Eben war ich los um den Achschenkelbolzen von Sir Edward auspressen zu lassen. Es war das klassische Trauerspiel: Die kleinen freien Werkstätten waren zwar engagiert und hilfsbereit, doch leider hatte keine von ihnen eine hydraulische Presse. Die riesige Mercedeswerkstatt meinte nur: „Sowas machen wir nicht.“ und der freundliche VAG-Meister meinte: Er könne das zwar, aber nur zum regulären Stundensatz von 90€ und so 30-40€ würden das schon.
Also konnte ich wieder unverrichteter Dinge abziehen.
Morgen klappere ich noch die beiden letzten Kandidaten ab. Zum einen wurde mir von einem Freien Werkstattmenschen der Tipp gegeben, dass Dankmeyer Motorinstandsetzung eigentlich verschiedene Pressen haben müsste. Zum Anderen war meine Freundin vor Jahren bei Auto Mobil Osnabrück und hat die als sehr freundlich und gut ausgestattet in Erinnerung.
Wenn beides nicht hilft, muss ich mir was neues überlegen.
So sieht sowas professionell aus:

Wenn ich mir das so besehe: Eigentlich ist das ja auch nur nen Wagenheber in nem festen Rahmen.
Nen ollen Wagenheber hab ich ja noch liegen…
Und hier hat sich jemand sowas selber gebaut:

Und wieder stelle ich fest, wie sehr mir doch die Schweißerfähigkeiten fehlen.
Hmm, was könnte ich als Gegenpunkt nehmen, was 3 Tonnen aushält? Fette Bolzen haben wir noch zuhause. Nen geschraubter Rahmen währe wohl möglich. Mal drauf rum grübeln…
Kategoriearchiv: Reliant Rialto
Hier geht es um meinen 1984er Reliant Rialto 2 GLS Estate. Mein erstes richtiges Auto.
“Sag Aaaaa…-Frame.” IV
Letzte Woche habe ich auch an Sir Edwards A-Frame weiter gearbeitet. Der neue „Schwingarm“ liegt ja schon pulverbeschichtet bereit. Also hieß es nun die weiterzuverwendenden Teile vom alten Arm abbauen. Die einzigen Teile, die ich noch weiter verwenden werde, sind die Bremstrommel-Rückplatte und der Achsschenkel. Wobei ich mir bei letzterem nicht so sicher bin. Aber dazu später mehr.
Das hier war die Ausgangslage:

Also erstmal alles abschrauben, was abzuschrauben geht. Hierbei fiel mir mal wieder der fehlende Bremsleitungsschlüssel auf. Diese Woche gehe ich los und besorge einen. Is ja kein Zustand!
Alle anderen Schrauben ließen sich trotz des vorangeschrittenen Gammels gut lösen. So hatte ich die Bremsplatte bald lose:

Ach, neue Radbremszylinder verbaue ich auch mal. Die alten sehen so komisch braun unter den Manschetten aus:

Nun ging es an den vermeintlich schwierigsten Teil des Ausbaus: Das Entfernen des Haltepins des Achsschenkelbolzens. Der Bolzen wird im A-Frame gehalten, indem in einer Nut ein Haltepin steckt. So sieht das ganze im Schema aus:

Und so sieht der Bolzen unscharf mit drauf gelegtem Pin aus:

Bevor man also den Achsschenkelbolzen entfernen kann, muss der Pin raus. Hierbei muss man aufpassen, dass man den Pin zur richtigen Seite hin mit dem Hammer traktiert. Er ist nämlich konisch geformt. Schlägt man auf die falsche Seite, treibt man ihn nur noch fester rein. Die Diagnose der richtigen Seite wird noch dadurch erschwert, dass der Pin nur durch zwei kleine Bohrungen im Achsschenkel zu erspähen ist. Nach dementsprechend langem begutachten, fummeln mit der Taschenlampe und befragen meines Vaters meinte ich die schmalere Seite des Pins erkannt zu haben. 3-4 Schläge mit dem Körner/Hammer später, hatte ich den kleinen Bastard dann auch in der Hand:

*Puh* Richtig geraten.
Als nächstes sollte dann der Achsschenkelbolzen selber raus. Dazu muss man erstmal die „Abdeckmünze“, welche ihn gegen die dreckige Außenwelt abschirmt raus popeln. Das kleine Metallplätchen sitzt stramm in einer Nut. Mit dem Schraubenzieher hebeln ist da nicht zu empfehlen. Zumal man auch keinen richtigen Ansatzpunkt hat. Da die Plättchen eh später neu kommen, kann man hier einfach mit dem Bohrer vorgehen:

Davor kommen noch auf jeder Seite Segeringe und schon ist der Bolzen frei zum raustreiben. Da sowohl die Lager als auch der Bolzen selbst nicht wiederverwendet werden, durfte dort gröberes Werkzeug zum Einsatz kommen. Also einen alten Bolzen mit der Gripzange gegriffen und erst mit mittlerem und dann mit Vorschlaghammer Attacke gemacht:

Leider zeigt sich der Bolzen davon gänzlich unbeeindruckt. Er hat sich keinen Millimeter bewegt.
Allerdings fiel mir auf, dass der Lagersitz auf dem Achsschenkel einen kleinen Kratzer hat:

Ist mit dem Fingernagel als kleine Kante spürbar. Was sagen die Experten? Neu? Egal? Polieren?
Da dem Achschenkelbolzen mit unseren heimischen Mitteln nicht bei zu kommen war, habe ich mir überlegt, das Teil zu einer Werkstatt mit hydraulischer Presse zu bringen. Die sollten das dort innerhalb von Minuten raus bekommen. Da der ganze A-Frame aber zu sperrig ist um ihn mit sich rum zu schleppen, ich ihn ja nicht mehr brauche und die Bremsplatte so nicht ab zu bekommen ist, wurde kurzerhand die Flex ausgepackt:

Jetzt ist der Achsschenkel ein hübsch handliches Stück und ich kann nebenbei noch die Bremsplatte renovieren:

Mal sehen, wann ich diese Woche dazu komme, hier in Osnabrück ne Werkstatt mit Presse zu finden. Muss ich wohl ne Rundtour mit den gelben Seiten unterm Arm machen.
Bevor ich mich übrigens an den Ausbau des Kingpins gemacht habe, habe ich ausgiebig die Anleitung von Fifer aus dem R3W-Forum gelesen. Das lege ich jedem Nachahmer auch ans Herz! Da stehen einige wichtige Tipps drin!
Eine Sichtung
Gerade bin ich über die Fotos vom diesjährigen Dreiradtreffen in Gornau/Sachsen gestolpert. Und was sehen meine müden Augen? Einen Rialto!
Zum Teil in klassischer Haltung:
Durch das „Reliant“-Schild vorne konnte ich erst nicht erkennen, wie der Wagen zugelassen war. Müsste ja mit dem Teufel zugehen, wenn der ne reguläre Zulassung gehabt hätte!
Zum Glück gabs weiter hinten in der Galerie noch einen Schnappschuss von Hinten:
Aha! Dachte ich es mir doch. Rote Nummer. *Puh* Ich dachte schon, ich wäre Mainstream….
Das Pickerl in der oberen rechten Windschutzscheibenecke und die Batterie auf der rechten Seite entlarven ihn übrigens als österreichischen Rialto.
Nächstes Jahr bin ich dabei! Kanns kaum erwarten!
Der Spreizer
Nein, das ist keine Empfehlung des neuen Magmafilm-Pornos von mir, sondern der Fachausdruck für ein Werkzeug. Aber dazu später mehr. Erstmal die Ausgangslage:
Wie ihr euch vielleicht erinnert, ist Sir Edwards Auspuff hinüber. Klassisch durchgerostet. Auf diesem Bild kann man den Zustand ganz gut im Hintergrund erkennen:

Da mir das schon früh aufgefallen ist, hatte ich damals bei meiner Bestellung bei Sparesman ein neues Hauptrohr geordert. Die Abgasanlage des Rialtos ist nämlich denkbar einfach konstruiert. Ein dürres Rohr führt vom Krümmer unter dem kompletten Auto entlang und mündet in einen einsamen Schalldämpfer. Nix Kat oder so nen Schnick-Schnack. Zwei Teile: Fertig. Allerdings bringt diese zweiteilige Konstruktion auch einen Nachteil mit sich: Das Hauptrohr ist fast zwei Meter lang.
Um dennoch vertretbare Versandkosten zu ermöglichen, hat Sparesman es (mit meiner Zustimmung) daher einfach in drei Teile zersägt.
Nun stand/stehe ich vor der Wahl: Die Stücke zusammen schweißen lassen, oder Tüllen/Hülsen basteln und verschrauben?
Ich bin ja ein Fan von Schraubverbindungen. Die kann ich erstens selber machen und zweitens kann man sowas auch wieder lösen.
Ich erinnerte mich außerdem dunkel an ein Bild von einem Werkzeug, dass gerade dazu gemacht war, Rohre zu weiten. Google und eBay halfen dann bei der Fachausdrucksuche. Das Gerät heißt „Spreizer“ oder „Aufweiter“ und sieht so aus:

Das Bild erläutert auch gleich das Funktionsprinzip. Man steckt das Teil in das zu weitende Rohr, spannt es mit einem Ringschlüssel oder Ratsche sanft vor und erhitzt dann das Rohr mit dem Heißluftfön oder Bunsenbrenner. Wenn es heiß genug ist, spannt man den Spreizer weiter, bis der gewünschte Durchmesser erreicht ist. Dann abkühlen lassen, entspannen, rausziehen, fertig.
20€ incl. Versand kostet mich das Gerät nun. Irgendwas in der Richtung hätte ich auch bei nem Metalbauer für die Schweißnähte gezahlt. Also ist es den Versuch wert. Wenns nicht lüppt, kann ich ja immer noch schweißen lassen.
Nun stellen sich aber wieder zwei Möglichkeiten: Weite ich die Originalrohre und stecke sie einfach ineinander, oder baue ich mir Manschetten?
das weiten der Originalrohre währe die sauberere Lösung. Allerdings verliere ich dadurch einige Zentimeter. keine Ahnung, ob dann noch alle Aufhängungspunkte passen.
Ich tendiere daher erstmal zu dem zweiten Lösungsweg. Das alte Auspuffrohr hat noch einige gute Sektionen. Daraus werde ich mir zwei Stücke raustrennen und diese mithilfe des Spreizers weiten. Dann kommen sie als Verbindungsmanschetten über die abgesägten Rohrenden und werden mit Schellen festgezogen.
Ich denke, ich muss ein paar Entlastungsschlitze in die Manschetten flexen, damit ich da was zum zusammenziehen habe, oder? Ansonsten wird das wohl nicht dicht.
Ich hoffe auch, dass die alten Rohre genügend „Fleisch“ haben, damit ich sie weit genug weiten kann. Der Innendurchmesser beläuft sich auf 31,5 mm. Außen haben sie 35,0 mm.
Die Spreizer gibts übrigens in verschiedenen Kalibern. Ich habe einen von 29-44 mm genommen.
Urlaubszeit
Da will man nun schon etwas vorstrebern, für die bald anstehende Arbeitslosigkeit und dann das….
Gestern hab ich eine E-Mail an Gerhard Mangliers geschickt. Der Mensch ist der richtige Ansprechpartner beim TÜV-Süd, wenn es um die Erstellung eines offiziellen Datenblatts für Exoten und Oldtimer geht.
Postwendend erhielt ich eine automatische E-Mail zurück mit dem Inhalt: „Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin vom 13.07. bis 24.07.2009 nicht im Hause.“ Nun gut. Es sei dem Mann gegönnt. Nach seinem Urlaub ist er bestimmt ganz entspannt und erholt, so dass die Datenblatterstellung kein Problem ist *Daumendrück*.
Ein solches brauche ich für die TÜV-Abnahme nach § 21 StVZO von Sir Edward. Ein Reliant Rialto sagt dem deutschen TÜV nämlich verständlicherweise nix. Der TÜV-Süd hat übrigens auch eine schöne Übersicht zum Verfahren der Vollabnahme und was dort alles geprüft wird.