man dann ein schönes Mobile oder setzt sie als „leicht gebraucht“ bei eBay rein:
alte Bremsscheiben

Neuwagenmalessen II

Der Stief-Astra der besten Freundin von Allen bekam am letzten Wochenende seine Sommerpuschen. Dabei stand natürlich auch die obligate Reinigung der hinteren Bremssättel an. Besonderes Augenmerk lag dabei auf dem rechten, innenliegenden Bremsbelag. Der hatte sich ja komischerweise partiell in die Scheibe eingeschliffen als er fest saß. Das hat sich in den vergangenen 6 Monaten nicht grundlegend gebessert. Die Scheibe ist immer noch großflächig rostig:
Opel Astra Bremsbeläge hinten 6
Allerdings merkte man am Belag selber, dass er nun wieder großflächig auf lag. Die eingefräste Stufe ist, verglichen mit vorher, wesentlich geringer:
Opel Astra Bremsbeläge hinten 8
Ein Grauen waren jedoch die Beläge auf der Fahrerseite:
Opel Astra Bremsbelag hinten 33
Die hatten anscheinend Karies. Besonders der äußere Belag zerbröselte geradezu beim anfassen:
Opel Astra Bremsbeläge hinten 10
Ob das am vom Rost zerfressenen Staubschutzblech der Scheibe liegt? Keine Ahnung.
Natürlich konnte man die Beläge so nicht wider verwenden. Mussten also neue rein. Schade. Hatten noch ordentlich Fleisch. Der lokale Ersatzteilhökerer hatte drei Qualitäten zur Auswahl. Original Bosch für ca. 65€, ATE Nachbau für ca. 55€, Retail für 42€…. Ich entschied mich für die billigste Variante.
Wie immer bei billig erfordert sowas viel Eigeninitiative. Die Passung der Teile war schlecht, die Halteklammern aus schlechtem Federstahl und der Einbau ein Krampf.
Um in der Zukunft weniger Malessen mit der festsitzenden Bremse zu haben, habe ich auch direkt bei den neuen Belägen etwas von der halbrunden Führung abgenommen:
Opel Astra Bremsbeläge hinten 11
Mal sehen, ob das hilft.
Ich bin auch gespannt, wie die neuen Beläge sich auf die verrostete und eingefräste Bremsscheibe auswirken.

getrennt lebend

Gestern musste ich feststellen, dass die Kupplung am Opel Astra G der Besten von Allen durch zu sein scheint.
Wenn man mit eingelegtem Gang, angezogener Handbremse sowie laufendem Motor die Kupplung kommen lässt, läuft der Motor einfach weiter. Würgt man nicht ab.
Dank hydraulischer Kupplung, gibts da auch keine Nachstellmöglichkeit.
„Grand Malleur de la Kack“, wie mein Vater zu sagen pflegt.
Da besteht also akkuter Handlungsbedarf. Die Beste braucht den Wagen für die tägliche Fahrt in den Knast (sie hat nen Schlüssel für beides).
Schnelle Internetrecherche fördert Preise ab 500€ für den Kupplungstausch zu Tage…*aua*.
Ich würds ja selber machen, aber ich hatte mit Kupplungen noch nie was zu tun. Keine Ahnung wie das geht, keine Ahnung wo die Fallstricke lauern, keine Ahnung worauf ich achten muss, keine Ahnung was ich brauche….
Ich hab im Netz schon eine (sehr dürftige) Anleitung gefunden, wie man beim X16SZR (Motorbezeichnung) um den sonst wohl unausweichlichen Ausbau des Vorderachsträgers und Getriebes rum kommt.
Allerdings reicht mir das nicht um die Aufgabe anzugehen.
Es ist ein Jammertal.

Chrysler 300 Zen

Am Samstag haben mein Bruder und ich ein wenig buddhistische Meditationsübungen am Hurst vorgenommen.
Dies war nötig, weil Tobias ihn vor einiger Zeit vom Wagenheber geschubst hatte und die Ölleitungen zwischen Getriebe und Kühler sich davon tief beeindruckt zeigten:
Chrysler 300 Hurst Ölleitungstausch14
In dem meinem Bruder eigenen Originalitätsstreben, hatte er dann in den Staaten einen Satz Edelstahl-Ersatzleitungen geordert, welcher nach original Spezifikationen gefertigt sein sollte. Der Relativsatz beißt euch, oder?
Doch von Anfang an:
Um ca. 12 Uhr rollten wir den Hurst von seinem Stellplatz in der Tiefgarage:
Chrysler 300 Hurst Ölleitungstausch13
(Hinten seht ihr übrigens die schon angesprochenen „Ho-Chi-Min“-Trecker-Reifen)
Dann gings an den Ausbau. Damit uns die ganze Suppe nicht in den Keller läuft, wurde kurzerhand einer auf Heavy Metal gemacht:
Chrysler 300 Hurst Ölleitungstausch17
Die abgesäbelten Griffel kamen mit Kabelbindern über die Enden der Schraubverbindungen:
Chrysler 300 Hurst Ölleitungstausch21
Die Verbindungen gingen überraschend leicht auf. Kein Vergleich zu dem Kampf, den ich mit Sir Edwards alten Bremsleitungen geführt habe.
Die alten Leitungen unter dem Wagen weg zu bekommen, hat seine Zeit gedauert. Die Leitungen hängen da nämlich nicht einfach so drunter, nein, sie verlaufen Kreuz und quer über irgendwelche Träger, führen in Bögen um Baugruppen und waren aneinender geklipst. Das war wie ein überdimensionales Knotenspiel…
Im ausgebauten Zustand konnten wir sie dann zum ersten mal neben die US-Repros legen:
Chrysler 300 Hurst Ölleitungstausch25
Die Bögen und Knicke waren tatsächlich an ähnlichen Stellen und hatten auch ähnliche Dimensionen.
Das „ähnlich“ hat uns dann bis nach 23 Uhr aufgehalten……
Was ein Dreck!
Die Dinger passten hinten und vorne nicht.
Und versucht mal Edelstahlleitungen von Hand zu biegen! Da drückt ihr nur nen Köttel in die Buxe und sonst passiert nix!
Was hat Tobias geflucht… Ich hingegen habe mich in meditativer Resignation geübt.
Letztere war auch die einzige Lösungsmöglichkeit: Einfach das meditative Element der fruchtarmen Biegeversuche erkennen und weiter machen.
Die (zum wiederholten mal) vorbeikommenden Passanten bedachten uns schon mit mitleidigen Bemerkungen.
Irgendwann hatten wir die Leitungen dann soweit, dass sie nirgendswo scheuerten und auch auf ihren Anschlüssen annähernd gerade saßen.
Eine abschließende Proberunde hinterließ keine Öltropfen.
Mal sehen, ob es auch dauerhaft dicht ist.

Als Lektion nehme ich mit, dass ich NIEMALS Edelstahlleitungen irgendwo am Kfz verbauen werde! Mit Kunifer-Leitungen wäre der Drops nach maximal 3 Stunden gelutscht gewesen.