Schlagwort-Archiv: Die Rote Lola (Simson Duo 4/1)

Der Prinzessin neue Schuhe V

Nachdem ich dann den Plan gezeichnet hatte, hab ich mir eine Vorrichtung gebaut, um den (ungefähren) Rundlauf der alten Räder zu überprüfen. Ich wollte sowohl den Höhen- und Seitenschlag des Felgenhorns checken, als auch den Rundlauf der Trommeln überprüfen.
Ich nahm mir dazu einen langen Achsbolzen aus meinem Fundus, ein paar alte Kugellager und etwas Lochband:
Räder neu einspeichen 028
In das Lochband bohrte ich ein Loch durch das die Achse passte. Solltet ihr meine Konstruktion nachbauen wollen, sei an dieser Stelle angemerkt, dass ihr zum Bohren das Lochband auf einem Stück Holz fixieren solltet. Ansonsten reißt euch der Metallbohrer das Dingen aus der Hand und wickelt ne hübsche Spirale draus. Also zum bohren schön fest machen! Quasi so:
Räder neu einspeichen 019
In einen Holzklotz wurde ein für die Achse passendes Loch gebohrt und dieser dann samt Achse in den Schraubstock eingespannt. Darauf wurden dann eine kleine Unterlegscheibe und ein Kugellager gesteckt. Die Unterlegscheibe ist so gewählt, das nur der innere Ring des Kugellagers auf ihr aufliegt und der Rest des Lagers frei schwebt:
Räder neu einspeichen 017
Nun wird das Rad auf die Achse gesteckt:
Räder neu einspeichen 012
Der Bereich der Trommel durch den die Achse führt ist so breit, dass er nur auf dem äußeren Rand des Kugellagers aufliegt (Zur Not mit Unterlegscheiben nachhelfen). Dadurch kann sich das Rad auf dem Lager frei drehen und wird nicht (wesentlich weniger) durch Reibung abgebremst:
Räder neu einspeichen 014
Auf der Oberseite der Konstruktion habe ich wieder ein altes Kugellager mit Unterlegscheiben aufgelegt. Darauf kam dann das Lochband. In das Lochband habe ich zwei Schrauben eingesteckt und mit Muttern gekontert. Dann wurde das ganze so gebogen, dass die Schrauben hauchdünnen Abstand zur Trommel bzw. zum Felgenhorn hatten:
Räder neu einspeichen 035
Es ist wichtig, dass das Lochband stabil genug ist, dass es nicht unter dem Gewicht der Schrauben verbiegt oder zu leicht selbst zu schwingen beginnt.
Dreht man nun am so eingespannten Rad bleiben die Schrauben als Fixpunkt bestehen und man kann mit bloßem Auge den relativen Versatz der Bauteile erkennen.
Einmal am Felgenhorn:
Räder neu einspeichen 037
Und einmal an der Trommel:
Räder neu einspeichen 024
Will man das ganze auch noch messen, muss man das Rad an der „höchsten“ Stelle anhalten, mit der Schieblehre Zwischen Schraube und Bauteil maßnehmen und dann zur „tiefsten“ Stelle weiterdrehen. Dort das gleiche Spiel nochmal und dann ein wenig rechnen.
Mir reichte mein ungenaues Augenmaß um eine eierige Trommel und ein wellenförmiges Felgenhorn (Man stelle sich eine winkende Menschenmasse vor) auszusortieren. Das Horn überschritt die tolerierbaren 5mm Höhen- und Seitenschlag ganz wesentlich.

Nachdem das Material nun gesichtet war, konnte es ans ausspeichen, schleifen und polieren gehen…

Der Prinzessin neue Schuhe IV

Nachdem ich nun die Räder gegen die Transportrollen getauscht hatte, konnte es ans ausspeichen, schleifen und polieren der alten Felgen gehen.
Um mir aber nachher das Neu-einspeichen zu erleichtern, habe ich vorher mit Buntstiften einen Plan von den alten Speichen gezeichnet. Einfach drei DIN-A4-Zettel aneinander geklebt, ein Rad mittig drauf gelegt, die Trommel und das Felgenhorn umzeichnet und dann abwechselnd mit drei Farben die Speichen nachgemalt:
Rad neu einspeichen -Plan- 4
An der Trommel nebeneinander liegende Speichen bekamen immer die selbe Farbe:
Rad neu einspeichen -Plan- 1
Der fertige Plan sah dann so aus:
Rad neu einspeichen -Plan- 5
So weiß man nachher von wo nach wo, welche Speiche geht.

