Kategoriearchiv: Reliant Rialto

Hier geht es um meinen 1984er Reliant Rialto 2 GLS Estate. Mein erstes richtiges Auto.

Untertage und trotzdem Farbe im Gesicht

Eh ich nun die letzten Tage in der Werkstatt aufarbeite, möchte ich euch kurz dieses Foto von gestern Nacht präsentieren:

Dazu möchte ich zwei Dinge anmerken:
1. Es ist eine riesen Sauerei, 25-Jahre-Ölpamp mit dem Bohrmaschienenbürstenaufsatz unterm Auto zu entfernen.

2. Das Gelbe um den Mund ist kein Öl, sondern Gelbfieber… heute sehe ich noch cooler aus! Kann ich auf jeden Fall empfehlen! Ansonsten gehts bisher mit Nebenwirkungen.

Entscheidend ist, was hinten rauskommt

Eine weitere Baustelle des gestrigen Tages war der schon angesprochene Auspuff. Am Anfang stand der Ausbau des Alten. Schon beim Anblick der Verschraubung am Krümmer schwante mir übles:

Doppelte und unterschiedliche Muttern (eine war sogar metrisch!), Unterlegscheiben, dick Auspuffkit…das sang von üblem Pfusch. Da ich nicht wusste, wie fest diese Konstruktion war, habe ich sie erstmal in Rostlöser gebadet (Schon krass, was man von dem Zeug über die Zeit verbraucht). Nachdem er seine Wirkung getan hatte, gings ans vorsichtige Lösen. Langsam die aufzuwendende Kraft steigern. Ein abgerissener Krümmerbolzen wäre das Letzte, worauf ich jetzt noch Lust hätte. Die Muttern lösten sich aber erstaunlich leicht. Zum Vorschein kam dann das hier:

Da kamen mir ja schon wieder 1-2 Tränen. Der rechte Bolzen verbogen, am Linken das Gewinde vernudelt und beide total zugeschlonzt mit irgendwas klebrigem…Danke.
Leider ist der Krümmer auch nicht das Reliant-08/15-Teil, sondern der (seltene und gesuchte) 4-in-1-Krümmer, welcher 3-4 PS (Immerhin 10%!) Mehrleistung bringen soll. Also auch nix, was man einfach mal so wegwirft und neu bestellt. Traumhaft. Mal sehen, was ich da mache. Vielleicht lässt sich das linke Gewinde nachschneiden. Muss ich nur noch nen Gewindeschneider für Zollmaße besorgen (*Grummel*). Was ich mit dem verbogenen Bolzen mache? Keine Ahnung.
Also erstmal weiter machen und den Auspuff drunter weg zerren:

Draußen in der fiesen Sonne kamen ein paar schöne Details zum Vorschein. Hier zwei der Löcher, wegen denen ich ihn wechsel:

Kann man gelöst nen Schraubenzieher durch stecken.
Aber auch das Krümmerende ist ein kleines Kunstwerk:

Da ist kaum noch die Hälfte an Querschnitt übrig. Sieht nen bisschen nach schwarzen Korallen aus.
Der Schalldämpfer war dann fix vom Rohr geklopft. Hier ein Foto von der Beschriftung zwecks Ersatzteilsuche:

Sein Zustand ist insgesamt ganz gut. Leichte Rostspuren an den Schweißnähten, aber nix dramatisches. Ich werde wohl mal ein bisschen drinne rumstochern, um ein wenig Ruß raus zu bekommen und dann kommt er wieder an das neue Rohr.
Womit wir auch schon beim nächsten Thema wären.
Als erstes habe ich die Puzzlestücke des neuen Rohrs analog zum alten positioniert und nummeriert:

Danach folgte der Rohrschneider, um das marode Eisen aus dem Alten raus zu trennen und gerade Kanten für die Hülsen zu bekommen:

Was dann folgte, war mal wieder Ernüchterung:

Die neuen Rohrstücke sind größer im Durchmesser! Die Alten hatten außen 1,24″ bzw. 31,71mm. Die neuen haben 1,4″ bzw. 35,4mm.
So wird das also nix, mit dem ursprünglichen Plan, die alten Hülsen als Außenhülsen für die neuen Rohre zu verwenden.
Die einzige Möglichkeit, die ich sehe, wäre die alten Rohre als INNENhülsen in den Neuen zu verwenden. Also die Neuen etwas aufweiten, die Alten schlitzen, reinstecken, Auspuffkitt drum und dann das andere Neue Ende drüber stecken. Allerdings hätte ich dann innen eine Strömungskante. Keine Ahnung, ob das dem Motörchen was ausmacht. Aber ideal ist es nicht… Hat wer von euch ne Idee?

