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Mehr am Haken ab dem 19.01.?

Es rauscht gewaltig im digitalen Blätterwald, denn mit dem 19.01.2013 wird die Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) mittels der „Siebte Verordnung zur Änderung der Fahrerlaubnis-Verordnung und anderer straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften“ (7. FeVuaÄndV – Hauptsache ne griffige Abkürzung!) geändert.
Einer der hauptsächlichen Diskussionspunkte ist (neben der Befristung der neuen, „neuen“ Führerscheine auf 15 Jahre) die Änderung der Klasse B in Bezug auf Fahrten mit dem Anhänger.
Bisher galt folgende Regelung für uns Spätgeborene:
Die Klasse B reicht aus, wenn:
– Die zulässige Gesamtmasse (zGM) des Zugfahrzeugs max. 3500 kg beträgt und
– die zGM des Anhängers max. 750 kg beträgt
-> Also theoretisch PKW mit 3,5 t zGM + 750 kg zGM Anhänger = Gespann mit 4,25 t
Bei Anhängern mit einer zGM von mehr als 750 kg genügt die Klasse B, wenn:
– die zGM des Anhängers kleiner ist als die Leermasse des Zugfahrzeugs und
– die zGM der beiden (Zugfahrzeug + Anhänger) in der Summe 3500 kg nicht übersteigt
-> Also theoretisch 1750 kg PKW Leermasse + 1749 kg Anhänger zGM = Gespann mit 3,499 t

Nach der Neureglung fällt die Beschränkung, dass die zGM des Anhängers kleiner als die Leermasse des Zugfahrzeugs sein muss ersatzlos weg.
Theoretisch könnte man also mit einem Smart (805 kg Leermasse) einen 2t Airstream-Wohnanhänger durch die Gegend zerren (Vom Thrillfaktor eines solchen Unterfangens mal ganz abgesehen).
Allerdings schieben die technisch zulässigen Achs-, Anhänge- und insbesondere Stützlasten einem solchen Unterfangen auch zukünftig glücklicherweise einen Riegel vor.

Leider gibt es noch einen Wermutstropfen:
Die oben genannte Beschränkung fällt nur für diejenigen weg, die sich auch einen neuen Führerschein ausstellen lassen bzw. diesen neu erwerben!
So sagt es unmissverständlich Art. 2, Nr. 16 b) der 7. FeVuaÄndV.
Wer also mit Klasse B einen schweren Autoanhänger ziehen möchte, muss seinen Führerschein umtauschen und mit dem neuen, befristeten leben.
Der Schmerz wird aber etwas dadurch gelindert, dass die alten Führerscheine eh nur bis 2032 gültig sind und dann umgetauscht werden müssen. Der Befristete müsste erstmalig 2028 erneuert werden.

Eine weitere Neuerung ist die Anhebung der maximalen zGM des Gespanns.
Wollte man bisher Gespanne über 3,5t (inkl. einem Anhänger über 750 Kg) fahren, so brauchte man die Klasse BE.
Mit der Neuregelung reicht gemäß § 6a FeV die Klasse B auch für Gespanne bis 4,25t!
Dies jedoch nur unter der Bedingung, dass die Klasse B mit der Schlüsselzahl 96 erteilt wurde.
Was also tun, um die Schlüsselzahl 96 zu erhalten?
Die zukünftige Anlage 7a (zu § 6a Absatz 3 und 4) FeV verrät uns, was nötig ist:
1. Man muss sich in einer Fahrschule zu einer Fahrerschulung von mind. 7 Stunden anmelden. Die Schulung besteht aus mind. 2,5 Stunden Theorie und mind. 3,5 Stunden Praxis plus eine Stunde sonstige Inhalte (Aller Voraussicht nach an einem Tag zu meistern).
2. Die Fahrschule stellt dann eine entsprechende Bescheinigung aus.
3. Mit dieser Bescheinigung geht der Bewerber anschließend zum Straßenverkehrsamt und lässt sich die Schlüsselzahl 96 in den Führerschein eintragen.
Es sind folglich keine teure Prüfung sowie „Sonderfahrten“ in der Fahrschule nötig!

Die wichtigsten weiteren Änderungen gibt es stichpunktartig z.B. hier.

Driving home for Christmas

So, bin abgehauen aus der verschissenen Gegend!
Weihnachtsferien sind eingeläutet.
Natürlich bin ich nach zwei Monaten Schrauberei-Entzug heiß drauf, endlich mit dem Bug los zu legen!
Der ist ja das Projekt für diesen Winter. Der Sommer wird orange!
Der Arme stand nun 1,5 Jahre unbewegt in der Tiefgarage. Das schmerzt schon sehr.
Also frisch, fromm, fröhlich, frei ans Werk!
Erster Schritt war es, den Bug nach hause in die heimische Werkstatt zu holen.
Da gestern einer der wenigen Tage ohne Schneefall und/oder Glatteis war, haben Vaddern und ich vom Hängerhökerer unseres Vertrauens einen Mini-Bagger-Hänger geholt. Den mussten wir vor Ort erstmal ausbuddeln. Bei uns liegt reichlich Schnee…
Von dort gings weiter zur Tiefgarage.
Dank des geringen Gewichts, konnten wir den Bug lässig von Hand aus seiner Parkbucht auf den Hänger schieben:
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Das schonte den Motor und das Getriebe, die ich vor einer Widerinbetriebnahme lieber nochmal durchsehen möchte.
Diese Mini-Bagger-Hänger haben den Vorteil, dass sie eine durchgängige Laderampe haben, was Experimente mit einer dritten Auffahrrampe überflüssig macht:
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Dementsprechend fix ging auch das verladen in der Tiefgarage.
Fest verzurrt ging es dann zurück Richtung Heimat:
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War auch so ne aalige Sache. Der Hänger schob ganz schön….
Gab natürlich auch herrlich ungläubige Blicke der Menschen ringsum, was wir da spaceiges auf dem Hänger hätten.
Ich war allerdings auch froh, als wir ihn endlich sicher in der Garage hatten:
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Dort wartet er jetzt darauf, dass ich morgen mit den anstehenden Arbeiten los lege….
Zur Feier des Tages gabs dann fünf Dutzend Schnecken:
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*Mjam*

Es gibt also endlich wieder amtliche Schrauberkost! Guten Apetit!

P.S.: Solltet ihr mal einen Bond Bug transportieren müssen: NIEMALS rückwärts transportieren!! Das Canopy ist nicht für hohe rückwärtige Windlast ausgelegt! Ist schon öfters vorgekommen, dass dann das Schloss versagt hat, das Canopy bei Tempo 80 aufschnellte, abriss und die halbe Karosserie zerstörte….No, not, never!

Nachbesserung

Mal wieder gilt: „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?!“
Ich hab in den letzten Tagen alle möglichen Quellen für blanko-Typenschilder abgeklappert.
Alles nicht das Wahre. Entweder man bekommt die Kleinen für Anhänger mit 7 Feldern:
Bild nicht vorhanden
oder die Großen mit 11 Feldern:
Bild nicht vorhanden
Das kleine Schild ist doof, weil es keine Angabe für die vordere Achse hat, sondern nur für die Stützlast. Das große Schild ist doof, weil es Felder für z.B. Gesamtzuggewicht und eine 3. Achse hat. Außerdem ist es ein riesiger Trumm.
Die Preise sind auch ganz saftig. Der lokale Hängerhökerer wollte 11€ pro Schild sehen!
In verschiedenen Foren habe ich gelesen, dass man die Zahlen eingravieren lassen soll. Die Alternative ist, die Zahlen selber einzuschlagen. Allerdings soll das selbst mit etwas Übung nur krumm und schief werden. Außerdem muss man dann auch noch die Schlagzahlen kaufen.
Da ich also das Schild eh noch gravieren lassen wollte, habe ich mal beim Schlüsseldienst meines Vertrauens angerufen, ob sie zufällig auch blanko-Typenschilder liegen haben. Haben sie natürlich. Hier das gravierte Schild für Sir Edward:
Reliant Rialto Typenschild deutsch
Wie man sieht, ist es kein doofes Hänger-Schild, sondern ein richtiges KfZ-Schild. Die gravierten Zahlen sehen auch schön gleichmäßig aus und sind anständig zentriert in den Feldern. Und auch der Preis war sehr fair. 5€ für das Schild und 15€ für die Gravur. Echt TOP-Laden!
Ich hab dann gleich mal noch zwei andere blanko Schilder dort gekauft. Eines für den Bug und eines für Tobias AMC Pacer.
Vielleicht schaffe ich es ja doch vor Afrika nochmal mit Sir Edward zum TÜV….

P.S.: Ja, ich weiß, dass auf dem Schild das „Eigengewicht“ fehlt. Ich Töffel hab vergessen es aufzuschreiben, als ich zum Graveur gefahren bin. Wird heute nachgeholt.

Stellungswechsel

Am Oster-Sonntag saß ich mit Tobias bei uns zuhause rum und wir ärgerten uns darüber, dass wir nicht weiter die Wand in unserer Grube wegstemmen konnten (die längst fällige Renovierung (siehe Foto) läuft auf vollen Touren). Dammtes Feiergetage! Nie kann man presslufthämmern/flexen/sägen/schleifen, wenn man will!
Tobias kam dann mit der Idee um die Ecke, Sir Edward doch schon mal aus der Garage zu uns zu holen.
Also haben wir fix as angerufen. Der hatte uns ja angeboten, dass er einen Hänger organisieren könnte.
Eine Stunde später war auch das geklärt und wir packten unsere Klotten zusammen. Gegen 18 Uhr sammelten wir noch Tobias alten Schulfreund Mika ein, welcher uns auch ein wenig begleiten wollte. Einige Zeit später standen wir dann zusammen mit as auf dem Hof des Malerbetriebes von J. Lange, für den er des öfteren arbeitet. Der Meister hatte gesagt, dass wir uns einen seiner Hänger aussuchen dürften. Sie seien aber alle beladen und wir müssten sie deshalbe ent- und nachher wieder beladen. Alles kein Problem.
Wir entschieden uns für dieses Exemplar:
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Der Hänger war randvoll beladen mit 16 m³ Isolations-Styroporplatten. Riesen Okolüten, aber wesentlich besser als 16m³ Gerüstbaumaterial. Wir bauten aus den Quadern einen überdimensionalen Jenga-Turm (eher eine Mauer. Man beachte, dass es vier Reihen hintereinander sind!) und beschwerten sie mit Gerüstteilen, damit sie nicht wegfliegen konnten, während wir unterwegs waren. So sah der riesen Stapel aus, als wir ihn nachts wieder aufgeladen haben:
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Als Auffahrrampen nahmen wir drei Alluminium-Laufstege mit, welche wir vorher zu dritt durch hüpfen auf ihre Belastbarkeit hin getestet hatten.
Nächster Stopp war dann die Tiefgarage in der Sir Edward schlummerte.
as ließ es sich nicht nehmen, mit seinen 2,02m Körpergröße mal eine Sitzprobe in Sir Edward zu machen:
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Reliants sind halt (wie die meisten englischen Fahrzeuge) nur für Menschen bis zum englischen Stockmaß von 1,85m gedacht. Größere Briten gibts einfach nicht. Hier noch ein kleines Video, wie wir aus der Tiefgarage raus fahren:

Beim anschließenden aufladen von Sir Edward merkten wir, dass wir uns alle mit der Länge der Rampen arg verschätzt hatten. Wir hatten nur 1,5m-Planken mitgenommen, welche sich nun als EXTREM steil darstellten. Auf ebenem Untergrund war es schon absehbar, dass Sir Edward da nicht hoch kommen würde. Wir stellten also kurzerhand den Anhänger an den Fuß einer Schräge zu einem höhergelegenen Parkdeck. So erreichten wir, dass die Planken an der Schräge etwas höher auflagen. Leider reichte dies immer noch nicht, so das Sir Edward nach der Hälfte der Rampe aufsetzte. Der Rahmen berührte die Auffahrrampe und die Nebelschlussleuchte sowie der Auspuff schrappten über den Boden. Das führte zu ein paar harmlosen Kratzern am Rahmen und Auspuff, aber leider bekam die Leuchte anständig einen ab. Sie ist nun komplett auf der Rückseite gerissen und auch der Befestigungspunkt an der Karosserie ist gerissen. Naja, ich hab ja extra ein Fiebergals-Auto genommen, weil da die Karosseriearbeiten einfacher sind. Habe ich gleich ne Stelle zum üben… Das Problem wird aber etwas entschärft, da ich die Nebelschlussleuchte ja eh für den TÜV von rechts nach links umsetzen muss. Also keine Reparatur, die pressiert.
Nachdem der Wagen endlich verladen und mit Spanngurten verzurrt war, kehrten wir noch kurz bei Burger King ein um etwas zu essen.
Mittlerweile ging die Uhr stark auf 23:00 zu, als wir bei uns zuhause ankamen:
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Das Osterfeuer im Dorf loderte noch (wahrscheinlich waren wir die einzigen Bewohner, die [wie jedes Jahr] dieses gesellschaftliche Großereigniss nicht zu würdigen wussten) und unsere Arbeit wurde begleitet von den gruseligen lustigen Moderationen aus dem Festzelt und zünftiger Schlagermusik….juhu…
Nun ging das große Gerätsel los, wie wir Sir Edward wieder runter bekommen würden, ohne dass uns die gleiche Scheiße nochmal passiert. Das Ziel stand fest: Der Abstand zwischen Hängerarsch und Teer musste geringer werden. Dazu hatten wir zwei Möglichkeiten: Teer näher an Hängerarsch bringen (wie z.B. bei der Tiefgarage mit mäßigem Erfolg probiert) oder Hängerarsch näher an Teer bringen. Wir entschieden uns nach einigen Überlegungen für die letztere Variante.
Damit nun der Hintern vom Hänger tiefer kam, musste die Deichsel vorne höher kommen. Es dauerte über eine Stunde, bis wir endlich eine Konstruktion hatten, welche die Deichsel so hoch anheben konnte, das wir hinten auf die bereit liegenden Holzklötze runter kamen und ich raus rollen konnte:
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(Ein schöner Größenvergleich, das Foto…) Die etwas gewagte Lösung des Anhebeproblems fand sich in Gestallt unseres Hydraulik-Wagenhebers und dem Stützrad des Hängers:
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Hier im Detail:
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Auch wenn es halsbrecherisch aussieht: Die Konstruktion war recht stabil. Das Rad stand fest in der Mulde des Wagenhebertellers und da der Wagenheber selbst Rollen hat, konnte er auch nicht verkanten und wegrutschen. Trotzdem ist das keine Lösung, die ich jedes mal ergreifen möchte… Zumal ich selbst die ganze Zeit in Sir Edward sitzen musste, um das Bremspedal wie ein Berserker zu drücken. Seine Handbremse hält ja (noch) nichts und die Keile, die wir hinter seine Reifen gelegt hatten, waren ab einem gewissen Winkel auch keine große Hilfe mehr. Eine gute 3/4-Stunde nach dem Abladen zitterten meine Beine auch nicht mehr….
Als Sir Edward dann bei uns sicher vor dem Haus stand, haben wir alles wieder verladen und uns gegen 01:30 Uhr auf den Weg zurück zum Malermeister gemacht. Kurz noch Mika zuhause abgesetzt und dann wieder zu dritt den Hänger mit den Styroporquadern beladen.
Gegen 3 Uhr waren Tobias und ich anschließend wieder zuhause und tod.
Danke as, Mika und Tobias für eure Hilfe und das kleine Abenteuer!

Operation Edward II

Wie schon angedeutet, habe ich endlich meinen Plan einen Reliant Rialto zu kaufen in die Tat umsetzen können.
Ich möchte vorrausschicken, dass die ganze Aktion ohne meinen Vater (welcher seine selbst behauptete „Spontanität einer 18-jährigen“ mehr als bewiesen hat!) nicht möglich gewesen wäre und das ich ihm sehr dankbar bin, dass er mir dieses Abenteuer ermöglicht hat! „Jedes Kind sollte einen Vater haben!“
Doch nun von Anfang an:
Den Auslöser für den spontanen Ausflug setzte am Dienstag diese eBay-Verkaufsanzeige:
Anzeige
Sie versprach einen 1984er Reliant Rialto 2 GLS Estate aus Ersthand und mit original 19.000 Meilen (ca. 30.000 km, also lediglich ca. 1200 Km pro Jahr) auf der Uhr.
Die Photos sahen vielversprechend aus und nach einigem Überlegen waren auch meine Bedenken bezüglich der verbauten „Yellow Top-Engine“ beiseite geschoben.
Der Kontakt mit dem Verkäufer war freundlich und relatv aufschlussreich. Er versicherte mir die Laufleistung und konnte auch auf einige meiner Fragen zu neuralgischen Punkten befriedigende Antworten liefern.
Also stand der Entschluss fest: Dieser wirds!
Da ich aus dem Debakel des letzten Mals gelernt hatte, habe ich diesmal den Feind über meine Absichten im unklaren gelassen bzw. Stillschweigen gewahrt. Lediglich Menschen von denen ich sicher gehen konnte, dass sie keine Engländer kennen wurden von mir eingeweiht.
Den Plan vom letzten Mal, den Wagen auf eigener Achse zu holen, hatte ich mittlerweile ja verworfen und eine Hänger-Lösung bevorzugt (was ich im Nachhinein auch immer noch für die mit Abstand beste Lösung halte). Wir nahmen also für den neuen Anlauf den gleichen Hänger, den wir schon fürs Lolas Rückführung nach Osnabrück verwendet hatten. 70€ fürs zwei Tage inklusive Versicherung sind ok. Der Hängerhökerer war zwar etwas skeptisch, als ich ihn nach einer dritten Auffahrrampe fragte, meinte aber, da ließe sich was organisieren (was auch problemlos klappte). Allerdings haben wir auch dieses mal wieder über die riesigen Ausmaße des Hängers ein wenig geflucht. Für den nächsten Transport suche ich echt einen „passenderen“. Englische Ortschaften sind für solch ein Geschoss einfach nicht gemacht…
Vaddern und ich machten uns dann am Freitag gegen 13 Uhr auf den Weg Richtung Dünkirchen. Schon bald stellten wir allerdings fest das meine prognostizierte Marschgeschwindigkeit viel zu hoch gegriffen war und wir das Ziel nicht mehr erreichen würden, bevor das Transportboot den Hafen verlassen hätte. Dünkirchen….
Ich hatte eigentlich gedacht, dass wir 100 Km in der Stunde schaffen würden. Allerdings kamen wir dank verschiedener Staus lediglich auf 60-70 Km. Das sollte man beim erneuten Anlauf ganz klar berücksichtigen.
Die Fähre um 20 Uhr verpassten wir also, konnten aber problemlos das (leider) schon vorgebuchte Ticket auf die spätere 22-Uhr-Fähre umbuchen. Ich rate ganz klar dazu, das Fährticket erst vor Ort zu kaufen. Man bekommt eigentlich immer einen Platz auf ner Fähre und die Preisersparnis wird durch die Hetze die anvisierte Fähre zu erwischen lässig wieder aufgefressen. Hat man die Wahl, sollte man antizyklisch schiffen fahren. Das Fährticket kostet nämlich zu unterschiedlichen Uhrzeiten unterschiedlich viel. Je nach Auslastung. Wir hatten leider keine Wahl und haben so für die Hin- und Rückfahrt jeweils 90 Pfund bezahlt.
Direkt nach betreten der Fähre steuerte ich den Duty-Free-Shop an, um „Abblendaufkleber“ zu kaufen:
Reliant Rialto Abenteuer 006
Die Teile pappt man nach der kryptischsten Anleitung die ich jemals gesehen habe, auf die Frontscheinwerfer um den Gegenverkehr mit dem asymmetrischen Lichtaustritt nicht zu blenden. So soll das (hoffentlich) montiert aussehen:
Reliant Rialto Abenteuer 073
Die Teile musste ich übrigens nachher mit einer Rasierklinge wieder abschälen, weil sie so verdammt fest saßen. Bastarde! Auf dem Schiff versuchten wir etwas zu schlafen.
Um 1 Uhr nachts in England angekommen, war es unser erstes Ziel eine Tankstelle zu finden. Die Tankanzeige illuminierte den Innenraum schon seit einiger Zeit mit einem diabolischen rot. Zum Glück fanden wir eine ausgesprochen nette (und überraschend attraktive) junge Dame, die sich unserer annahm und sogar nicht zögerte ihre Freundin anzurufen, um zu erfragen, wo die nächste 24h-Tanke ist. Zu diesem Zeitpunkt war es ca. 1:30 Uhr.
Vollgetankt und noch verhältnismäßig frisch begaben wir uns dann auf die verweiste M20 Richtung London. Wir zogen unsere einsame Bahn durch die südenglische Hügellandschaft, welche in tiefschwarze Nacht gehüllt war und genossen die Ruhe die uns umgab.
Der Plan war ursprünglich, an einer Autobahn ein Motel zu finden und dort zu schlafen. Wir fühlten uns aber noch recht fit und wollten lieber erstmal den Schutz der Nacht nutzen, um ungehindert auf Bristol vorzurücken. Gegen 3 Uhr waren wir auf 80 Km an unser Ziel Warmley heran gekommen und beschlossen eine Unterkunft zu suchen. Leider war das von uns angesteuerte Motel schon voll belegt. Wir hatten also die Wahl: Entweder weiter durch die Nacht fahren auf der Suche nach einem Bett oder einen Parkplatz ansteuern und dort schlafen. Wir entschlossen uns kurzerhand für die Parkplatz-Lösung:
Reliant Rialto Abenteuer 079
An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Engländer anscheinend keine Autobahnparkplätze kennen wie wir. Es gibt dort nur Raststätten, welche Videoüberwacht sind. Dort wird beim einfahren das Nummernschild gefilmt. Fährt man wieder runter, wird das Nummernschild wieder gefilmt und es wird automatisch geguckt, wie lange man dort stand. Sind es mehr als 2 Stunden wird eine Parkgebühr von 10 Pfund (Plus Strafzahlung von 40 Pfund) fällig. Das führte dazu, dass wir uns zweimal den Wecker stellen mussten, um den Parkplatz zu wechseln. Beim nächsten Mal werden wir einfach abfahren und uns irgendwo an einer Landstraße hinstellen.
Nicht wirklich ausgeschlafen erwachten wir gegen 7 Uhr und konnten zum ersten mal England bei Tageslicht bewundern. Es muss gesagt werden, dass wir wohl einen der schönsten Tage des bisherigen Jahres erwischt hatten. Zarter Frühnebel waberte durch die malerischen Wiesen und Eichenhaine:
Reliant Rialto Abenteuer 009
Ihn löste alsbald blauer Himmel mit strahlendem Sonnenschein ab. Die Engländer witterten den Sommer und alle Naselang lief jemand in T-Shirt und/oder kurzen Hosen durch die Gegend….bei 13°C. Gegen 8 Uhr erreichten wir Warmley und hatten somit noch zwei Stunden Zeit, bis zum verabredeten Besichtigungstermin. Wir verbrachten sie damit durch den verschlafenen Ort zu wandern und einen Pub zu suchen, welcher uns Frühstück verkaufen wollte. Dabei stießen wir auf dieses Schild, welches von typisch englischem Humor zeugte:
Reliant Rialto Abenteuer 081
Leider hatte aber noch kein Pub auf und so mussten wir auf einen Tesco-Supermarkt zurückgreifen. Da ich die Losung ausgegeben hatte, sich möglichst landestypisch zu verhalten, kauften wir dort fertig abgepackte Sandwiches:
Reliant Rialto Abenteuer 013
Über den Geschmack und wie lange sie vor hielten muss ich wohl nix sagen, oder? Da wir dann noch immer Zeit hatten, fotografierten wir noch die Kirche von Warmley, welche stilistisch den ganzen Ort mit seiner Architektur symbolisierte:
Reliant Rialto Abenteuer 011
Gegen 10 Uhr fuhren wir dann zum Privathaus des Verkäufers. In England darf man Häuser offiziell Namen geben und damit dann seine Hausnummer ersetzen. Sein Haus heißt „Sunnybank“ und liegt auf einem Hügel. Ein stattliches Anwesen mit mehreren Garagen und Teerumfahrung um einen Goldfischteich. Im Garten standen palmartige Pflanzen, welche wohl durch das milde Golfstrom-Klima dort gedeihen.
Sehr schick.
Das soll für heute erstmal reichen. Um den Kauf selbst und die Rückfahrt geht es dann im nächsten Teil meines Reiseberichts.