Kategoriearchiv: Reliant Rialto

Hier geht es um meinen 1984er Reliant Rialto 2 GLS Estate. Mein erstes richtiges Auto.

321-Zündung VI

Bisher lief die 123ignition ja noch immer mit Zündkurve 0.
Um zu testen, welche Zündkurve mehr Performance bringt und um zu testen, ob der Motor irgendwann das klingeln anfängt hatte ich mir einen Testzyklus ausgedacht, welcher mir relativ reproduzierbare Ergebnisse liefern sollte:
Der Plan war ab einer bestimmten Wegmarke im 3. Gang mit Vollgas einen Hügel hoch zu fahren und dabei von 60km/h aufwärts zu beschleunigen. Der Beschleunigungsvorgang sollte dann bei einer zweiten Wegmarke eingestellt werden. Eine Person auf dem Beifahrersitz sollte dabei mit der Stoppuhr die Zeit zwischen den Punkten nehmen und per GPS die Endgeschwindigkeit bestimmen.
Dies hätten wir dann so oft wiederholt, bis der Motor bei einer bestimmten Zündkurve das klingeln angefangen hätte.
So der Plan.
Da mein Bruder letztes Wochenende zu Besuch war, hatte ich endlich eine Testperson, welche die Stoppuhr bedienen konnte.
Als erstes musste ich mich aber um das Falschluft-Leck am Krümmer kümmern.
Mein Vater hatte mir eine Dose Auspuffkit mit gegeben. Also rangeschmiert, das Zeug:
Auspuffkit
Was nen Schweinkram!
Danach haben wir den Motor ein wenig im Stand laufen lassen, damit er warm wurde und der Kit aushärten konnte. Sobald er warm war, habe ich nochmal den Vergaser eingestellt. Dabei fiel mir aber schon auf, dass er immer noch am Krümmer raus pustete. Waren wir wohl echt zu ungeduldig.
Allerdings reichten jetzt schon 22 „Flanken“ für einen gesunden Rundlauf. Wir nähern uns also dem Optimum.
Als wir mit der Einstellerei fertig waren, machten wir uns auf den Weg zu der von mir als Testgelände auserkorenen Landstraße.
Hier ein Video vom Testzyklus mit Zündkurve 0:

Ab der Warnbarke am rechten Rand gabs Vollgas bis zum letzten Seitenpfosten auf der rechten Seite vor der Einfahrt. Berg hoch zu beschleunigen, hat den Vorteil, dass der Motor längere Zeit unter Volllast in einem bestimmten Drehzahlbereich verbleibt, als wenn man in der Ebene Gas gibt. Davon versprach ich mir leichter Klingeln zu vernehmen. Außerdem ist der Geschwindigkeitszuwachs nicht so rapide wie in der Ebene.
Bei der Umstellung auf Zündkurve 1 fiel mir ein großer Nachteil der 123ignition auf.
Die Einstellschraube für die Zündkurven befindet sich leider an der Unterseite des Gehäuses und wird von einer Inbus-Schraube verschlossen. Man muss also, um die Kurve umstellen zu können immer den Verteiler ausbauen. An sich ja nicht so tragisch, da man ja nur die Halteschraube der Klemmschelle lösen muss. Leider hilft das aber nicht wirklich weiter. Man kommt nämlich nicht an die Inbusschraube, so lange die Klemmschelle noch am Schaft des Verteilers sitzt! Nimmt man aber die Klemmschelle ab, so muss man gleich die Zündung neu einstellen….
Mir blieb also nichts anderes übrig, als nen Schraubenzieher in der Schraube zu verkanten um sie raus zu würgen (sieht jetzt auch so aus):
123-Ignition Einstellschraube
Was ne selten blöde Konstruktion!
Zu kurzem Rätselraten führte auch der Umstand, dass der Verteiler beim Wiedereinbau nicht ganz einrasten wollte und immer ca. einen cm hoch stand. Nachdem der Verteilerfinger um 180° gedreht wurde rutschte er aber ganz easy wieder in den Mitnehmer. Schlaue Konstruktion! Hätte ich auch eher drauf kommen können.
Der anschließende Testzyklus mit Kurve 1 führte schnell zu Ernüchterung. Ab Tempo 70 klang es so, als würde jemand langsam Schrauben in den Motor füllen…
Sobald ich vom Gas ging, war es weg und wenn ich wieder Gas gab, kam es wieder. Echt deutlich hörbar. Hattet ihr vollkommen recht.
Damit war unsere Testreihe ziemlich schnell zu Ende.
Zurück zu Kurve 0 und fertig.
Naja, die Performance war ja schon mit Kurve 0 so wie mit dem alten U-Verteiler. Ist also ok.
Auf dem Rückweg traf ich noch Lolas alten Erzrivalen:
Ape und Rialto
Der Fahrer war leider weit und breit nicht zu sehen, so dass ich mich mit ihm nicht auf ein Duell verabreden konnte. Aber kommt Zeit, kommt Duell!
Wieder Zuhause angekommen stellten wir fest, dass der Kit unsere Testreihe nicht überlebt hatte:
Auspuffkit hart
Er war komplett gerissen und drunter hohl. Der Druck der Auspuffgase hatte ihn vom Krümmer abgehoben, ehe er aushärten konnte. Also abpulen und nochmal nen zweiten Versuch wagen. Diesmal gibts auch die auf der Packung geforderten 12h Aushärtungszeit.
Ich weiß nicht, ob ich eventuell nochmal einen Versuch mit Zündkurve 1 wagen sollte.
Bei dem Test zog er ja noch Falschluft. Außerdem hat er noch den Vergaserreiniger im Tank und laut Handbuch benötigt der Rialto 2 97 Oktan (und ich tanke immer 95 Oktan-Super). Keine Ahnung, ob diese Punkte so viel ausmachen und ob ich, selbst wenn es klappt, immer Super+ tanken will….