“Sag Aaaaa…-Frame.” VI

Tut mir leid, dass ihr noch nicht früher was von mir lesen konntet, aber heute war Großkampftag. Zum einen ist ja dank Auto Mobil Osnabrück endlich der Achsschenkel zerlegt und ich konnte nun weiter machen. Zum Anderen musste ich heute rein hauen, eh das Gelbfieber, mit dem ich seit gestern infiziert bin, stärker wird.
Ich hab heute an mehreren Baustellen parallel gearbeitet. Als erstes will ich über meine Fortschritte am A-Frame berichten.
Zum Anfang kamen die verbliebenen Nadellager raus. Das funktionierte so, wie ich es schon vermutet hatte. Also fix ne passende Hülse gesucht und für eine gleichmäßigere Trefferfläche des Hammers noch einen alten Bolzen lose rein gesteckt:

Danach gabs dann auf den Kopp. Nix spektakuläres und auch schnell fertig:

Nun war der Achsschenkel endlich gänzlich nackig und ich konnte ihn ausgiebig sauber machen.
Als nächstes habe ich mich daran begeben, die Laufspuren der alten Lager wegzupolieren. Dazu habe ich eine Metallpolitur von Nigrin verwendet. Einfach den Schenkel eingespannt, aufgetragen, einen Stoffstreifen vom Lappen gerissen und nach Einwirkzeit schön „rubbel-die-Katz“:

Ich finde das Ergebnis durchaus brauchbar:

Vorher sah die gleiche Stelle so aus:

Die Pittingspuren sind deutlich weniger spürbar.
Nachdem das erledigt war, konnte ich mich der Bremsplatte zuwenden. Da warteten ja immer noch die alten Radbremszylinder auf ihren Ausbau.
Mittlerweile hatte ich auch passende Bremsleitungsschlüssel (offene Ringschlüssel) besorgt:

Der Rialto braucht für die 3/8″-24 UNF Bremsenfittings Schlüsselweite 11 (Überwurfschrauben) und 14 (Überwurfmuttern).
Als erste habe ich eine olle Schraube in eines der Löcher gedreht, um mir eine dauerhafte Markierung zu schaffen, welche Seite oben war:

Leider halfen auch die passenden Schlüssel nix. Trotz einer Woche in Rostlöser saßen die Fittings so fest, dass sich eher der Schlüssel aufbog, als dass sich die Schraube bewegt hätte:

Es half also alles nix. Ich musste zur Radikalkur greifen und die Kneifzange ansetzen. *Knaps* und draußen waren die Zylinder:

Nun konnte ich auch über die abgekniffenen Enden einen geschlossenen Ringschlüssel schieben und mit mehr Kraft zur Sache gehen:

Das half und bald hatte ich alle Verschraubungen draußen:

Wenn ich mir die so besehe, ist es vielleicht auch nicht schlecht, dass sie nun neu kommen müssen. Sind schon ziemlich gammelig.
Die Bremsflüssigkeit, die dann noch aus den Zylindern tropfte machte auch sehr lustige Schlieren in der restlichen alten Flüssigkeit:

Hier noch zwei Fotos von den Beschriftungen auf den alten Girling Bremszylindern. Vielleicht hilfts bei der Ersatzteilsuche:

Das Blöde ist nur, dass ich nun irgendwie die kaputtgekniffene Bremsleitung ersetzen muss. Morgen will ich mal mit Sparesman sprechen, ob der die kleinen Stücke zufällig auf Lager hat. Das wäre dann ja schön easy. dann könnten die Leitungen dort komplett neu. Ansonsten muss ich wohl nochmal horchen, ob das Angebot von as bzw. seinem Kumpel noch steht…
Außerdem muss ich mir überlegen, was ich mit der Bremsplatte mache. Sandstrahlen und lackieren wäre der eleganteste Weg. Leider habe ich weder Kompressor noch andere Sandstrahlgelegenheit. Aber so zugeschmoddert, wie die ist, kann ich sie auch nicht lassen. Blöd. Muss ich drüber sinnieren.
So, dass muss für heute reichen. Die anderen Artikel gibts morgen. Das Gelbfieber macht mich fertig. Ker, bin ich groggy.

