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Ein Trauermarsch durch die Elektrik

Derjenige, der den Engländern damals das Konzept der Elektrizität erklärt hat, muss dieses Volk wirklich gehasst haben….
Anders kann ich mir dieses Grauen, welches ich im Bond Bug immer wieder vorfinde nicht erklären! Mir stehen jetzt noch die Haare zu Berge.
Kein Wunder, dass die reihenweise abfackeln. Auch der Bug wäre (hätte ich es nicht entdeckt) früher oder später in Rauch aufgegangen… Aber dazu später mehr.
Auf dem Plan standen dieses Wochenende die verbliebenen Arbeiten an der Elektrik. Wobei sich das „Wochenende“ leider nur auf Samstag beschränkte. Am Freitag bedurfte der Astra der Besten von Allen ein wenig uninteressantem Service und der Sonntag war für Betrug, falscher Verdächtigung und damit einhergehender Beleidigung reserviert (BTW.: Witzige Masche, im Supermarkt anderen Menschen Zigarettenschachteln in die Jackentasche zu mogeln, um sie hinter der Kasse als vermeintliche Diebe zu stellen und die Fangprämie zu kassieren…)
Doch back to Topic:
Zum Einen stand ja noch die Verkabelung der Warnblinkanlage auf dem Plan und zum Anderen der Einbau einer Relais-Schaltung für die Scheinwerfer.
Erster Schritt war hierzu, ein schön großes Zugangsloch ins Armaturenbrett zu sägen.
Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass mir das nicht Bauchschmerzen bereitet hat. Jungfräuliches GFK zersägen und original und so… Im Nachhinein betrachtet, war es allerdings der richtige Schritt.
Als erstes habe ich mit einem trocken abwischbaren Stift (Top Empfehlung für die Werkstatt!) den Ausschnitt angezeichnet:
Bond Bug Armaturenbrett ausgesägt 19
In den vier Ecken seht ihr die „Dübel“, in denen das Deckblech später angeschraubt wird. Das über diese hinausgehende Blech deckt die Öffnung also nachher großflächig ab und es bleibt auch noch ein ausreichender Steg als Auflagefläche.
Danach habe ich den Bereich rings um das spätere Loch mit Klebeband abgeklebt. Das Klebeband verhindert unschöne Kratzer im Lack, sollte man abrutschen.
Bei solch heiklen Aufgaben vertraue ich immer gerne auf Handarbeit, auch wenn sie drei mal so lange dauert. Daher war wieder ein Eisensägeblatt im schlanken Handgriff, Werkzeug meiner Wahl:
Bond Bug Armaturenbrett ausgesägt 20
Das ging überraschend gut und schnell.:
Bond Bug Armaturenbrett ausgesägt 22
Vergesst nicht vor Beginn der Sägerei das Zündschloss ab zu kleben. Da Glasfaserbrösel drin zu haben ist unnötig. Außerdem solltet ihr das Blatt so in den Griff einspannen, dass es beim „drücken“ sägt und nicht beim „ziehen“. So verhindert ihr, dass der Lack rings um den Sägeschnitt ab platzt.
Als ich das Loch gesägt und ausgesaugt hatte, hab ich mir natürlich erstmal die ganze Kabelage näher angeguckt.
Erstes Opfer meiner skeptischen Blicke war dieses schon verschmorte Stück Klebeband:
Bond Bug Kabelsalat 11
Da drin verbarg sich eine versiffte 30 Ampere-Sicherung:
Bond Bug Kabelsalat 12
Um nun zu testen, wozu die Sicherung dient und mit welchem Schalter sie zusammen hängt, habe ich für ca. 1,5 Minuten die Zündung eingeschaltet. Der Geruch nach verschmortem Plastik ließ mich allerdings schnell wieder den Saft abdrehen! Die bekackten Quetschverbinder waren kochend heiß. Sie waren so lose auf den Kabeln, dass sie sich unter ungünstigen Bedingungen berührten und einen Kurzschluss produzierten… ich fühlte mich spontan an Ole Blue erinnert.
An dieser Stelle weise ich nochmal darauf hin, wie gefährlich diese billigen Quetschverbinder sind! Man weiß nie, wie die Crimpverbindung da drunter aussieht! Macht es anständig und crimpt „nackte“ Steckschuhe mit separater Tülle. Da seht ihr sofort, ob eure Verbindung was geworden ist, oder nicht.
Von diesem Schreck ein wenig erholt, habe ich erstmal nach weiterem Pfusch gesucht. Dabei bin ich über dieses unbekannte Kabel gestolpert, welches lose hinter dem Zündschloss lag:
Bond Bug Kabelsalat 16
Da muss ich nochmal tiefere Nachforschungen betreiben, wozu es dienen könnte.
Außerdem scheinen die Experten die Leitung des Heizungsgebläses als Einspeisung für die Zündspule missbraucht zu haben und dort einfach nonchalant mit ner Lüsterklemme und Lautsprecherkabel einen neuen Schalter zwischen gefummelt zu haben:
Bond Bug Kabelsalat 15
Wie gesagt: Ich kann es mir nur mit Hass und der Hoffnung auf Selbstgenozidierung durch elektrische Schläge erklären….

