Bisher lief die 123ignition ja noch immer mit Zündkurve 0.
Um zu testen, welche Zündkurve mehr Performance bringt und um zu testen, ob der Motor irgendwann das klingeln anfängt hatte ich mir einen Testzyklus ausgedacht, welcher mir relativ reproduzierbare Ergebnisse liefern sollte:
Der Plan war ab einer bestimmten Wegmarke im 3. Gang mit Vollgas einen Hügel hoch zu fahren und dabei von 60km/h aufwärts zu beschleunigen. Der Beschleunigungsvorgang sollte dann bei einer zweiten Wegmarke eingestellt werden. Eine Person auf dem Beifahrersitz sollte dabei mit der Stoppuhr die Zeit zwischen den Punkten nehmen und per GPS die Endgeschwindigkeit bestimmen.
Dies hätten wir dann so oft wiederholt, bis der Motor bei einer bestimmten Zündkurve das klingeln angefangen hätte.
So der Plan.
Da mein Bruder letztes Wochenende zu Besuch war, hatte ich endlich eine Testperson, welche die Stoppuhr bedienen konnte.
Als erstes musste ich mich aber um das Falschluft-Leck am Krümmer kümmern.
Mein Vater hatte mir eine Dose Auspuffkit mit gegeben. Also rangeschmiert, das Zeug:

Was nen Schweinkram!
Danach haben wir den Motor ein wenig im Stand laufen lassen, damit er warm wurde und der Kit aushärten konnte. Sobald er warm war, habe ich nochmal den Vergaser eingestellt. Dabei fiel mir aber schon auf, dass er immer noch am Krümmer raus pustete. Waren wir wohl echt zu ungeduldig.
Allerdings reichten jetzt schon 22 „Flanken“ für einen gesunden Rundlauf. Wir nähern uns also dem Optimum.
Als wir mit der Einstellerei fertig waren, machten wir uns auf den Weg zu der von mir als Testgelände auserkorenen Landstraße.
Hier ein Video vom Testzyklus mit Zündkurve 0:
Ab der Warnbarke am rechten Rand gabs Vollgas bis zum letzten Seitenpfosten auf der rechten Seite vor der Einfahrt. Berg hoch zu beschleunigen, hat den Vorteil, dass der Motor längere Zeit unter Volllast in einem bestimmten Drehzahlbereich verbleibt, als wenn man in der Ebene Gas gibt. Davon versprach ich mir leichter Klingeln zu vernehmen. Außerdem ist der Geschwindigkeitszuwachs nicht so rapide wie in der Ebene.
Bei der Umstellung auf Zündkurve 1 fiel mir ein großer Nachteil der 123ignition auf.
Die Einstellschraube für die Zündkurven befindet sich leider an der Unterseite des Gehäuses und wird von einer Inbus-Schraube verschlossen. Man muss also, um die Kurve umstellen zu können immer den Verteiler ausbauen. An sich ja nicht so tragisch, da man ja nur die Halteschraube der Klemmschelle lösen muss. Leider hilft das aber nicht wirklich weiter. Man kommt nämlich nicht an die Inbusschraube, so lange die Klemmschelle noch am Schaft des Verteilers sitzt! Nimmt man aber die Klemmschelle ab, so muss man gleich die Zündung neu einstellen….
Mir blieb also nichts anderes übrig, als nen Schraubenzieher in der Schraube zu verkanten um sie raus zu würgen (sieht jetzt auch so aus):

Was ne selten blöde Konstruktion!
Zu kurzem Rätselraten führte auch der Umstand, dass der Verteiler beim Wiedereinbau nicht ganz einrasten wollte und immer ca. einen cm hoch stand. Nachdem der Verteilerfinger um 180° gedreht wurde rutschte er aber ganz easy wieder in den Mitnehmer. Schlaue Konstruktion! Hätte ich auch eher drauf kommen können.
Der anschließende Testzyklus mit Kurve 1 führte schnell zu Ernüchterung. Ab Tempo 70 klang es so, als würde jemand langsam Schrauben in den Motor füllen…
Sobald ich vom Gas ging, war es weg und wenn ich wieder Gas gab, kam es wieder. Echt deutlich hörbar. Hattet ihr vollkommen recht.
Damit war unsere Testreihe ziemlich schnell zu Ende.
Zurück zu Kurve 0 und fertig.
Naja, die Performance war ja schon mit Kurve 0 so wie mit dem alten U-Verteiler. Ist also ok.
Auf dem Rückweg traf ich noch Lolas alten Erzrivalen:

Der Fahrer war leider weit und breit nicht zu sehen, so dass ich mich mit ihm nicht auf ein Duell verabreden konnte. Aber kommt Zeit, kommt Duell!
Wieder Zuhause angekommen stellten wir fest, dass der Kit unsere Testreihe nicht überlebt hatte:

Er war komplett gerissen und drunter hohl. Der Druck der Auspuffgase hatte ihn vom Krümmer abgehoben, ehe er aushärten konnte. Also abpulen und nochmal nen zweiten Versuch wagen. Diesmal gibts auch die auf der Packung geforderten 12h Aushärtungszeit.
Ich weiß nicht, ob ich eventuell nochmal einen Versuch mit Zündkurve 1 wagen sollte.
Bei dem Test zog er ja noch Falschluft. Außerdem hat er noch den Vergaserreiniger im Tank und laut Handbuch benötigt der Rialto 2 97 Oktan (und ich tanke immer 95 Oktan-Super). Keine Ahnung, ob diese Punkte so viel ausmachen und ob ich, selbst wenn es klappt, immer Super+ tanken will….
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Hilfe im Fall der Fälle
Nachdem Sir Edward nun in den Startlöchern für den Alltagseinsatz steht, mache ich mir Gedanken, ob so ein Automobilclub mir nicht das Quäntchen Sicherheit geben könnte, dass mich auf richtig langen Touren entspannt cruisen lässt.
Also mal fix das Netz durchstöbert. In Betracht kommen:
- Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC)
- Automobilclub von Deutschland (AvD)
- Auto Club Europa (ACE)
- Verkehrsclub Deutschland (VCD)
- Bruderhilfe e.V. Automobil- und Verkehrssicherheitsclub (BAVC)
Einen ganz kurzen Überblick liefert diese N24-Reportage:
Von AVD bis ADAC
Automobilclubs im Test
Eine kurze Selbstanalyse förderte bei mir als Bedarf hervor:
- Pannenhilfe vor Ort
- Rückführung des Fahrzeuges an den Wohnort
Das sind eigentlich die einzigen Dinge, die ich brauche. Pannenhilfe hat jede der Organisationen. Is also kein Unterscheidungsmerkmal.
Das mit der kostenlosen Rückführung hingegen ist schon wesentlich schwieriger. Meine Überlegung ist nämlich, dass mir eine Autowerkstatt bei Defekten in den seltensten Fällen helfen kann. Wer von denen kennt sich schon mit nem Reliant aus oder hat ne neue Zylinderkopfdichtung für den Rialto auf Lager?! Da man aber Reliants nicht selber abschleppen darf (Wo will man vorne das Abschleppseil fest machen?), benötige ich jemanden mit einem Abschleppwagen mit durchgehender Ladefläche, welcher mich und Sir Edward zurück nach hause bringt. Bedarf festgestellt…..
Lediglich der ADAC (bei seiner PLUS-Mitgliedschaft) und der AvD (bei der OldtimerCard) bieten eine kostenfreie Rückführung des Fahrzeuges an.
Damit sind die anderen schon mal raus.
Mein Großvater ist im ADAC und die sind wie ne Sekte. Da bringen mich keine zehn Pferde rein. Zu viel Schnick-Schnack und Bauernfängerei. Vor „spezial-Mitglieds-Sonderangeboten“ vergisst man leicht, dass Pannenhilfe ihr eigentliches Geschäft sein sollte.
Zum Glück hilft die Kostenfrage als rationalerer Grund: ADACPlus = 79,50€/Jahr; AvD OldtimerCard = 49,-€/Jahr
Die AvD OldtimerCard ist darüber hinaus auch personenbezogen und nicht Fahrzeugbezogen. Da guckt die beste Freundin von Allen zwar traurig, aber ich bin genauso abgesichert, wenn ich mit einem unserer anderen Oldies unterwegs bin.
Die Stimmen im Netz bestärken mich weiterhin in meiner Tendenz zum AvD.
Ich lass mir mal Infomaterial zuschicken.
321-Zündung V
Nach dem Rückschlag letzte Woche, bin ich am Samstag mal zum nahen MaxBahr geradelt (Year, ich kann schon wieder Fahrrad fahren!) und hab mir nen 5er-Set Schlosserfeilen besorgt. Natürlich wurde vorher schlau gelesen. Hier gibts mal wieder nen schönen Artikel mit Grundwissen. Leider entsprach das Angebot bei MaxBahr exakt den Verheißungen dieses Testberichts. Die Dinger sind krumm und schief. Naja, sind 5 Jahre Garantie drauf… werde ich zu Tode schruppen und dann zurück bringen.
Egal.
Nachdem ich im 123ignition-eigenen Forum eine sehr aufbauende Antwort erhalten habe, stand mein Entschluss eher das Gehäuse der 123ignition zu bearbeiten, als den Motorblock.
Um nun zu wissen, wie viel vom Gehäuse ab muss, borgte ich mir von der besten Freundin von Allen einen Rouge-Stift in möglichst fieser Farbe (dann weint sie nicht so dolle, wenn er mit Motoröl zurück kommt). Die Dinger haben den Vorteil, dass sie noch schmieriger sind als billiger Nutten-Lippenstift.
Also fix die Ecke am Block abgeklebt und Rouge-Stift drauf geschmiert:

Danach das 123-Gehäuse abgeklebt, eingesteckt und ein wenig hin und her gedreht. Sollte das jemand von euch mal nachmachen müssen, so entfernt vorher die Gummi-Dichtung am Stumpf. Dann geht das rein und raus wesentlich leichter. Das Ergebnis war zufrieden stellend:

Kurz mit dem Cutter die markierte Linie nachgezogen und mit dem Edding nachgemalt:

Damit keine Späne am Schaft haften bleiben und sich nachher im Motor wieder finden, musste ich ihn irgendwie verpacken. Das Klebeband lag natürlich in der Garage. Die Dame auf meiner Arbeitsunterlage brachte mich aber auf eine gute Alternatividee:

Lümmeltüte lüppt super. Und die Noppen geben das extra bisschen Halt, das man braucht. 😉
Nach ner Stunde Gegurke habe ich als ungeduldiger Mensch aber aufgegeben.
Ich hab kaum was vom Gehäuse abbekommen und hätte da Tage dran zugedracht. Außerdem musste ich ja auf gut Glück feilen, da ich ja nicht wusste, in welcher Stellung die 123 den Zündzeitpunkt hat. Da hätte ich vielleicht Stunden lang an einer Stelle rum gefeilt, die völlig unwichtig gewesen wäre.
Also zurück zum Übeltäter! Der Stufe im Block:

Diese abzufeilen hatte auch den Vorteil, dass sie nicht gerade nach oben lief, sondern schräg. Daher musste ich relativ wenig wegfeilen.
Ich habe dann eine halbrunde Vertiefung in die Stufe gefeilt, bis der 123-Körper sich frei drehen ließ. Passt jetzt haargenau:

Die Markierung am Ventildeckel war übrigens völlig überflüssig, da der neue Verteilerfinger anders steht, als das Original:

Danach gings ans anschließen und grobe einstellen. Laut Anleitung soll man das rote Kabel der 123ignition an den Plus-Pol der Zündspule anschließen und dann den Körper der 123 so lange im Uhrzeigersinn drehen, bis eine grüne LED leuchtet. Was hat mich das Teil zur Verzweiflung getrieben! Egal wie oft ich den Körper im Kreis drehte, da wollte nix leuchten! Bis mir irgendwann einfiel, dass es sicherlich helfen könnte, wenn man auch die Zündung einschaltet…..