Hier kommt Gurt V

Nachdem ich mitllerweile ja die hinteren Befestigungspunkte der Gurte außen und innen vorbereitet hatte und die neuen Gurte von Sparesman angekommen waren, stand einem Einbau nichts mehr im Wege.
Hier ein Foto von den Autoliv-Produktnummern, falls jemand von euch sie bei sich auch nachrüsten will:

Um den schon angesprochenen Spalt zwischen Karosserie und Rahmen zu füllen, musste ich ein wenig mit verschiedenen Distanzstücken experimentieren:

Zum Glück hatten wir da eine bunte Auswahl in unserem Fundus. Denn natürlich waren die Spalten zwischen Fahrer- und Beifahrerseite unterschiedlich groß…“Handarbeit“ eben.
Danach haben Vaddern und ich mit der Nagelschere Löcher in die Kunstlederabdeckung geschnitten. Erst haben wir mit einem einfachen „Kreuzschnitt“ experimentiert, aber dabei hat das Kunstleder immer Falten geworfen, sobald man den Bolzen fest an zog. Ein Kreisrunder Ausschnitt in Größe der eingesetzten Drehhülse beseitigt dieses Problem. Ist ja nachher auch alles von der Gurtbefestigungshasen verdeckt.
Nun stand die Überlegung an, welchen Gurt man wo montiert. Schloss außen oder innen? Ich entschied mich nach einigem probieren für Schloss außen:

Und zwar aus dem einfachen Grund, dass nämlich die Gurtlaschen so lang sind, dass sie mir, wenn es blöd läuft (was es immer irgendwann tut) aus der geöffneten Tür fallen können und dann dort eingeklemmt werden bzw. für anständig Macken sorgen.
Für den mittleren Gurt musste ich noch einen Schnitt in dem überstehenden „Polsterlappen“ machen.
Der Schnitt muss so breit sein, dass der Gurt durch ihn durch laufen kann, da der Befestigungspunkt unter dem Lappen liegt. Aber auch das alles keine Schwierigkeit.
Dementsprechend sieht das Ganze nun so aus:

Allerdings frage ich mich, was für fette Biester normalerweise mit diesen Gurten verzurrt werden. Bei meinem Probesitzen musste ich ca. 1,5m Gurt durchfädeln, bis ich endlich fest saß:

Ein wenig stört mich, dass das Gurtschloss nun mehr oder weniger auf dem Bauch liegt. Allerdings sehe ich da keine andere Möglichkeit. Außerdem verdreht sich der Laschen-Gurt leicht. Er läuft ja senkrecht vom Befestigungspunkt weg und muss dann zur Seite abknicken. Aber auch das ist konstruktionsbedingt und wohl nicht vermeidbar. Die Sicherheit wird es wohl nicht beeinflussen bzw. im Falle eines Unfalls die wohl geringere Sorge sein….
Nun fehlt noch die andere Seite und eventuell die Automatikgurte für vorne.

“Sag Aaaaa…-Frame.” V

Gestern war ich nochmal los, um endlich den Achsschenkelbolzen (Kingpin) ausgepresst zu bekommen. Mein erster Versuch, eine fähige und/oder willige Werkstatt zu finden, war ja kläglich gescheitert.
Meine erste Anlaufstelle war die Empfehlung meiner Freundin. „Auto Mobil Osnabrück“ heißt der Laden:

Ich fühlte mich gleich gut aufgehoben, da ich in der hinteren Halle einen Opel Kapitän P 2,6 erspähte:

„Wer solch ein Fahrzeug in Behandlung hat, der hat auch ne Presse“, sagte ich mir. Ich sollte recht behalten. Die beiden älteren Herren, die die Werkstatt betreiben, beäugten Sir Edwards Achsschenkel amüsiert und äußerten, dass sie so eine Konstruktion ja schon seit den 70ern nicht mehr gesehen hätten. „Eine alte Presse müssten wir noch haben. Steht hinten im Lager.“ Zwei Minuten später räumten sie Altölfässer weg und es kam eine riesige 20t-Presse zum Vorschein, mit der sicherlich schon Lager der Junkers Ju 87 ein- und ausgepresst wurden. Nach kurzem experimentieren bezüglich der Auflagefläche und dem Auspressdorn (Sie verwendeten nachher einfach einen alten Bolzen) konnte es losgehen. Dorn/Bolzen fährt aus, trifft auf Achsschenkelbolzen, die Pumpe baut Druck auf, baut mehr Druck auf, baut noch mehr Druck auf, ich vernehme ein leises ächzendes Geräusch (leider aus Richtung der Pumpe), ich bekomme etwas Bedenken und suche Schutz hinter einem der Mechaniker („Feigling“, ich weiß.), dann meinte einer der Beiden: „Ohhh, das wird so nix! Wir kommen ans Limit! Lass mal aufhören.“ (Erinnerte mich stark an: „Röhrich, ich würd das lassen!„)
Da war ich ja erstmal ziemlich enttäuscht. Der Kingpin hatte sich keinen Millimeter bewegt und die Presse schien gescheitert. Dann meinte der Andere: „Lass mal umdrehen und von der anderen Seite probieren.“ Also Achsschenkel umgedreht und auf andere Seite gepresst. Da rührte sich auch nix. Zwischendurch haben sie sich drei mal bei mir rückversichert, dass da kein Splint mehr drin ist, kein Segering und das das Dingen nicht konisch oder sowas ist. Ich war mir nachher schon selbst nicht mehr sicher.
Von der anderen Seite aus gings dann wieder ans Limit, bis sein Kollege wieder meinte: „Du, dass wird auch so nix.“ In dem Moment gab es einen lauten Knall.
Obwohl ich ihn erwartet habe, hab ich mich echt erschrocken.
Da hatte sich der Bolzen dann gelöst und ließ sich danach ganz easy rausschieben aus den Nadellagern.
Was ein Bastard! Ich hätte nicht gedacht, dass es eines kleinen Buckelwals bedarf, um ihn da raus zu locken.
Auch die beiden Werkstattmeister waren erstaunt, über die Kraft, die nötig war.
Auf jeden Fall war ich froh, dass die Teile nun auseinander waren und der Achsschenkel unbeschädigt. Als es ums bezahlen ging, meinte der Skeptiker: „Och, gib nen paar Euros. Machen wir die Sache nicht größer als sie war.“ Ich hab ihnen nen 5er da gelassen. Schöne Sache!
Auto Mobil Osnabrück ist also eine klare Empfehlung! Sehr nett, günstig, mit Sachverstand und Studenten bekommen 10% Rabatt (Hab ich auf der alten Rechnung meiner Freundin gesehen).
Außerdem halten wir fürs Protokoll fest, dass meine Freundin, wie immer, Recht hatte.

So sah der Kingpin ungereinigt aus:

Man kann auf diesem Foto ganz gut erkennen, wo die Lager gesessen haben. Da sind einige Laufspuren/Standspuren sichtbar und fühlbar.
Und so sah der Achsschenkel aus:

25 Jahre Dreck und ausgehärtetes Fett. Die „Feuchtigkeit“ kommt lediglich vom WD40 in das ich die ganze Schose eingelegt hatte.
Hier ein Blick in die Aufnahme des Kingpins im A-Frame:

Ganz schön schartig, wie ich finde. Dort saß er auch so bombenfest.
Hier die drei Bauteile endlich separat:


Auf dieser Detailaufnahme kann man die abgewetzte Kante am Kingpin erkenne, an der Nut, durch die normalerweise der Haltestift läuft. Ich glaube, die ist beim auspressen entstanden. Allerdings bin ich mir nicht sicher, woran er so gehakt hat. Außerdem kann man am rechten Ende nochmal die Spuren der Lager sehen.
Der Achsschenkel selbst hat leider auch zwei Laufspuren der Lager:

Die linke ist nur sichtbar, aber nicht fühlbar. Die rechte (am Gewinde) hat ein kleine „Grube“, die auch fühlbar ist. Ich halte ihn aber für wiederverwendbar. Mal sehen, ob ich da mit etwas Politur nachhelfen kann.
Hier noch ein Bild vom grob gereinigten Achsschenkel:

Man kann dort gut die Bronzeplatten erkennen, die den Abschluss der Nadellager bilden und an denen der A-Frame bei jeder Lenkbewegung reibt. Mal sehen, wie ich die raus bekomme. Ich glaube, das Lager sitzt in den Bronzeplatten und wird dann von innen in den Achsschenkel gesteckt. Wenn ich also von draußen mit einer passenden Nuss und nem Hammer auf das Lager prügel, solle es samt Platte nach innen raus wandern. Mal sehen…
Und hier noch ein abschließendes Bild vom Kingpin im Achsschenkel, um euch das Prinzip des ganzen nochmal zu zeigen:

Der Kingpin steckt fest in der Aufnahme des A-Frames und wird dort gegen vertikale Bewegung durch den Splint gesichert. Oben und Unten sitzen im Achsschenkel Bronzelager, an denen das Ganze reiben kann. Darüber befinden sich Nadellager, in denen sich der Kingpin dreht. Die Schmiernippel sitzen hinter den Nadellagern. Das dort reingepresste Fett füllt die Lager und wandert dann weiter am Kingpin runter, durch die Fettaschen der Bronzelager in das innere des Achsschenkels. Wenn man allerdings nicht aufpasst, drückt das Fett weiter in das innere der Bremstrommel und schmiert die Bremsbeläge gleich mit (Daher vorne immer mit abgebauter Bremstrommel schmieren und überschüssiges Fett abputzen!!). Einfaches Prinzip. Allerdings sehr verschleißfreudig. Besonders bei mangelnder Schmierung. Bei Sir Edward waren der Kingpin und die Lager aufgrund der geringen Laufleistung an sich noch in Ordnung. Es gab kein merkliches Spiel. Es war lediglich die lange Standzeit und der Rost, die ihren Tribut gefordert haben.
Jetzt kann es endlich ans aufbereiten und wieder zusammen bauen gehen.