Eine unter 500

Nach Björns Frage, habe ich mich mal ein wenig eingehender mit den Felgen von Sir Edward als auch den Felgen des Bugs beschäftigt.
Einzige Information die ich bisher hatte, war, dass die Felgen wohl auch am Mini verbaut wurden.
Zum Glück kam Sir Edward ja mit dem unbenutzten original Ersatzrad. Da kann man die Beschriftung noch 1A erkennen:
Reliant Rialto Felgen 1
Leider überdeckt der Blitz die Größenangabe. Sie lautet „3.5Bx10x24“. Die Felgen sind also 3,5 Zoll breit, haben die Bördelung „B“ am Felgenhorn, einen Durchmesser von 10 Zoll und eine positive Einpresstiefe von 24mm.
Außerdem findet sich auf der Felge noch die Nummer „21A2744“. Geht man dieser Nummer nach, landet man ziemlich schnell beim Mini Wheel Dictonary.
Eine sehr informative Seite (auch zu Grundlegendem was Felgen betrifft!) mit über 500 verschiedenen Mini-Felgen. Begibt man sich dort in die 10″-Kategorie findet man die 21A2744 als dritte Felge von oben. Ein wenig weitere Recherche liefert dann verschiedene Hersteller für diese Felgen mit zum Teil eigenen Bezeichnungen. So wurde sie zum Beispiel als Lemmerz T384, Ruberg Owen 21A2744 oder Dunlop LP 1161 hergestellt. Die Erstausrüster-Felge scheint von Dunlop zu sein. Zumindest interpretiere ich das geprägte Logo rechts so.
Sollte eigentlich nicht so schwer sein, da an neuwertigen Ersatz zu kommen, wenn mir die alten Felgen doch zu arg eiern.

Auch die passenden Radkappen glaube ich gefunden zu haben. Die 20. von oben, „Trim 9“. Die sieht Sir Edwards ziemlich ähnlich:
Reliant Rialto Motorlagergummis 003
Mir fehlt leider eine seit unserem Trip nach England. Leider steht in der Liste kein Name oder Hersteller. Nur „Aftermarket item“. Das reduziert meine Chancen auf Ersatz. Im R3W-Forum hat die auch niemand. Die wurden bisher einfach immer weggeschmissen.

Auch die Felgen vom Bond Bug finden sich im Mini Wheel Dictonary.
Bond Bug Geschenk 057 klein
Vorne hat er die gleichen Felge wie der Rialto. Hinten hat er Dunlop D1/LP922 5Bx10. Bei der Einpresstiefe bin ich mir nicht sicher glaube aber sie beträgt +17mm. Die Dunlop D1 wurden mittlerweile von verschiedenen Herstellern (in unterschiedlicher Qualität!) nachgefertigt. Es gibt sie unter der Bezeichnung Tasman MkI, Exacton (minimal anderes Design), Tasman MkII (dito) oder Midlandwheels D1. Die Midlandwheels kommen dem Original am nächsten und kosten als 4er-Satz 425 Dollar…. *aua*

Generell gibt es also reichlich Auswahl an passenden Felgen für die Reliants. Allerdings müssen einige Besonderheiten beachtet werden!

Minis, Metros und Reliants haben einen Lochkreis von 4×4″, bzw. 4×101,6mm!

Auch wenn dies nur 0,8mm Unterschied im Radius sind, so ist dringendst davon abzuraten, Felgen mit Lochkreis 4×100 zu verwenden! Die eh schwach dimensionierten Radbolzen werden sonst verspannt, erheblich stärker belastet und können brechen! Bei eh nur drei Rädern ein sehr unschönes Ergebnis!
Auch müsst ihr mit breiteren Felgen bei Rialtos und Robins aufpassen.
Beim Rialto ist schon mit den original Felgen recht wenig Luft zwischen Blattfeder und Rad. Nimmt man dann breitere Räder, schleifen die unter Umständen an den Federn. Außerdem benötigt man für Alufelgen auch andere Radmuttern. Die haben dann einen anderen Konus am Rand.

Welche Reifen auf welche Felgen passen, kann man ganz gut hier ersehen. Da sind auch die verbliebenen Hersteller von 10″-Schubkarrenreifen aufgelistet.