Ich empfehle euch aber dringendst, ein Rad komplett zu lassen, bis ihr ein anderes komplett fertig habt! So habt ihr immer ein Anschauungsobjekt, sei es fürs einpressen der Radlager oder die Frage welche Speiche nun über oder unter welcher anderen her läuft.

Der Prinzessin neue Schuhe III

Nachdem nun die Transportrollen für Lola fertig waren, konnte ich daran gehen, ihr die Speichenräder zu mopsen. Vorsichtshalber hatte ich Stecheisen, Bohrer und Akkuschrauber mit nach Osnabrück genommen, um noch letzte Justierungen an den bisher nur in der Theorie funktionierenden Rollen vornehmen zu können. Säge, Hammer und anderes Werkzeug hatte ich eh schon da. Aber meine Sorge war unbegründet. Alle drei Transportrollen ließen sich problemlos montieren.
Als erstes kam das Vorderrad dran:
Lola tiefergelegt 002
Später stellte sich, wie schon angesprochen, heraus, dass der Druck der beiden Bolzen links und rechts nicht ausreichte, um den Klotz am drehen zu hindern. Als ich Lola über die kleine Kante am Eingang der Garage rollen wollte, klappte das Vorderrad einfach nach hinten um und Lola lag auf der „Vorderseite“ des Klotzes. Zum Glück war der Klotz dick genug, so das ansonsten nichts den Boden berührte. Mittlerweile hindern zwei Nägel im Klotz ober und unterhalb der Schwinge selbigen am wegdrehen. Sollte ich die Klötze nochmal verwenden, würde ich vorne auch die Drehmomentabstützung der Bremstrommel mit einbeziehen. Ein dicker Zimmermannsnagel im Klotz, welcher in die Aussparung an der Schwinge greift, dürfte genügen.
Hinten rechts war die einfachste Umbaustelle:
Lola tiefergelegt 003
Um zu vermeiden, dass Lola mir von der doch sehr kleinen Auflage des blöden Wagenhebers fällt, habe ich sie auf Backsteine gesetzt. Selbige lagen unter den Blumenkübeln der Nachbarschaft. Ich hab sie auch nachher ganz artig wieder zurück gebracht. Besonders auf der Fahrerseite war einiges rütteln angesagt, bis das Rad raus war. Da gehe ich doch lieber auf Nummer Sicher:
Lola tiefergelegt 007
Ein wenig Sorge, ob dort die Transportrolle passen würde und ob meine Überlegungen den Mitnehmer betreffend richtig gewesen sind, hatte ich ja schon. Aber auch hier klappte alles wie am Schnürchen. Es war sogar wesentlich mehr Platz zum Mitnehmer hin, als ich gedacht habe:
Lola tiefergelegt 009
So habe ich dann die tiefergelegte Lola zurück in ihr Winterlager geschoben:
Lola tiefergelegt 012
Nun konnte es endlich ans ausspeichen, schleifen, polieren und lackieren der alten Felgen gehen…

Der Prinzessin neue Schuhe II

Damit ich die neu bestellten Speichen einbauen konnte, musste ich erstmal Lola ihrer Räder berauben. Allerdings wollte ich sie nicht einfach auf Klötze stellen. Sie steht ja immerhin in der Garage meines Gönners und wer weiß, vielleicht will der ja in den Weihnachtsferien an seine Gartengeräte, welche hinter Lola lagern…
Also musste ich ihr übergangsweise ein paar Transportrollen unterschnallen.
Die Idee war, ein paar Rollen, welche wir noch im Keller hatten, an dicke Klötze zu schrauben und anständige Bolzen anstelle der Achsen einzuschrauben.
Erleichtert wurde das ausprobieren dieser Idee dadurch, dass ich bei meinem Vater noch die Reste aus dem gekauften Blechkonvolut eingelagert habe. Dabei waren sowohl eine hintere als auch eine vordere Schwinge, an der ich die verschiedenen Montagepunkte austesten konnte. Für vorne sah die Konstruktion dann folgendermaßen aus:
Lola tiefergelegt -Vorarbeiten- 001
Die Rolle kam einfach mit Unterlegscheiben und Spax-Schrauben auf den Klotz.
Lola tiefergelegt -Vorarbeiten- 004
Damit der Bolzen auch schön gleichmäßig anliegt und mir beim Festschrauben nicht den Lack der Schwinge zerkratzt kam noch eine Unterlegscheibe und ein gelochter Gummischnipsel (Mal wieder mein geliebter LKW-Schlauch) hinzu.
Lola tiefergelegt -Vorarbeiten- 006
Wir dachten, dass der Druck der beiden Bolzen links und rechts ausreichen würde, damit sich der Klotz nicht beim schieben um die eigene Achse drehen würde. Dem war aber leider nicht so. Mittlerweile hindert ein Nagel im Klotz über und unter der Schwinge selbigen am verdrehen. Beim nächsten Mal würde ich das eleganter lösen.

