Nachdem die Elektrik und der Innenraum nun erstmal wieder beisammen waren, gings direkt an die nächste Baustelle:
Die Kupplung
Der Bug hat mir seine lange Standzeit anscheinend nachhaltig übel genommen. Das Kupplungspedal hatte keinerlei Widerstand und schlackerte lose hin und her. Da war wohl (mindestens) der Kupplungsgeberzylinder fest. Kacke.
Ich hab es erstmal mit entlüften am Kupplungsnehmerzylinder versucht (man hofft immer auf Wunder):

Da kamen aber nur knapp 50 ml Bremsflüssigkeit raus:

Danach suckelte der MITYVAC Bremsenentlüfter da nix mehr raus.
Also alles auseinander reißen.
Los gings mit dem Nehmerzylinder. Da die Hydraulikleitung am Zylinder kein Drehelement hat, muss man den ganzen Zylinder ausbauen und diesen dann abdrehen:

Das ist aber dank WD40 recht easy. Wesentlich grauenhafter war es den Zylinder im Innenraum auszubauen. Die Bolzen, welche die Zylinder (Bremse und Kupplung) halten, sitzen so beschissen, das da kein ran kommen ist. Die Muttern auf der Vorderseite sind übrigens aufgeschweißt. Später gibts noch Detailbilder, wo die Misere besser zu erkennen ist.
Es bleibt einem nichts anderes übrig, als den ganzen Pedalbock auszubauen.
Also erst Pedale los:

Dann die Verschraubungen, welche den Bock an der Karosserie halten:

Danach kann man den Bock so anheben, dass man mit einem möglichst kurzen 13er Schlüssel von unten den Bolzen auf der Rückseite los schrauben kann:

Man hat zwar kaum Platz zum schrauben und kommt dementsprechend langsam voran, aber irgendwann ist auch dieser Bolzen los und man kann den Bock samt Kupplungszylinder raus nehmen:

Hier seht ihr die blöden Bolzen:

Der obere Bolzen wird lässig von der Falz des Blechs verdeckt. Da kommt man mit einem gekröpften Ringschlüssel noch einigermaßen ran. Aber an den unteren ist kein Rankommen. Nach oben verdeckt ihn der Korpus des Zylinders, nach unten der Wagenboden und auch links und rechts ist nur ein Finger breit Platz.
Da ist großes Optimierungspotential.
Unsere erste Überlegung war, die Muttern auf der Vorderseite aus zu bohren und in den Zylinderkorpus Gewinde zu schneiden:

Das wäre sauber und effektiv.
Allerdings darf dann auch nix schief gehen (im wahrsten Sinne des Wortes). Daher wollen wir erstmal eine andere Lösung probieren. Wir haben noch einen Sack voll Regalschrauben (zum verbinden von Lagerregalen). Da sind spezielle Muttern bei die quasi so aussehen:

Nur das ihr Gewinde dezentral sitzt (Sorry, hab gerade kein original Bild zur Hand und Google liefert bei der Suche nach „exzentrische Mutter“ nur Dinge, die ich nicht sehen will…). Setzt man diese Muttern auf dem Bolzen an, drehen sie sich mit, bis der exzentrische Teil irgend wo gegen läuft und sich dort abstützt. Danach zieht man sie einfach fest. Genauso werden wir es auch machen. Auf die Rückseite kommt solch eine Mutter. Die kann man mit einer gewinkelten Zanke oder spitzen Fingern vor das Loch halten, bis der Bolzen von der Vorderseite aus packt. Dann dreht sich die Mutter mit, bis sie am Zylinderkorpus an stößt und sich in der Folge selbst fest zieht. Los gehts dann genauso.
Das sollte eine (De-)Montage in Zukunft wesentlich vereinfachen.
Schlagwort-Archiv: Bond Bug
Ein Trauermarsch durch die Elektrik III,5
Ich hab noch einen schnellen Nachtrag zu Dokumentationszwecken:
Der Schalter fürs Abblendlicht hat folgende Belegung:
Klemme 7 = braun-blau = 12V-Plus
Klemme 4 = rot-grün = Standlicht
Klemme 8 = blau = Abblendlicht/Fernlicht
Der Blinkerschalter hat folgende Belegung:
Klemme 7 = grün-lila = 12V-Plus
Klemme 8 = grün-rot = links
Klemme 2 = grün-weiß = rechts
Wurzelholz is was für P(r)olos
Nachdem die Elektrik nun endlich abgefrühstückt war, habe ich mich mal daran gemacht, eine Schablone für das neue Bedienpanel im Innenraum zu basteln.
Da fehlten ja noch zwei Löcher für den Schalter der Warnblinkanlage und ihrer Kontrollleuchte.
Erste frohe Erkenntnis war, dass die original Löcher ziemlich genau verschiedenen Cent-Münzen entsprechen:

Das Loch des Zündschlosses entspricht der 10-Cent-Münze die anderen Bedienelemente brauchen ein 1-Cent-Loch.
Das ergab dann schon mal gute Schablonen zum experimentieren:

Allerdings nützt es nichts, nur die Schalter auf der Vorderseite schön gleichmäßig an zu ordnen, da die „Körper“ der Schalter unterschiedlich groß sind und dann unter Umständen aneinander stoßen würden.
Also hab ich auch diese gemessen und orangene Papierschablonen dafür gebastelt, so dass ich auch mit deren Anordnung experimentieren konnte. Es folgten wüste Berechnungen und eine 1:1 Skizze:

Am Ende lief es auf 35mm Abstand von Loch-Mitte zu Loch-Mitte hinaus.
Alter Grundschultrick am Rande: Wenn man Löcher in Reihe bohrt, nicht von links nach rechts arbeiten, sondern von beiden Seiten abwechselnd zur Mitte hin. So stellt man nicht erst beim letzten Loch fest, dass sich die Messfehler summiert haben, sondern bei den beiden Letzten in der Mitte. Man hat dann noch zwei Löcher, bei denen man versuchen kann den Fehler zu kaschieren.
Fertig gebohrt sah das Ganze dann so aus:

Der Einbau war zwar Fummelarbeit, aber nicht weiter spannend.
Allerdings passt Sperrholz mit deutscher Eiche (Furnier) mal garnicht in den Innenraum:

Ich hoffe, das in den nächsten Tagen der richtige Schalter für die Warnblinke kommt.
Vaddern hat auch einen guten Freund der Familie gebeten, bei sich im Betrieb mit einem Lasercutter ein neues Blech zu zaubern, welches hoffentlich bald das Sperrholz-Teil ersetzen soll.
Der Halter des Blinkerrelais war mittlerweile auch aus dem Essigbad zurück:

Lackiert konnte er zurück auf das alte Blech und selbiges wieder auf die Rückseite des Armaturenbretts:

Ein Trauermarsch durch die Elektrik III
Am letzten Wochenende ging es mal wieder mit großen Schritten am Bug voran.
Baustelle war erstmal weiterhin die Elektrik. Vaddern bestand darauf, den Halter für das Blinkrelais in Essigkonzentrat einzulegen. Der war ihm zu rostig:

Mittlerweile habe ich auch die kranke Motivation der englischen Todeselektriker verstanden. Es scheint so, als dass es mal Probleme mit dem Kabel vom Zündschloss zur Zündspule gegeben hat. Dieses haben sie damals kurzerhand abgekniffen. Nun haben sie sich rings um die Zündspule nach nem Kabel umgesehen, dass nur bei „Zündung an“ Strom führt und fanden die Leitung des Gebläses. Also wurde das mit der Zündspule verdrahtet. Damit nun aber nicht die Zündspule keinen Saft mehr bekommt, wenn man die Lüftung ausschaltet, wurde der alte Schalter ausgebaut und durch die Sicherung ersetzt (damit man die Steckschuhe irgendwo drauf pfriemeln kann). Per Lüsterklemme kam dann ne Leitung von der Zündspule zum Schalter zurück und wieder nach vorne zum Gebläse. Damit lief dann alles wieder nur dass die alte Gebläseleitung nun noch zusätzlich den Strom für die Zündspule liefern musste…
Mir kommen noch jetzt die Tränen bei so viel Pfusch.
Das habe ich nun alles wieder zurück gebaut. Der Gebläseschalter kam an seinen angestammten Platz:

Da saß ja bisher als Überbrückung die verschmurgelte Sicherung.
Das Lautsprecherkabel, welches bisher die „hin-und-zurück“-Leitung des Gebläses gebildet hatte flog raus:

Das Kabel hatte wohl mal etwas zu nah am heißen Motor gelegen:

Das da schon die Kupferadern durch guckten wurde gesehen und durch Aufbringung von schmierigem Isolierklebeband professionell behoben. *Tränen…*
Die Zuleitung des Gebläsemotors (gelb-grün) endet nun erstmal in der alten Lüsterklemme ohne Verbindung zum Motor (rot):

Der Gebläsemotor scheint zwar hinüber zu sein, aber so stimmt wenigstens die Verkabelung wieder zum Teil. Bis ich den Motor ausgebaut und repariert habe, will ich ihn lieber tot legen. Dazu reicht die Lüsteklemme noch.
Auf dem Bild seht ihr auch das alte Kabel (blau-weiß) mit dem die Zündspule vertüddelt war.
Das flog natürlich bei dieser Aktion ebenfalls raus und wurde durch eine anständig dicke Leitung im original Weiß ersetzt:

Im original Schaltplan hing die Zündspule, genauso wie die Kontrollleuchten für Öldruck und Ladespannung, ohne Sicherung hinter dem Zündschloss. Das war mir natürlich zu heikel. Jetzt habe ich das ganze hinter die bisher noch freie 20A Sicherung am Sicherungskasten gelegt:

Dazu musste ich zwar eine Verlängerung und eine Brücke crimpen, was nicht so hübsch aus sieht, aber auch das sieht man ja später nicht. Außerdem: Safty first!
Ein Trauermarsch durch die Elektrik II
Nachdem ich die englischen Todesfallen vorübergehend gesichert hatte, habe ich mich weiter den Vorarbeiten für die eigentlich anstehenden Aufgaben gewidmet: Relais für die Scheinwerfer und Warnblinkanlage.
Es fehlte noch ein neuer Sicherungskasten. Den Alten, zusammengeschusterten, habe ich ja auch im hohen Bogen entsorgt. Auch die ehemals allesamt schwarzen Kabelstücke habe ich entsorgt und versucht, den Salat ein wenig zu ordnen:

Da der Sicherungskasten in einem Bereich sitzt, in dem man Feuchtigkeit nicht ausschließen kann, habe ich mich für ein spritzwassergeschütztes Exemplar entschieden. Ich habe ebenfalls auf moderne Flachstecksicherungen umgerüstet:

Nich original, aber da siehts eh keiner. Außerdem gibts dafür Ersatz an jeder Tanke und auch das Relais arbeitet mit diesen Sicherungen. Auch die im Original durchgängig verwendeten 35A-Sicherungen habe ich mal durch (grob) berechnete Sicherungsstärken (Watt durch Volt = Ampere) ersetzt.
Ich habe erstmal das alte Hitzeschutzblech wieder verwendet. Das sieht zwar mittlerweile wie ein schweizer Käse aus, aber als Schablone für ein hübsches Teil wird es später gut funktionieren:

Auf dem Bild fehlen noch die beiden Löcher für das Warnblinkrelais und das Loch für das Scheinwerferrelais (kommt beides auf die Rückseite geschraubt).
Danach habe ich unseren Kabel-Reste-Fundus raus gekramt und nach passenden blauen Kabeln gesucht:

So bleibt die Kabelfarbe für alles was mit den Scheinwerfern zusammen hängt einheitlich. Germanischer Ordnungssinn und so….
Die Verkabelung war recht einfach, nachdem klar war, welches Kabel am Lichtschalter für was zuständig war:

Da der Haupt-Lichtkreis im Original gänzlich ohne Sicherung lief, habe ich mich für ein Relais mit integrierter Sicherung entschieden:

Der Schaltkreis (Klemme 85/86) läuft jetzt über den Zündungsstromkreis am Sicherungskasten (Schlüssel raus = Licht aus). Lege ich mit „Zündung an“ dann den Schalter am Armaturenbrett auf die Position „Standlicht“, fließt der Strom dort direkt drüber. Da geht ja kaum was durch. Auf der Position „Abblendlicht“ schickt der Schalter Strom zum Relais, dass den geschalteten Stromkreis (Klemme 30/87) zu zieht und nun den Arbeitsstrom für die Scheinwerfer über die dicken Originalleitungen und die neue 30A-Sicherung holt. So ist nur noch ein Bruchteil der Last auf dem filigranen Lucas-Schalter am Armaturenbrett, was hoffentlich seine Lebensdauer wesentlich erhöht. Das Relais hat übrigens einen integrierten Widerstand, so dass man den Schaltkreis ruhig direkt auf Masse legen kann.
Interessanterweise brauchte ich für Abblend- und Fernlicht nur ein Relais. Augenscheinlich wird der Strom des Abblendlichts durch den Fußschalter fürs aufblenden durch geschleift. Da geht ein Kabel rein und zwei wieder raus. Drückt man dann den Schalter bekommen die Fernlichter ihren Saft auch aus der Abblend-Leitung. Nicht schön, aber naja. Kommt Zeit, kommt separate Leitung.
Der Einbau der Warnblinkanlage war traumhaft einfach. Ich muss nochmal drauf hinweisen, was für ein gutes Produkt diese Anlage für ihren Preis zu sein scheint! So sind zum Beispiel die Beschriftungen, wozu die einzelnen Kabel dienen, in kurzen Abständen (sogar auf deutsch) auf die Ummantelung der einzelnen Strippen aufgedruckt. Schlaue Idee.
In einem wüsten Testaufbau mit Krokodilklemmen habe ich vor dem Ablängen der Kabel erst einmal getestet, ob mein Plan aufgehen würde. Ich wollte den Strom von der Dauerplus-Leitung am Sicherungskasten abnehmen. Die Steuerleitungen der Blinker sollten dann einfach an die Ausgangsseite des Blinkerschalters gehen und so die bestehende Verkabelung nutzen. Das ersparte mir das verlegen neuer Kabel zu den Blinkern. Hat auch wunderbar funktioniert. Schön gleichmäßiger Takt. Also Kabel abgeknipst und vercrimpt:

Lediglich das Kabel der Kontrollleuchte und des Schalters habe ich noch nicht gekürzt. Da warte ich noch auf einen original Schalter aus England. Soll ja möglichst authentisch sein.
Die Lucas-Schalter werden übrigens mittlerweile nachgefertigt. In Deutschland bekommt man sie z.B. bei Heinrici.
Beim nächsten Einsatz muss ich dann nur noch alles wieder zusammen werfen und mich um die ominösen Kabel kümmern. Auch der Verkabelung der Zündspule will ich mal auf den Grund gehen.
P.S.: Mein Vater bestand darauf, dass ich erwähne, dass er schon Jahrzehnte bevor er überhaupt an selbst schraubenden Nachwuchs dachte, unsere Garage mit einem großen Heizkörper ausgestattet hat, welcher es schaffte sie auf mollige 16°C zu erwärmen.
Ein Visionär, der Mann….