Gestern war ich zum letzten Mal beim Garagendonnerstag, bevor ich abhaue.
Es war wie immer ein schöner Abend mit viel Gelächter und sogar Produktivität.
Den Höhepunkt bildete der Testlauf von Mehl & Goofs 1968er Chrysler 300.
Die Fächerkrümmer sind endlich dran. Ein Auspuff ist nicht erforderlich. Genausowenig Schalldämpfer.
Bitte entschuldigt mein Geröchel auf dem Video. Kohlenmonoxid ist echt garstig! Besonders in der Dosierung.
Kurze Zeit später gab es auch noch ein Abschiedsfeuerwerk:
Wie gesagt: Ein gelungener Abend! Ich werd das echt vermissen.
Danke für das schöne halbe Jahr!
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Winterzeit = Experimentierzeit
Ok, ihr hattet lange genug Zeit.
Hier also die Auflösung des letzten Rätsels.
Das Sir Edward keinen Wintereinsatz sehen würde, war ja schon lange klar. Das ich diesen Winter aber ein langstreckentaugliches Auto brauchen würde auch.
Daher hab ich mich schon früh nach Alternativen umgesehen.
So ein Winterauto ist ja eine gute Gelegenheit mal etwas zu experimentieren (Sagt der mit dem Dreiradspleen…). Da kann man sich gut gegenüber anderen Autonerds damit rausreden, dass es ja nur die Winterschlurre ist…
In die nähere Auswahl kamen in der Kategorie „bis 500€-Anschaffungspreis„:
Volvo 480:

Wollte ich schon immer haben. Gute Gelegenheit einen billigen zu testen und bei Gefallen später ein gutes Exemplar zu kaufen. Den schlechten kann man dann schlachten.
Volvo 440/460:

Robuste Technik, billige Teile. Nur der Rost rafft sie alle dahin. Da ist nur das Volvo-Logo und der Anschaffungspreis ein Kaufargument. Obwohl es ja auch ca. 200 sehr sexy Kombi-Umbauten gab….
Mazda MX-3:

Mazda MX-6:
Seit unserem Abenteuer mit den Eiern in der Sahara, bin ich bekennender Mazda-Fan. Warum also nicht mal eines ihrer Coupés testen? Robuste Technik in nur halbwegs hässlichem Kleid.
Mazda 121 (DB) „Ginza“:
Siehe oben. Die „Ginza“ Sondermodelle sind es sogar wert, sie aufzuheben! Da gabs ab Werk: Standheizung (mit Fernbedienung) – Sitzheizung – Lederausstattung – elek. Fensterheber -elek. Faltdach – Sportlenkrad – Alufelgen – 2 Heckspoiler – Servolenkung – Zentralverriegelung – Klimaanlage…
Nissan Maxima (J30):

Den Maxima 3.0 V6 habe ich als nächstes Rallye-Auto im Blick. Reichlich Dampf, pornöse Ausstattung und billig. Den könnte man gut im Winter reiten, ehe man ihn zum Rallye-Gerät adelt.
In der Kategorie „über 500€“ sammelten sich:
Suzuki Cappuccino:

Ich sage nur 657-cm³ und 64 PS, Drehzahlmesser bis 12.000 U/min, Roter Bereich ab 8.500 U/min….
Nissan Figaro:

Außen 1950, unterm Blech 1991.
Nissan PAO:

Siehe oben. Allerdings noch wesentlich seltener als der Figaro und dank festem Dach und Kombi-Heck mehr Nutzwert.
Porsche 924:

Die frühen Modelle ohne Namenszusatz sind dank VW und Audi-Technik billig im Unterhalt und sehr robust. Durch Verzinkung ist Rost so gut wie kein Problem. Warum also nicht mal nen Porsche ins Haus holen?
BTW.: Mein Bekannter Igor hat exakt dies getan. Ker, was bin ich neidisch!
Allerdings konnte ich all diese Überlegungen getrost einstampfen, als mein Vater meinte, dass er einen Ersatz für den Opel Astra G kaufen wollte. Warum also selbst in Unkosten stürzen, wenn ich mir zuhause auch nen Auto für lau ausborgen kann?
Eigentlich schade, da ich mich schon auf was exotisches gefreut habe, aber der lippische Geiz siegte schnell.
Volvos bildeten seit Jahrzehnten das Fundament unseres täglichen Transports. Zweitwagen jedoch (Wobei dieser Begriff beim heimischen Fuhrpark sehr lose benutzt wird), waren bei der Familie Koch schon immer Experimentierfahrzeuge.
Es ging los mit einem wein-roten Audi 80 (B2). Danach folgte ein unsäglicher Nissan Micra (K10). Der war robust aber ein schrecklicher Roster. Es folgte ein Allradexperiment mit einem Subaru Justy I. Ebenfalls schlimmer Roster und hat gesoffen wie ein russischer Polarforscher. Nach dem kam ein Opel Astra F Diesel. Den hat nicht der Rost dahin gerafft, sondern sein Motor. Der war chronisch undicht und hat ohne Ende Öl gesifft. Das hat die lokale Opel-Werkstatt in den Wahnsinn getrieben, da sie immer wieder ihre Reparaturen nachbessern mussten. Auf unerklärliches Betreiben meiner Mutter folgte danach der Opel Astra G, der nun bei der besten Freundin von Allen läuft.
Als Nachfolger wollte ich Vaddern zu einem neuen Experiment überreden:
Als leidenschaftlicher Jäger und Angler bewegt er sich des öfteren auf unbefestigten Wegen und im leichten Gehölz. Warum also nicht was mit Allrad und wenigstens „schlecht-Wege-Fahrwerk“?
Mein Tipp war daher der Subaru Outback.
Ich will euch die Einzelheiten der Diskussion ersparen, aber ich hatte verloren, bevor ich begonnen hatte. Rationale Argumente waren jedenfalls nicht erwünscht.
Allerdings kann ich mich auch so nicht wirklich über den Ausgang beschweren.
Es ist ein Volvo V50 geworden:


Auf den Bildern trägt er schon seine Winterschlappen. Im Sommer gibts schicke Alus.
Auch innen ist er lecker. Vaddern hat sich nicht lumpen lassen und einen mit „Summum“ Ausstattung gesucht:

Die große Ausstattungslinie beinhaltet nahezu die Vollausstattung.
Man beachte übrigens auch die frei schwebende Mittelkonsole:

Zur Not bringt der mich auch nach Speyer und zurück 😉
Somit ist der heimische Fuhrpark seit knapp 30 Jahren zum ersten mal sortenrein.
Winterschlaf
So, heute hab ich die letzte Fahrt mit Sir Edward unternommen.
Einmal noch zum Amtsgericht nach Bersenbrück und zurück.
Ab nächster Woche bin ich ja, wie angedroht, an die Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften abberufen. Juristen-Land-Verschickung quasi.
Nach der Fahrt habe ich eine Runde CASTROL FUEL PROTECT spendiert und voll getankt.
Mal sehen, wie er im Frühjahr anspringt.
Mein Fahrtenbuch verbucht für 2010 ganze 4605 Meilen (7411 km). Für diese Strecke hat Sir Edward sich 366 Liter Sprit genehmigt. Das macht entspannte 4,94 Liter auf 100km.
Auch Steuern (210€ fürs ganze Jahr) und Versicherung (160€ für TK) sind sehr erträglich.
An zwingenden Ersatzteilen schlägt nur der vordere Simmerring zu buche. Das dürfte sich im 5-€-Bereich bewegen. Alles Andere (Fächerkrümmer, 123-ignition) war ja nur Spielerei, eigene Faulheit oder normaler Wartungsaufwand.
Einen Käfer kann man sicherlich nicht billiger bewegen.
Ich kann daher nur betonen, wie sehr sich ein Reliant doch für den Einstieg ins Oldtimer-Hobby eignet!
Selbst ein blutiger Anfänger wie ich kommt für schmale Mark mit ihm klar und alle Arbeiten bewegen sich auf einfachem Hobbyniveau. Dank verzinktem Rahmen und GFK-Karosse ist der Angstgegner des Anfängers „Rost“ kein Problem.
Eine Entscheidung, wie ich sie nicht besser hätte treffen können.
Der Plan fürs nächste Jahr ist, den Bond Bug endlich auf die Straße zu bekommen. Sobald der dann läuft, kann ich Sir Edward mit dem neuen China-Kühler ausstatten, der Kardanwelle neue Kreuzgelenke spendieren und den Simmerring am Getriebe sowie dessen Übergang zum Motorblock neu abdichten. Das hat dann alles Zeit. Spricht ja schließlich nix dagegen, den Bug im (trockenen) Alltag einzusetzen….
Platz ist in der kleinsten Hütte
Sollte jemand von euch mal mit dem Gedanken spielen sich einen Rialto zu kaufen und diesen nicht auf eigener Achse überführen wollen, so ist ein Trailer nicht die einzige Transportoption.
Auch ein Mercedes-Benz Sprinter eignet sich:

Phil aus dem R3W-Forum hat so einen Rialto geborgen für sein Pick-Up-Projekt.
An dem Wagen zeigt sich auch mal wieder, warum GFK so ein ideales Material ist und warum sie von Reliant damals als ideale Laternenparker beworben wurden.
So sah er vorher innen aus:

Und so nach ein wenig ausräumen und Unkraut jäten:

Ein Metall-Auto wäre ein zu einem Häufchen Rost zerkrümelt.
Neuwagenmalessen
Die beste aller Freundinnen hat, wie von as schon angedeutet, unsere Familie ja vom alten Stiefkind Opel Astra G befreit.
Leider endet damit aber auch nicht die Zeit in der ich mich mit dem Wagen beschäftigen muss.
Vor einigen Tagen waren wir auf der Autobahn unterwegs und es erklang bei 80-95 km/h ein fürchterliches Quietsch-Geräusch.
Das kündigte mir eine alte Opel Astra G-Krankheit an:
Fest sitzende Bremse hinten.
Ein Halt auf einem Rastplatz samt Griff an die Felge hinten rechts bestätigte den Verdacht. Sie war kochend heiß und stank.
Die in den ersten Baujahren verbauten Bosch-Bremssättel sind zu eng gearbeitet, so dass sich die Beläge unter Dreckeinfluss verkanten und nicht mehr in die Ausgangsstellung zurück gehen.
Hier gibts eine ganz gute DIY-Anleitung zum gangbar machen.
Arbeitsauftrag war also klar.
Als Vorsitzende des Porzelankisten-Clubs hab ich vorsichtshalber den Astra mit zwei Wagenhebern aufgebockt:

Einen für Bewegungen in der Längsachse und einen für Bewegungen in der Querachse.
Schließlich muss man da ganz schön dranne rum wuppern mit dem Kopf unterm Auto und ohne angezogene Handbremse….
Um das Handbremsseil zu lösen muss man das kleine Sicherungsblech unter der Gummitülle ab ziehen:

Dann die untere Sechskantschraube lösen und man kann den Sattel nach oben klappen:

Danach muss man dann die Bremsbeläge aus der Zange prokeln. Wenn sie bomben fest sitzen, hilft ein Schraubenzieher samt Hammer. Die Trägerplatten der Beläge haben in der Mitte so kleine Nasen, an denen man den Schraubenzieher ansetzen kann. An den kleinen Metall-Laschen sollte man nur moderat ziehen. Das sind Draht-Federn, die sich leicht auf biegen.
Hat man sie raus, sieht das ganze so aus:

Nun muss man die Gleitflächen der Beläge in der Zange gründlich reinigen und eventuell etwas mit der Halbrundfeile bearbeiten.
Eine böse Überraschung war die Rückseite der Scheibe:

Ich hab ehrlich gesagt keine Ahnung, wie das passiert ist. Der Belag hat augenscheinlich nur in einem schmalen Bereich Kontakt zur Scheibe gehabt.
Kann auch nicht so neu sein. Der Belag hat sich sogar leicht in die Scheibe eingeschliffen. Da ist eine fühlbare Stufe drin:

Ich hab jetzt alles gereinigt und einfach wieder zusammen gebaut.
Meint ihr die Scheibe ist wirklich hinüber? 😉