In die Schwinge auf der Beifahrerseite haben wir einfach quer einen Klotz mit Rolle eingesetzt. Die Sicherung gegen das Verdrehen übernimmt auf dieser Seite ein zweiter Bolzen im Langloch. Aufgrund der Länge der Rollenbasis war es notwendig den Klotz links und rechts etwas auszusparen, damit die Aufnahmen für die Stoßdämpfer Platz fanden.
Lola tiefergelegt -Vorarbeiten- 013

Für die Antriebsseite habe ich mir überlegt, dass ich den Mitnehmer samt Ritzel und Kette gerne sitzen lassen würde. Daher war hier eine andere Lösung als rechts erforderlich. Wir haben einfach einen halben Balken mit einer Aussparung für die linke Stoßdämpferaufnahme und einem Loch für den Pin der Drehmomentstütze versehen.
Lola tiefergelegt -Vorarbeiten- 014
Der in das Holz greifende Pin sichert den Klotz zusätzlich am verdrehen.
Lola tiefergelegt -Vorarbeiten- 016
Die beiden Bolzen im Langloch sollen die Last des Duos auf dieser Seite aufnehmen und gleichzeitig auch noch gegen ein Verdrehen beim schieben sichern.
Lola tiefergelegt -Vorarbeiten- 021
Da wir zuhause in der Werkstatt nicht feststellen konnten, wie weit der Mitnehmer in die Schwinge „hinein ragt“ haben wir die Rolle nach links außen (da wo normalerweise der Auspuff sitzt) raus stehen lassen.
Lola tiefergelegt -Vorarbeiten- 022
Damit war das Transportgestell soweit fertig. Im nächsten Artikel berichte ich dann darüber, ob unsere Überlegungen wirklich alle richtig waren und ich Lola mit den Transportrollen so einfach wie gedacht tiefer legen konnte.

Der Prinzessin neue Schuhe I

Ich hab vor einiger Zeit beschlossen, Lolas Räder neu einzuspeichen. Die alten Chromspeichen dürften noch die Ersten sein und bestehen mittlerweile mehr aus Rost als aus Chrom/Stahl. Erst hatte ich überlegt, die Räder dafür wegzugeben, da ich mir nicht sicher war, ob diese Arbeit meine Fähigkeiten nicht doch übersteigt.
Allerdings machten mir einige Einträge über erfolgreiche Selbstversuche im Schwalbennest Mut, es selbst zu probieren. Wenn die Räder nachher nicht rund sind, kann ich sie ja immer noch weggeben.
Also habe ich mich erstmal schlau gelesen und eine Liste erstellt.
Zum schlaulesen kann ich diesen und ganz besonders diesen Thread empfehlen. Ich entschied mich für Edelstahlspeichen 143,5 mm M3,5 + passende Nippel im Set.
Da ich ja schon mal bei den Rädern war, beschloss ich, bei dieser Gelegenheit auch gleich die Radlager mit zu erneuern. Solltet ihr das auch in Betracht ziehen, achtet erstens darauf Markenlager zu kaufen und zweitens welche mit dem Zusatz „2RS“ oder „2Z“ zu nehmen. Das sind dann „abgedichtete“ bzw. „geschützte“ Lager, mit einer lebenslangen Fettschmierung. Die sind dann für die nächsten 20 Jahre wartungsfrei.
So sah dann die Lieferung aus:
Edelstahlspeichen, Nippel,Radlager
Ich habe lediglich „geschützte“ Lager bekommen. „Abgedichtete“ Markenlager habe ich partout nicht im Set gefunden. So sahen meine Lager im Detail aus:
Radlager neu Detail
Nachdem meine Bestellung angekommen war, musste ich Lola in ihrem Winterschlaf stören und ihr ihre Räder mopsen. Doch dazu mehr im nächsten Artikel.