Nachdem nun der Zündzeitpunkt grob eingestellt war, konnte ich an einen ersten Testlauf gehen!
Ich hab ja immer noch Angst vorm klingeln. Hab ja keine Ahnung, wie das klingt. Daher würde ich euch bitten, auch mal nen Ohr drauf zu haben. Keine Ahnung, ob die Soundqualität dafür ausreichend ist…
Die Stunde der Wahrheit:
Das war übrigens mit Choke und noch ohne Luftfilter.
Ich glaube meine Batterie ist etwas schwach auf der Brust. Er musste so lange drehen, weil er ewig nicht gelaufen ist und daher wohl erstmal nen bisschen Benzin aus dem Tank holen musste.
Danach gabs am Sonntag eine erste Runde auf dem lokalen IKEA-Parkplatz.
Hier mal Sir Edward im Leerlauf (warm ohne Choke). Den Sound habe ich künstlich lauter gemacht:
Hier mit normaler Lautstärke:
Und abschließend noch zweiter Gang Vollgas:
Subjektiv würde ich sagen, dass er die gleichen Geräusche wie vorher macht. Vielleicht sogar etwas leiser ist. Was die Performance betrifft, so scheint mir Kurve „0“ ziemlich nah an den Einstellungen des original Verteilers zu sein.
Leider ist hier in Osnabrück das Wetter momentan kaputt (kommen so kleine weiße Brocken raus), daher kann ich keine weiteren Tests machen. Sobald es aber wieder etwas besser wird, werde ich erstmal ein paar Kilometer mit Kurve „0“ abreißen um sie weiter zu testen.
Vielleicht fahre ich auch mal bei Auto Mobil Osnabrück vorbei, damit die mal nen Ohr dran halten.
P.S.: Wenn ihr übrigens mal wieder herzlich lachen wollt, lest euch mal die Reaktionen auf meinen Post bei oldtimer-info.de durch. Das ist immer so lustig da. Allerdings darf man dort echt nur mit nem gesunden Selbstbewusstsein Fragen stellen.
Literaturrecherche
Meine Bibliothek an Reliant-Literatur hat in den letzten Tagen Zuwachs bekommen.
Amazone lieferte das Buch „Reliant North Cape Challenge 2008„:
Sollte die obige Einbettung der Google-Books-Vorschau nicht lüppen, hier nochmal der Link.
Es ist das zweite Buch von Elvis Payne in meiner Bibliothek.
Außerdem habe ich bei eBay.co.uk die Januar 1985-Ausgabe des „Car„-Magazins erstanden:

Der Titel, „Taking a new view of the untouchables“ in Verbindung mit dem Bild des Rialtos, sagt eigentlich schon alles…
Dennoch will ich euch den Test des Reliant Rialto 2 nicht vorenthalten. Die Zeitschrift hat die „poverty models“ Lada Riva 1500GLS, Reliant Rialto 2, Citroen 2CV Special und Skoda Estelle Two verglichen. Hier erstmal das Vorwort zur Ausgabe:

Und hier der Rialto-Test:


Die Punkte das Ratings haben als Referenz für jeweils 10 Punkte den Vauxhall Cavalier 1,6GL und für 0 Punkte den Fiat 126.
Aber was wissen Autotester schon…..*Pfff*
Weiterer Neuzugang in meiner Bibliothek ist ein ganzer Stapel von Originalprospekten für den Reliant Rialto aus verschiedenen Jahren.
Besonders gefreut habe ich mich über den sehr gut erhaltenen Prospekt für den Rialto 2 (also genau Sir Edwards Modell). Er atmet sehr viel Zeitgeist! Besonders schön finde ich die Aussage, dass der Kombi sich auch sehr gut fürs campen eignet:

Ebenfalls sehr gefreut habe ich mich über die Preis- und Farbenliste, die in dem Stapel lag:

Leider ist sie von 1988 und damit nicht aussagekräftig für Sir Edwards Neupreis. Auf der Rückseite findet sich übrigens eine Preisliste für den Reliant Fox. Dort gibt es einen offiziellen Rabatt von 90 Pfund, wenn man den Wagen nur grundiert kauft…
Man spricht russisch
Neulich bin ich über etwas interessantes gestolpert. Was ist der billigste Neuwagen auf dem deutschen Markt? Dacia Logan? Pah! Bonzenkarre!
Die kleine Firma „Carwashpoint“ in Niederlangen hat es geschafft, den immer noch in Produktion befindlichen Lada Nova (2105 und 2107) mit einem Euro 4 Kat auszurüsten und damit die Hürde für Neuwagen in Deutschland genommen. So sieht das Schmuckstück aus:


Mehr Bilder findet ihr beim Lada Club Deutschland (www.lada-welt.de), welcher mir freundlicherweise die Bilder zur Verfügung gestellt hat.
In der Basisversion (2105) kostet dieser Kracher gerade mal 6999€. Und der größte Lacher ist da noch gar nicht berücksichtigt! Die Fahrzeuge sind als Tageszulassungen nämlich Umwelt- Abwrackprämien-fähig!! Das heißt vom Neupreis wandern nochmal gelöste 2500€ runter.
Wie geil ist dass denn?! Da tauscht man seinen hässlichen Kia Pride gegen einen waschechten Oldtimer und bekommt das ganze noch vom Staat gefördert. RESPEKT!
Bei AutoBILD.de gibts auch nen Testbericht über den „neuen“ Nova. Allerdings kommen die mir hier linktechnisch nicht in die gute Stube! Fragt Google, wenn ihr ihn lesen wollt.
Als, wenn es unbedingt ein billiger Neuwagen werden muss: Die Entscheidung steht!