Inkontinente Verzögerung II

Leider hatte ich am Wochenende nur ganz kurz Zeit für den Bug.
Sie reichte lediglich dazu, ihn seines hinteren rechten Rades zu berauben:
Bond Bug Hinterrad Bremse rechts 60
um
auch dort mal nach den Bremszylindern zu schauen.
Ihr seht an dem Tropfen auf dem Boden, das auch dieser seine beste Zeit hinter sich hat:
Bond Bug Hinterrad Bremse rechts 61
Wenn die Bremsflüssigkeit schon hinter der Staubkappe lauert, dauert es nicht lange, bis sie auch dort vorbei krabbelt.
Die Teileliste für eine Bestellung in England wird länger und länger….
In der Zwischenzeit bekommt der Bug auch ein pulverbeschichtetes Vorderrad und zwei neue Reifen. Wenn ich das nämlich richtig sah, dann sind die entweder von 1989 oder von 1999….beides wenig berauschend. Einen Neueen gabs ja schon. Bei nur drei Rädern zählt jedes 😉

Worte sind überflüssig

Für Schnellentschlossene hat der eBay-Verkäufer henschel040 zwei vermeintliche Leckerbissen im Angebot.
Für 6.000 Tacken gibts einen Bond Bug 700ES:

Und für 2500 Doppelmark gibts einen Reliant Rialto SE Linkslenker:

Da das geschriebene Wort anscheinend in der Welt des Verkäufers keine Bedeutung hat, lässt sich der Beschreibung zum Rialto nur entnehmen, dass er „guter Zustand Tüf fertig“ ist….
Die Beschreibung für den Bug ist ähnlich ausführlich.
Auch aussagekräftige Fotos werden überbewertet.
Schade.
Dementsprechend gibt es auch noch keine Gebote auf die Geräte. Ich prophezeie, dass da auch keine mehr kommen.
Könnte also ne Gelegenheit für aussichtsreiche Nachverhandlungen jenseits von eBay sein.
Für den geforderten Preis müssen beide Wagen übrigens in TOP-Zustand sein!

Kafkas Verwandlung – Vom Käfer zum Sprinter

Im R3W-Forum dokumentieren die „Bug Builder“-Brüder gerade ihren Versuch, einen Reliant Prototyp nach zu bauen.
In den 90ern überlegte sich Reliant, den Bond Bug neu aufzulegen. Es entstand damals ein Prototyp namens „RFW 9“ mit vier Rädern auf einem Chassis des Reliant Kitten/Fox:
Reliant RFW 9 prototype
Und einen Prototyp namens „Sprint“ mit drei Rädern auf dem Chassis eines Rialto/Robin.
Aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten kam es aber nie zu einer serienmäßigen Realisierung.
Wenn ich recht informiert bin, ist der Verbleib des dreirädrigen Prototypen heute unbekannt.
Es gibt dementsprechend auch keine Bilder von seinem genauen Aussehen. Einen Bildbeweis gibt es nur in Form der Dokumentation „Trouble at the Top“ von 1996, wo er kurz von vorne zu sehen ist und diesem, wohl früheren, Foto:

Die „Bug Builder“-Brüder sind im R3W-Forum dadurch bekannt geworden, dass sie schon einen sehr detailgetreuen Nachbau des RFW 9 auf die Räder gestellt haben. Ihr neues Projekt ist jetzt ein Sprint-Nachbau.
Ausgangsbasis ist dieses Bond Bug Wrack:

Das Chassis des Bugs war total verrottet:

Die Karosserie war in diesem Fall wirklich „selbsttragend“.
Vom Design her orientieren die Jungs sich an den „Update“-Entwürfen von Tom Karen, der bei Ogle Design damals auch mit der Neuauflage betraut war:

Die runden Scheinwerfer hat der Bug auch (abweichend vom Foto oben) in der Dokumentation. Das scheint also die „richtigere“ Version zu sein:

Ich finde es etwas zu „froschig“, aber wenn man sich schon am Original orientiert, dann auch richtig.
Als nächstes war das Heck dran. Mangels anderslautender Infos orientieren sich die Brüder dabei an dem obigen Foto.
Also erstmal großzügig raussäbeln:

Als Basis für ihre Formgebung verwenden sie Karnickeldraht, welcher mit nasser Pappe abgedeckt wird. Da drauf kommt dann mit alten Zeitungsschnipseln vermischter Gips, welcher anschließend mit Feingips überzogen und in die richtige Form geschliffen wird. Abschließend wird dann noch eine Schicht Füller aufgesprüht um eventuelle Unebenheiten lokalisieren und beseitigen zu können. Das alles gibt dann solch wirklich fantastische Ergebnisse:

Von dieser Form wird dann ein Negativ genommen, indem einfach drei Schichten Glasfaser drauf kommen. Sobald die trocken sind, haben sie mit einem Gummihammer von hinten die Gipsform zertrümmert und das Negativ abgenommen. Das Negativ haben sie anschließend auf der Innenseite mit Paketklebeband ausgeklebt und dann mit Glasfaser wieder ein Positiv von der Form genommen. Das Klebeband fungiert dabei als Trennschicht und soll ganz gut funktionieren.
Das so erhaltene Positiv haben sie an die umgedrehte Karosserie laminiert:

Eine wirklich beeindruckende Leistung, die die Jungs da erbringen!
Vom handwerklichen Standpunkt aus gesehen, wirklich vorbildlich.
Ich bin gespannt, wie sie die Türen lösen. Es geht das Gerücht um, dass der Prototyp Flügeltür-Fenster aus getöntem Plexiglas hatte.