Schlagwort-Archiv: Reliant Rialto

Ein Stern am Motorradhimmel

Ihr findet den Bug cool, aber euer Herz schlägt eher für Motorräder? Die C1 von BMW ist euch zu lahm?
Kein Problem. Auch da gibts was aus dem Hause Reliant!
Die Quasar:
Quasar Werbung
Sie gehört zur seltenen Gattung der „feet forward„-Motorräder. Angetrieben wird sie (neben einigen anderen Motoren) von Reliants bekanntem 850ccm-Motor:

Einen ganz guten Eindruck gibt dieses Video von einem Replika:

Weitere Informationen findet ihr bei Interesse unter oben verlinktem Wikipedia-Artikel oder auf dieser Seite. Allerdings ist es schwer an eine dieser Maschinen zu kommen. Die sind alle in festen Liebhaberhänden. Wobei sie selbst mich sehr reizen würde….

Schneller als BP

… hab ich das ungefähr gleich große Ölleck an Sir Edward beseitigt. Leider aber mit ähnlichem Aufwand. Doch von Anfang an:
Auf der Rückfahrt aus England fiel mir bei einem technischen Check auf, dass Sir Edward aus dem vorderen Kurbelwellen-Simmerring fies Öl verlor. Hier trat es aus:
Reliant Rialto 2 oil dripping
Bei höheren Drehzahlen ging es noch, aber im Leerlauf war es ein steter Tropfen-Strom. Das musste natürlich schnellstmöglich behoben werden. Nicht das dadurch noch Austernbänke im Mississippidelta sterben!
Also letztes Wochenende Öl abgelassen. Sollte jemand von euch mal diese Arbeit bei seinem Reliant ausführen müssen, so denkt dran, die Kühlermatrix mit irgendwas ab zu decken. Es passiert sehr schnell, dass man bei der Operation ab rutscht und die feinen Kühlrippen zerstört. Der Ärger ist unnötig. Eine Kunststoffplatte oder ein dünnes Pressholzbrett sind Pflicht:
P6050004
Um die Riemenscheibe vom Kurbelwellenstumpf ab zu bekommen, muss die Zentralmutter runter. Dabei gibts verschiedene Probleme. Durch die beengten Platzverhältnisse kann man dort nicht anständig mit ner Ratsche hantieren und hat dementsprechend Probleme ausreichend Kraft auszuüben, um die traditionell bombenfest sitzende Schraube los zu bekommen. Schafft man es nun, ausreichend Kraft auf die Mutter zu bringen, dreht man einfach nur den Motor mit. Also muss die Riemenscheibe ebenfalls irgendwie gehalten werden. Alles sehr tricky. Es gibt die Empfehlung die Scheibe mit einem Schraubenzieher oder Holzstück gegen den Motor zu blockieren. Das war mir aber viel zu heikel. Das weiche Alu ist nicht gerade für Stabilität berühmt. Und die Riemenscheibe oder sogar den Kurbelwellenstumpf bei solch einer Aktion zu beschädigen, ist ebenfalls keine tolle Aussicht.
Abhilfe schaffte bei mir ein Band-Ölfilterschlüssel:
P6050008
Als Ratschenersatz diente ein Knebel mit Verlängerung. Da aber immer noch kein Platz war, um genug Kraft auf den Knebel zu bekommen, haben wir ein Gurtband drum geschlungen und daran gezogen. Mit vereinten Kräften haben wir sie los bekommen.
Danach musste die konische Riemenscheibe von ihrem Sitz. Hier helfen gezielte Schläge mit Hammer und Holz:
P6050009
Kurze Zeit später ist die Scheibe in der Hand. Man beachte die Nut:
P6050010
Ist wichtig für den Zusammenbau!
Nun kommt der Moment, wo der Elefant das Wasser lässt. An dieser Stelle entscheidet sich, ob man die Reparatur in 1-2 Stunden erledigt bekommt, oder ob es, wie bei mir, zwei Tage dauert….
Als sehr nützliches Werkzeug hat sich ein kleiner Spiegel an einem dünnen Arm erwiesen. Gibts im Autozubehör oder vom Zahnarzt.
Mit solch einem Spiegel begutachtet man den nun sichtbaren alten Simmerring:
P6050013
Sieht er so gummiartig wie das Ersatzteil aus, ist es ne einfache Kiste und man kann entspannt durch atmen:
P6050015
Einfach mit dem Schraubenzieher raus porkeln oder eine Spax-Schraube rein drehen.
Sieht es allerdings so wie bei Sir Edward aus:
P6050016
hat man noch den original, in Metall gefassten, Ring und sollte jetzt erstmal ne Pause machen und nen Kakao trinken.
Wenn man unbedingt will, kann man noch versuchen mit einem Schraubenzieher ein wenig dranne rum zu hebeln:
P6050019
Allerdings ändert das höchstwahrscheinlich nix. Man macht höchstens den Simmerring-Sitz kaputt oder bekommt ein paar Schürfwunden. Aber raus bekommt man ihn so nicht.
Man muss den Metall-Simmerring aus der Abdeckung der Steuerkette auspressen. Anders bekommt man ihn nicht raus. Um jedoch die Abdeckung ab zu bekommen, muss man den halben Motor auseinander bauen. Warum das so ist? Na wartet ab….
Irgend so ein Vollpfosten in der Konstruktionsabteilung von Reliant hat damals nicht nachgedacht, als sie die Größe der Riemenscheibe der Wasserpumpe ausgebrütet haben. Eine der Schrauben, welche die Steuerkettenabdeckung hält stößt nämlich beim raus schrauben gegen selbige:
P6050021
Alle anderen Schrauben der Abdeckung gehen super raus. Nur diese eine nicht. Ich kann nicht oft genug betonen, wie dämlich das ist!
Ganz großes Konstruktions-Tennis das Reliant da abgeliefert hat!
Die Riemenscheibe der Wasserpumpe ist natürlich fest mit deren Lager verpresst, so dass man die ganze Pumpe abbauen muss (und dementsprechend das frische Kühlwasser ablassen muss). Um die Wasserpumpe abbauen zu können, muss der Ventilator ab. Um den Ventilator ab zu bekommen muss (ohne einen später noch erklärten Spezialtrick) der Kühler raus…..
Ihr erkennt, warum ich so sauer bin?
Half aber nix. Also hab ich auch erstmal die beiden letzten, verrosteten Bolzen der Haltewinkel des Kühlers abgerissen:
P6050023
Natürlich nachher wieder aussägen und ersetzen. Das Kühlwasser hatte ich schon so gut es ging vorher abgelassen.
Danach kam der Kühler raus:
P6050024
Da ich ihn eh schon raus hatte, hab ich ihn nochmal gründlich durch gespült:
P6050025
Das gab mir auch die Gelegenheit, seinen Halterahmen mal näher zu untersuchen:
P6060039
Der hats bald hinter sich. Sind schon Rostlöcher drin und teilweise ist er dünn wie Papier. Mal sehen, wie ich das dann löse.
Danach konnte der Ventilator ab:
P6050026