Magerkur

Nachdem die Reinigung des Vergasers Sir Edwards Schluckauf nicht beseitigen konnte, bin ich heute mal einer anderen Fährte gefolgt. Falschluft könnte eine weitere Ursache für das Ruckeln sein. Also bin ich wieder auf die Jagd gegangen.
Und da ich ja auch noch dazu lernen muss, folgte ich einem Hinweis aus dem R3W-Forum, dass ein undichter Auslasskrümmerflansch am Übergang zum Auspuff ebenfalls zum ansaugen von Falschluft führen kann. So stand der Übeltäter auch ziemlich schnell fest. Dort pustet Sir Edward nämlich kräftig raus. Damals hielt ich das für harmlos…
Ok, also erst mal versuchen, den Krümmer irgendwie dicht(-er) zu bekommen. Dazu müssen alle Muttern lose und die Schelle, welche den Auspuff an der Getriebeglocke hält komplett ab:
Auspuffhalterung am Getriebe
In umgekehrter Reihenfolge wird dann angezogen. Also erst Krümmer, dann Schelle. Dabei musste ich auch erkennen, warum früher so viele Unterlegscheiben an den Verschraubungen waren… die rechte Mutter dreht ab einem gewissen Punkt durch! Es wird echt Zeit, dass ich mir den Performance-Krümmer besorge! Was ein Murks!
Mit einigem Probieren konnte ich die Lücke wenigstens etwas verringern. Vorher:
Bild nicht vorhanden
Nachher:
Spalt am Krümmer
Natürlich prustet er dort immer noch raus. Merkt man ganz deutlich, wenn man die Hand dran hält.
Um zu checken, ob es wenigstens besser geworden ist und um den Vergaser fetter einzustellen (um die Falschluft wenigstens etwas auszugleichen), bin ich mal zu einer Proberunde gestartet. Im Industriegebiet fand sich ein ruhiges Eckchen an dem ich den Motor laufen lassen konnte, ohne das es jemanden störte:
Testlauf im Industriegebiet
Zum einstellen hielt ich mich mal wieder an Fifers exzellente Anleitung.
Wenn man ihr wirklich Schritt für Schritt folgt ist es echt easy und auch für nen Anfänger wie mich gut erkennbar, wann der Motor besser oder schlechter läuft.
Die Gemischzusammensetzung verstellt man über die dicke Bronze-Einstellschraube am Boden des Vergasers:
Vergaserschraube
Raus um das Gemisch fetter zu stellen, rein um es abzumagern.
Normalerweise muss man die Einstellschraube (nachdem man sie komplett rein gedreht hat) 18-20 „Flanken“ raus drehen. In diesem Bereich findet sich dann das Optimum. Durch die Falschluft lief Sir Edward aber erst bei 24 Flanken schön gleichmäßig. Ich habe ihn jetzt erst mal so gelassen, damit er besser läuft. Die Heimfahrt war auch wesentlich ruhiger.
Am Wochenende bekomme ich ne Dose Auspuff-Dicht-Pampe. Die beseitigt hoffentlich das Leck erst mal, bis ich nen neuen Krümmer habe. Nicht befriedigend, aber immerhin hab ich nun wieder ne Idee, woran es liegen könnte.