Man beachte die gruselig unaerodynamische Form!
Auch dazu in einem späteren Artikel mehr.
Hat man alle Muttern von der Wasserpumpe abgeschraubt, kommt die nächste Mutprobe.
Die Pumpen sind durch die Hitze des Motors so mit ihren Dichtungen verpappt, dass man sie kaum ab bekommt. Erst sehr kräftige Schläge mit Holzstück und schwerem Hammer auf den längsten Rohranschluss der Pumpe, sowie Schläge rings um auf ihr Gehäuse lösen sie:
P6050028
Achtung, sobald sich die Pumpe löst, ergießt sich der Rest des Kühlwassers auf den Boden. Eimer/Aufnehmer bereit halten.
Allerdings sind die Gehäuse der Pumpen so fragil, dass sie regelmäßig bei dieser Behandlung zerbrechen! Sir Edwards hat es glücklicherweise überlebt:
P6050030
Keine Ahnung, was das „B4“ auf der Oberseite zu bedeuten hat:
P6050031
Hier übrigens der Blick in den Motor:
P6050035
Links sieht man schön die nasse Laufbuchse von Zylinder 1.
Hat man die Pumpe raus kann man nun endlich versuchen die Abdeckung der Steuerkette zu entfernen. Diese saß bei mir ebenfalls dermaßen fest, dass ich nachher nur noch drauf gedroschen habe in dem Wissen „entweder sie zerbröselt gleich oder löst sich“. Zum Glück tat sie letzteres und gab den Blick auf die Steuerkette frei:
P6060041
Nachdem der Deckel nun seinen Widerstand aufgegeben hatte, haben wir ihn in unsere Eigenbau-Presse verfrachtet:
P6060044
Erwartungsgemäß saß der Ring ziemlich fest und wäre mit dem Schraubenzieher nicht raus zu bekommen gewesen. Die Presse machte aber kurzen Prozess:
P6060046
Interessanterweise fanden sich im Sitz des Simmerrings kleine Löcher:
P6060047
Die habe ich sicherheitshalber mit Hylomar gefüllt. Mal sehen, ob sich das irgendwie als Undichtigkeit auswirkt.
Hier nochmal der alte ausgepresste Ring in der Detailansicht:
P6060048
Von einer glatten Dichtlippe ist da nicht mehr viel zu sehen.
Wenn man eh den Deckel der Steuerkette runter hat, sollte man in einem Aufwasch auch den Kettenspanner, welcher dort drin sitzt erneuern. Ich hab es nicht getan, weil ich nicht mit diesem Aufwand gerechnet hatte und daher auch kein Ersatzteil zur Hand hatte. Außerdem sah der Alte noch gut aus:
P6060049

Als sicheres Verschleißindiz, dient das Gummipolster auf der Feder. Wenn die Kette dies schon sichtbar weggearbeitet hat, ist es Zeit für einen neuen Spanner.
Eine fiese Arbeit vor dem erneuten Zusammenbau ist es, die angebrannten Reste der Dichtung der Wasserpumpe und des Steuerkettendeckels zu entfernen. Einweichen in WD40 hilft hier viel (Danke für den Tipp!). An den ausgebauten Teilen geht das noch, aber am Motor ist es echte Plackerei. Da die abgeschabten Krümel die Tendenz haben, in die Steuerkette bzw. den Motor zu rieseln empfiehlt es sich, beides mit Lappen gut zu verpacken und die Krümel nachher sehr sorgfältig zu entfernen. Sowas will man weder im Öl- noch im Kühlwasserkreislauf haben!
P6060051
Mit neuem Simmerring und hübsch poliert war die Abdeckung nun bereit für den erneuten Einbau:
P6060053
Um ein erneutes Festbrennen zu verhindern, habe ich die neue Dichtung beidseitig dünn mit Hylomar eingestrichen. Die Abdeckung sollte man, von vorne gesehen, von unten links über die Kette stülpen, so dass man fühlen kann, wie der Kettenspanner greift. Ebenfalls darf man sie beim Einbau übrigens nicht fest anziehen. Nur aufsetzen und die Schrauben so einschrauben, dass sie sich selbst hält:
P6060055
Das ist wichtig, da man erst über den konischen Sitz der Riemenscheibe den Deckel samt Simmerring zentrieren muss. Ansonsten kann es sein, dass der neue Ring direkt wieder undicht wird.
Also lose anschrauben und dann Riemenscheibe aufstecken.
Da man in dem engen Motorraum den Halbmond auf dem Kurbelwelenstumpf nicht sehen kann, empfiehlt es sich, ihn mit einem Filzstift zu markieren:
P6060057
So kann man mit Hilfe des Spiegels die Nut der Scheibe richtig positionieren und muss nicht ne halbe Stunde lang fummeln.
Danach wirft man alles wieder zusammen und erfreut sich seines nun (hoffentlich) öldichten Motors:
P6060062 (Bearbeitet)
Abschließend möchte ich nochmal ins Gedächtnis rufen, was für eine dämliche Konstruktion das ist! Danke.

P.S.: Im Nachhinein habe ich noch einen Trick erfahren, wie man den Ventilator ab bekommt, ohne den Kühler aus zu bauen. dazu braucht man eine auf dessen Bolzen passende 1/4″-Nuss und einen alten Inbusschlüssel. Den Schlüssel feilt man so ab, dass er in den Vierkant der Nuss passt. Mit dieser schlanken Konstruktion kann man die Bolzen auch so raus fummeln. es befreit einen aber immer noch nicht von der Notwendigkeit, die Pumpe aus zu bauen.

Reliant National Rallye 2010 – Review II

Ja, am Arsch „morgen„…. man is arbeiten unangenehm! Wird Zeit das die beste Freundin von allen Staatsanwältin wird und ich die Füße hoch legen kann…..
Aber egal anderes Thema!

Am nächsten Morgen führte uns unser erster Weg in den Pavillon von Bigdaddy und Micromama. Ich hatte nämlich Tobias und mich für den „Reliant Breakfast Club“ angemeldet. Für ein Pfund (ca. 1,20€) pro Person und Tag gab es dort ein full english breakfast:

Tobias kniff ein wenig bei den in Fett zu Tode gekommenen Champignons. Ich fand es sogar überraschend lecker. Ist zumindest eine gute Grundlage nach versoffener Nacht und der Aussicht auf einem Tag ohne Mittagessen. Selbstverständlich gabs dazu Tee bis zum abwinken:

Nach diesem Start in den Tag schauten wir uns weiter die Fahrzeuge der inzwischen Eingetroffenen an.
Hier z.B. ein sehr schöner Reliant Regal Mk VI:

Süßes „Kapützchen“ hat der Kleine:

CHGperformance glänzte mit seinem Reliant Robin Commemorative Edition:


Wie man der Plakette im Innenraum entnehmen kann, handelt es sich bei dem wagen um Nr. 1 der letzten 50 Fahrzeuge, die in der „Two Gates Factory“, dem Stammsitz von Reliant in Tamworth produziert wurden. Ein echter Schatz also. Die letzten 50 Fahrzeuge hatten alle eine umfangreiche Sonderausstattung, wie Ledersitze, Alufelgen und Metallic-Lack. *Mjam*
Im laufe des Tages erschien auch Elvis Payne mit seinem Bruder Goeff. Mit im Gepäck hatten sie „Snoopy“ (den Nachfolger von „Ole Blue„),

New Blue

und natürlich Lucie:

Lucie soll der letzte überlebende Regal MK VI-Van sein.
Bezüglich des schäbbigen Äußeren kann ich euch beruhigen: Sie ist in exzellenter Verfassung. Eigentlich sollte sie lackiert werden und trug dafür schon ihre graue Grundierung, als eine Filmgesellschaft auf Elvis zu kam und fragte, ob sie Lucie als Requisite für einen Film haben dürften. Den Filmfritzen war das Grau aber zu sauber und so hat Elvis kurzerhand eine braune Sprühdose geschwungen. Verschwindet bei Zeiten und hübschem neuem Lack.
Am Chrom kann man auch gut den wahren Zustand erahnen:

Am Nachmittag wurde spontan an Bigdaddys Rialto noch das Ausrücklager der Kupplung gewechselt.
Dazu musste der Wagen natürlich aufgebockt werden. Hier die Reliant-Version eines Wagenhebers:

Das Lager machte so „Geräusche“ seit kurzem. Ließ sich auch nicht mehr gut schalten….
Links Neuteil, rechts abgenutztes Teil:

Ich sachs ja: Unglaublich, was die Kisten aushalten!
Is schon wahr das Schild:

Bei CHGperformance fand ich auch eine originale Nebelschlussleuchte mit interessanter Streuscheibe:

Muss ich doch mal gucken, ob ich das Teil nicht irgendwo zuordnen kann. Meine ist ja nicht mehr Original.
Für die Abendunterhaltung hatten Tobias und ich uns mit Greene King IPA – Dem Bier der englischen Rugby Nationalmannschaft eingedeckt:

Wir haben herzlich über den Text unter dem Logo gelacht. „easy to drink“…
Damit die Kultur nicht zu kurz kam gabs auch noch ein Abendprogramm seitens der Veranstalter. Es war……interessant….:

Am nächsten Morgen wurde uns beim Frühsück mitgeteilt, dass gestern Nacht beinah Dunkens Tandy-Camper (Wohnmobil auf Reliant Fox Basis) abgebrannt wäre:

Zu später Stunde wurde es Dunken etwas kühl in seinem Tandy und er machte eine Flammenreihe seines Herdes an. Wie es kommen musste, schlief er natürlich dabei ein… Durch die Hitze des Herdes weichte der 25 Jahre alte Kleber, der das Regal über dem Herd zusammen hielt auf und krachte auf die brennende Platte:

Dunken schaffte es noch die brennenden Teile aus dem Fenster zu werfen:

Allerdings warf er sie nicht weit genug, so dass sein Vorzelt ebenfalls Feuer fing:

Keine schöne Sache. Und dumm, wie er selbst am nächsten Tag zu gab. Aber es hätte wesentlich schlimmer kommen können!
Sonntag war der Haupttag der Veranstaltung auf dem auch die Preise für die Fahrzeuge verliehen wurden.
Unter anderem gab es auch einen Geschicklichkeitsparcours für Autos:

Eine Reliant TW9 (Ant) tauchte auch auf:

Als die Fahrzeuge nachher so aufgereiht da standen fiel mir auf, wie sexy der Reliant Scimitar doch ist.
Sowohl als (seltener) GT:

Als (noch wesentlich seltenerer) GTC:


Oder als (Mainstream) GTE:


Mal sehen. Vielleicht findet so einer ja auch noch seinen Weg in meine Garage. Da drücke ich auch mal ein Auge zu bezüglich der Räderzahl…
Ebenfalls herzlich gelacht haben wir über das Bild auf unserer Chips-Packung:

Die Konstruktion als Leiterwagen mit einem Rad hinten finde selbst ich mehr als gewagt!
Ebenfalls für Erheiterung sorgte das Graffiti an einem der Gebäude:

Schön das auch englische Wichser nicht richtig schreiben können.
Ich bin dann mal auf nen Tor geklettert und hab mich an einem Panoramafoto vom Line-up versucht:

Die Fahrzeuge stehen nach Typ hintereinander aufgereiht. Also alle Rialtos hintereinander, alle Robin MK II hintereinander, etc.

Leider etwas wackelig, aber für den ersten Versuch ganz passabel.
Bei der Preisverleihung gab es zwar keinen Preis für die weiteste Anreise (wie ich eigentlich gehofft hatte), aber dafür den viel schöneren Pokal für den schönsten Reliant Rialto:

Da strahlen wir beide um die Wette.
Ist nen Wanderpokal. Muss ich also 2011 wohl wieder hin und ihn zurück bringen. Dann vielleicht mit dem Bug. Obwohl der mit nem Schlafsack schon voll sein dürfte…

Alles in allem war es ein schönes Wochenende! Es war toll, die Gesichter hinter den Forumsnamen kennen zu lernen und endlich mal andere Reliants begucken zu können. Wir wurden sehr freundlich aufgenommen und niemand hatte Berührungsängste mit den „germans“. Eine sehr entspannte Atmosphäre die man sicherlich bei so mancher deutschen Oldie-Veranstaltung vermissen dürfte. So komme ich gerne im nächsten Jahr wieder!

Reliant National Rallye 2010

Am Donnerstag machen Tobias und ich uns auf den Weg nach Bromsgrove, Worcestershire B60 4AL, Vereinigtes Königreich. Dort findet nämlich die diesjährige Reliant National Rallye statt. Auf dem Gelände des Stoke Prior Sports & Country Club erwartet uns eine bunte Veranstaltung mit:

  • Konvoi zum lokalen Motorradmuseum
  • Kinderdisko
  • Reliant-Geschicklichkeitsspiel (manoeuvrability)
  • Reliant-Tauziehen
  • Sandwich-Wettbewerb
  • Fancy dress-Wettbewerb (Verkleiden als 75-jährige [Reliant wird 75])
  • ROC Talent- und Pantomime-Wettbewerb
  • Bingo (£75 top Gewinn)
  • Tombola (£70 an Preisen)
  • Main National Tombola (£300, £200, £100, £50, und 5 x £10 als Preise)
  • Bonus Ball
  • Hufeisen werfen
  • Fahrzeugbewertung in vielen Kategorien

Ein allerliebst englisches Programm! Leider kommen wir zu spät für den Karaoke-Abend. Aber ich hab für Tobias noch ne schöne Überraschung. Mal hoffen, dass es klappt.
Das Wetter soll übrigens auch englisch werden… Egal. Ich hab nach dem Reinfall von Osterode direkt ein neues Rallye-Zelt gekauft, dass wir bei der Gelegenheit testen wollen und ansonsten nehmen wir Gummistiefel mit.
Ich hab einige Ersatzteile bestellt, die ich bei der Gelegenheit einsacken will. Spart das Porto (irgendwie muss man das Wochenende ja rechtfertigen)!
Natürlich fahren wir mit Sir Edward! Mal hoffen, dass er die 2000 km durch hält:

Größere Kartenansicht
Die AvD-Karte hab ich auf jeden Fall im Gepäck.
Soll ich wem nen Reliant mitbringen? Stehen sicherlich einige zum Verkauf.

Arterienverkalkung II

Nachdem der Reinigungsschlick ca. fünf Betriebsstunden im Kühlsystem zirkulieren durfte, habe ich den Kühler und den Block mal gespült.
Eigentlich wollte ich das Zeug da ja noch ein paar Stunden länger drin lassen, aber auf der Rückfahrt von Osnabrück wurde Sir Edward doch sehr heiß. Erst bei 70-80 km/h war die Temperaturanzeige wieder im zumindest schwer erträglichen Bereich:
Kühlwasseranzeige heiß
Zwischen durch musste ich eine Zwangspause auf einem Rastplatz einlegen, um dem Motor Zeit zum abkühlen zu geben:
abkühlen auf einem Rastplatz
Die Pfütze vor dem Wagen ist glücklicherweise nicht von ihm.
Allerdings war der Druck im Kühler so groß, dass es aus dem Überlauf raus drückte:
übergekochtes Kühlwasser
So kroch ich dann gemächlich nach hause.
Dort angekommen, habe ich erst mal die Masse der Batterie abgeklemmt und den Verteiler und die Zündspule in Plastiktüten gesteckt:
Zündanlage abgedeckt
Als Anleitungen dienten mir mal wieder Fifers Reliant Hints and Tips und dieses Video:

Der Reliant 850ccm-Motor hat neben/unterhalb dem Krümmer übrigens eine separate Ablassschraube für das Kühlwasser:
Ablassschraube im Motorblock
Der kam raus und schon lief die Suppe in ein Schälchen:
braunes Kühlwasser
Die Färbung stammt von dem Reinigungsschlamm. Vorher war das Kühlwasser normal grünlich.
Den Kühler habe ich separat abgelassen und gespült.
Wenn der Gartenschlauch das Wasser durch den Block drückt sollte man mit einem Draht etwas in der Öffnung der Ablassschraube rum stochern:
Wasserstrahl aus dem Block
Dort lagert sich nämlich reichlich Sediment ab, dass man so gut raus bekommt.
Der blaue Müllsack auf dem Bild ist übrigens auch ratsam! Ansonsten verwandelt der kräftige Strahl aus der Bohrung den Innenraum in eine Fußbadewanne…
Während das so vor sich hin plätscherte hab ich mal das Thermostatgehäuse ab genommen:
alte Thermostatgehäuse-Dichtung
*Mjam*
Die Dichtung zu entfernen war eben so lecker:
alte Dichtung abgekratzt
Das Thermostat war so mit seinem Sitz verklebt, dass wir es mit einem Maulschlüssel „losdrehen“ mussten. Zum Glück ist es recht stabil konstruiert, so das es dies unbeschadet überstanden hat.
Thermostat im Block
Als der Schlick aus dem Bereich raus war, sah das Gehäuse sogar wieder ganz ansehnlich aus:
Temperaturfühler im Block
Auf dem Bild erkennt man auch schön den Temperaturfühler.
Auch das Innere des Kühlers sieht nach der Schlickbehandlung wieder ganz schick aus:
Blick in den Kühler
Interessanterweise ist das Thermostat ein 82°C-Thermostat:
Thermostataufdruck
Laut Forum hatten die Rialtos normalerweise 88°C-Thermostate. Allerdings waren das auch die späteren Modelle mit Ausgleichsbehälter.
Um seine Funktion zu testen, habe ich es mal zusammen mit zwei Thermometern in einen Kochtopf geworfen:
Thermostat im Kochtopf
Ich hab zwei Thermometer dazu getan, da sie sich vorher nicht einig waren, wie hoch die Raumtemperatur ist. Auf dem Weg Richtung kochen haben sie sich aber geeinigt. Mit Befriedigung habe ich feststellen können, dass das Thermostat wie gewünscht funktionuckelt.
Am Ende der Spülaktion fand sich übrigens dieser kleine Sandstrand in der Schüssel unter dem Motorblock:
Sedimente im Kühlwasser
Die vom Kühler sah nicht wenig anders aus. Ich war schon beeindruckt, was sich da alles angesammelt hat.
Da ich meinen Dichtungssatz in Osnabrück vergessen hatte, bekam das Thermostatgehäuse ein individuell zugeschnittene Korkdichtung. Um ihre Form fest zu legen, habe ich sie mal über ein Stempelkissen gewälzt:
Stempelfarbe am Thermostatgehäuse
Eine 32er-Nuss gab den passenden Innendurchmesser:
Nuss auf Korkdichtung
Alles wieder hübsch:
Thermostat wieder montiert
Die Schrauben des Gehäuses darf man übrigens nur wenig mehr als Hand-warm anziehen! Die Gehäuse sind bekannt dafür, sehr leicht zu brechen wenn man die Schrauben zu fest an zieht. Also lieber bei Undichtigkeit noch mal etwas nach ziehen, als gleich zu ruinieren!
Die Wiederbefüllung des Kühlsystems ist bei Rialtos eine etwas spezielle Sache, denn leider ist der Kühler nicht die höchste Stelle des Systems und somit besteht die reelle Gefahr sich ein paar Luftblasen einzuhandeln. Höher als der Kühler liegt der Wärmetauscher für die Heizung. Kein besonders heller Tag bei Reliant als sie das konstruiert haben. Muss übrigens der gleiche Tag gewesen sein, als sie einen Ausgleichsbehälter als neumodischen Schnick-Schnack verworfen haben…
Um Luftblasen bestmöglich auszuschließen, habe ich nach eingehender Überlegung das System folgendermaßen wieder befüllt:

  1. Alles wieder zusammen bauen
  2. Kühlmittelkonzentrat in berechnetem Mischungsverhältnis (das Kühlsystem fasst 2,84 Liter) in den Kühler füllen
  3. Schlauch des Wärmetauscher-Ventils (Das mit dem Bowdenzug zum Innenraum) am Kasten abziehen.
  4. Dort Wasser einfüllen (Gartenschlauch), bis es in einem stetigen Strahl wieder am Tauscher aus tritt
  5. Finger auf den Austritt am Tauscher
  6. Den abgezogenen Schlauch mit Wasser füllen und ebenfalls Finger drauf
  7. Beides in katzengleicher Bewegung wieder miteinander verbinden
  8. Kühler bei Bedarf weiter auffüllen
  9. Testrunde drehen und bei Bedarf im Kühler nachfüllen

Bei Sir Edward hat das so ganz gut geklappt.
Auf der Rückfahrt blieb die Temperaturanzeige selbst bei Dauertempo 100-110 km/h bei 3/4:
Temperaturanzeige 3/4-heiß
Das ist ok. Die Anzeigen geben eh nur grobe Richtwerte….
Sollte sich das bei höheren Außentemperaturen verschlechtern, werde ich nochmal ne Runde Reinigungsschlamm durch jagen.