Frühlingsputz gegen Schluckauf

Es gibt noch ein paar Kleinigkeiten, die mich an Sir Edward noch stören. Eine davon ist sein permanenter Schluckauf. Befindet sich das Gaspedal in einer Stellung zwischen Leerlauf und 3/4 Vollgas hat man ein andauerndes leichtes Rucken. So als würde er etwas langsamer und im selben Moment wieder stark beschleunigen. Im ersten Gang ist es klar fühlbar. Im zweiten mit durchschnittlich sensiblem Popo und darüber nur wenn man es weiß (zumindest bilde ich mir das ein). Gibt man während des Ruckens 3/4- bzw. Vollgas, ist es weg.
Ich hatte es sowohl mit dem alten Verteiler als auch jetzt mit der 123ignition. Choke ziehen ändert nichts. Ob man nen Berg hoch fährt oder nur cruised ebenfalls nicht.
Im Stillstand hört man die Drehzahl konstant leicht hoch und runter gehen.
Alles sehr suspekt.
Im R3W Forum wurde Dreck im Vergaser als mögliche Ursache angesprochen.
Also habe ich mir den Lümmel heute mal vorgeknöpft. Bin jedes mal erstaunt, was für eine Fummelarbeit es ist, den da raus zu bekommen!
Nach einigem Gefluche hatte ich ihn draußen und auf der Werkbank. Nach kurzem Gerühre sah das verbliebene Benzin in der Vorratswanne so aus:
dreckiges Benzin im Vorratsbehälter
*Mjam*…
Im Glas sah es nicht weniger nach Acker aus:
Dreckiges Benzin aus dem Vergaser
Also weiter auseinander gebaut und gesäubert (So nen SU HS2 Vergaser ist erfreulich übersichtlich):
SU HS2 zerlegt
Fifer hat auf seiner Seite eine gute Beschreibung zur Reinigung. Danach habe ich mich gerichtet.
Als erstes habe ich den Vorratsbehälter ausgewischt und wollte anschließend die Hauptdüse rückspülen. Dafür empfiehlt Fifer ein Stück Schlauch durch das man pusten soll. Natürlich hatte ich keinen passenden Schlauch zur Hand. In einer ersten Kurzschlusshandlung habe ich daher einen meiner letzten STUDENTOP-Kulis geschlachtet:
erster Versuch mit Kulli
Kurzes angestrengtes Nachdenken förderte aber eine viel bessere Lösung zutage:
Spülung mit Spritze
Mit der Spritze kann man frisches Benzin unter saftigem Druck ohne Gepansche rückwärts durch die Düse in den Vorratsbehälter jagen. Sprudelt schön und förderte eine anständige Ladung Sedimente zutage. Das ganze habe ich dann noch fünf mal wiederholt, bis nur noch klares Benzin raus kam.
Jetzt sieht der Vorratsbehälter wieder aus wie neu:
sauberer Vorratsbehälter
Nach drei Stunden sah der Bodensatz im „Dreck + Benzin“-Glas übrigens so aus:
Bodensatz
Hab ich wohl nen halbes englisches Moor importiert. Frühlingsputz war echt angebracht….
Danach habe ich den Vergaser wieder eingebaut und bin zu einer Proberunde gestartet.

Ergebnis: Das Ruckeln ist unverändert nach wie vor da…..

Blöd. Naja, wenigstens ist der Vergaser jetzt wieder sauber. Ich fahre jetzt noch eine Weile mit Vergaserreiniger im Tank, um auch die sonstigen Bereiche sauber zu bekommen.
Mal sehen, was mir noch so einfällt.

Schluss mit lecken

Wie schon vor längerer Zeit berichtet, hatte Sir Edward nen schleichenden Plattfuß hinten links. Außerdem hatte sich vor einiger Zeit das Ausgleichsgewicht vom Vorderrad verabschiedet. Beim Bug gabs ebenfalls nen Plattfuß. Gute Gelegenheit also mal den Reifenhändler unseres Vertrauens aufzusuchen:
Rialto beim Reifenhändler
Die Belegschaft nutzte Sir Edwards Präsenz für viel netten Schabernack. So schickte der Meister z.B. den neuen Lehrling „zu dem Kunden auf Bühne 1 um mal zu gucken, was er vorne für zwei Reifen braucht“…
Bei Sir Edward gabs nen neues Ventil und vorne nen neues Gewicht. Einfache Geschichte.
Beim Reifen vom Bug wars dann schon komplizierter. Die Felge hat wohl mal was abbekommen. Der alte Reifen, saß nicht mehr anständig im Felgenbett und hatte in seiner Flanke schon eine Beule ausgebildet:
Delle im Reifen
Der Reifen war somit Schrott. Der Meister meinte aber, dass die Felge wohl noch gehen würde und ein neuer Reifen genügen müsste. Ich hoffe, er hat Recht. Der Bug hat jetzt nen neuen Yokohama 165/70R10 72H A 008. Die sind mit 59€ pro Stück angenehm billig.
Da ich eh schon in der Stadt unterwegs war, bin ich auch gleich noch bei PV Automotive vorbei gefahren. Die hatten mir ja damals mit den Scheinwerfern von Sir Edward so geholfen und ich hatte einen der Scheinwerfer vom Bug mit im Gepäck, in der Hoffnung, dass sie mir da auch helfen könnten.
Der Angestellte und ich haben wieder dicke Kataloge gewälzt und den Messschieber geschwungen. Hella hat einen Motorrad-Scheinwerfer im Programm, welcher nahezu identische Maße aufweist. Erfreulicherweise H4-Kompatibel! Sie bestellen ihn jetzt zwei mal, damit ich sie anprobieren kann. Wie immer, super Service!
Als ich zurück auf den Parkplatz kam musste ich doch sehr schmunzeln. Hatte sich doch ein Mini-Fahrer direkt neben Sir Edward gestellt:
Rialto neben Mini
Als ich weg fuhr kam der Besitzer zurück und winkte mir grinsend zu.
Gut das er nicht versucht hat, sich mit mir um den Parkplatz zu streiten: