Kategoriearchiv: Reliant Rialto

Hier geht es um meinen 1984er Reliant Rialto 2 GLS Estate. Mein erstes richtiges Auto.

321-Zündung V

Nach dem Rückschlag letzte Woche, bin ich am Samstag mal zum nahen MaxBahr geradelt (Year, ich kann schon wieder Fahrrad fahren!) und hab mir nen 5er-Set Schlosserfeilen besorgt. Natürlich wurde vorher schlau gelesen. Hier gibts mal wieder nen schönen Artikel mit Grundwissen. Leider entsprach das Angebot bei MaxBahr exakt den Verheißungen dieses Testberichts. Die Dinger sind krumm und schief. Naja, sind 5 Jahre Garantie drauf… werde ich zu Tode schruppen und dann zurück bringen.
Egal.
Nachdem ich im 123ignition-eigenen Forum eine sehr aufbauende Antwort erhalten habe, stand mein Entschluss eher das Gehäuse der 123ignition zu bearbeiten, als den Motorblock.
Um nun zu wissen, wie viel vom Gehäuse ab muss, borgte ich mir von der besten Freundin von Allen einen Rouge-Stift in möglichst fieser Farbe (dann weint sie nicht so dolle, wenn er mit Motoröl zurück kommt). Die Dinger haben den Vorteil, dass sie noch schmieriger sind als billiger Nutten-Lippenstift.
Also fix die Ecke am Block abgeklebt und Rouge-Stift drauf geschmiert:
Motorblock markiert
Danach das 123-Gehäuse abgeklebt, eingesteckt und ein wenig hin und her gedreht. Sollte das jemand von euch mal nachmachen müssen, so entfernt vorher die Gummi-Dichtung am Stumpf. Dann geht das rein und raus wesentlich leichter. Das Ergebnis war zufrieden stellend:
123-Ignition markiert
Kurz mit dem Cutter die markierte Linie nachgezogen und mit dem Edding nachgemalt:
123-Ignition abgefeilt
Damit keine Späne am Schaft haften bleiben und sich nachher im Motor wieder finden, musste ich ihn irgendwie verpacken. Das Klebeband lag natürlich in der Garage. Die Dame auf meiner Arbeitsunterlage brachte mich aber auf eine gute Alternatividee:
123-Ignition abfeilen
Lümmeltüte lüppt super. Und die Noppen geben das extra bisschen Halt, das man braucht. 😉
Nach ner Stunde Gegurke habe ich als ungeduldiger Mensch aber aufgegeben.
Ich hab kaum was vom Gehäuse abbekommen und hätte da Tage dran zugedracht. Außerdem musste ich ja auf gut Glück feilen, da ich ja nicht wusste, in welcher Stellung die 123 den Zündzeitpunkt hat. Da hätte ich vielleicht Stunden lang an einer Stelle rum gefeilt, die völlig unwichtig gewesen wäre.
Also zurück zum Übeltäter! Der Stufe im Block:
Motorblock abfeilen
Diese abzufeilen hatte auch den Vorteil, dass sie nicht gerade nach oben lief, sondern schräg. Daher musste ich relativ wenig wegfeilen.
Ich habe dann eine halbrunde Vertiefung in die Stufe gefeilt, bis der 123-Körper sich frei drehen ließ. Passt jetzt haargenau:
123-Ignition Platz zum Motorblock
Die Markierung am Ventildeckel war übrigens völlig überflüssig, da der neue Verteilerfinger anders steht, als das Original:
123-Ignition eingebaut
Danach gings ans anschließen und grobe einstellen. Laut Anleitung soll man das rote Kabel der 123ignition an den Plus-Pol der Zündspule anschließen und dann den Körper der 123 so lange im Uhrzeigersinn drehen, bis eine grüne LED leuchtet. Was hat mich das Teil zur Verzweiflung getrieben! Egal wie oft ich den Körper im Kreis drehte, da wollte nix leuchten! Bis mir irgendwann einfiel, dass es sicherlich helfen könnte, wenn man auch die Zündung einschaltet…..
123-Ignition Kontrolldiode
Nachdem nun der Zündzeitpunkt grob eingestellt war, konnte ich an einen ersten Testlauf gehen!

Ich hab ja immer noch Angst vorm klingeln. Hab ja keine Ahnung, wie das klingt. Daher würde ich euch bitten, auch mal nen Ohr drauf zu haben. Keine Ahnung, ob die Soundqualität dafür ausreichend ist…
Die Stunde der Wahrheit:

Das war übrigens mit Choke und noch ohne Luftfilter.
Ich glaube meine Batterie ist etwas schwach auf der Brust. Er musste so lange drehen, weil er ewig nicht gelaufen ist und daher wohl erstmal nen bisschen Benzin aus dem Tank holen musste.
Danach gabs am Sonntag eine erste Runde auf dem lokalen IKEA-Parkplatz.
Hier mal Sir Edward im Leerlauf (warm ohne Choke). Den Sound habe ich künstlich lauter gemacht:

Hier mit normaler Lautstärke:

Und abschließend noch zweiter Gang Vollgas:

Subjektiv würde ich sagen, dass er die gleichen Geräusche wie vorher macht. Vielleicht sogar etwas leiser ist. Was die Performance betrifft, so scheint mir Kurve „0“ ziemlich nah an den Einstellungen des original Verteilers zu sein.

Leider ist hier in Osnabrück das Wetter momentan kaputt (kommen so kleine weiße Brocken raus), daher kann ich keine weiteren Tests machen. Sobald es aber wieder etwas besser wird, werde ich erstmal ein paar Kilometer mit Kurve „0“ abreißen um sie weiter zu testen.
Vielleicht fahre ich auch mal bei Auto Mobil Osnabrück vorbei, damit die mal nen Ohr dran halten.

P.S.: Wenn ihr übrigens mal wieder herzlich lachen wollt, lest euch mal die Reaktionen auf meinen Post bei oldtimer-info.de durch. Das ist immer so lustig da. Allerdings darf man dort echt nur mit nem gesunden Selbstbewusstsein Fragen stellen.

321-Zündung IV

Ich hab mich heute unter den gestrengen Augen der besten Krankenschwester von allen weggestohlen. Der Schraubereientzug war einfach zu stark…

Als erstes habe ich den Motor mit einem Schraubenschlüssel an der Riemenscheibe auf den oberen Totpunkt („OT“) des ersten Zylinders gedreht. Das geht übrigens viel einfacher, wenn man die Zündkerzen raus schraubt.
Dieses Bild veranschaulicht gut Drehrichtung und Markierungen:

Und hier im richtigen Leben (Allerdings auf 10° vor OT!):
Riemenscheibe 10 Grad vor OT
Danach habe ich die Zündkabel nummeriert und die Verteilerkappe entfernt:
Zündreihenfolge markiert
Um später den Verteilerfinger der 123 besser ausrichten zu können, habe ich die Stellung des Alten noch am Zylinderdeckel markiert:
Verteilerfinger Richtung Zylinder 1
Danach kam die Stunde der Wahrheit. Lösen der Halteklammer:
Lucas 45D4 Demontage
Und raus ziehen des alten Verteilers:
Lucas 45D4 ausgebaut
Hier der Blick ins Innenleben des Motorblocks auf den Antrieb des Rotors:
Verteiler Antrieb
Endlich Platz um ein wenig sauber zu machen (Achtung, das nix in das Verteiler-Loch fällt!):
Verteiler ausgebaut
Anschließend ein grober Sichtvergleich Alt vs. Neu:
123-Ignition vs. Lucas 45D4
Sieht am Schaft schon mal sehr gut aus.
Also rein gesteckt! Bis zum Gummi-Dichtungsring ging es ganz gut. Danach wollte der Verteiler keinen Millimeter mehr weiter:
123-Ignition Dichtring
Erst ein wenig Motoröl und meine gesamten Kräfte (welche momentan eher limitiert sind) schafften es, dass er tiefer rein ging.
Leider führte das direkt zum nächsten Problem! Tiefer als so geht er nicht rein:
123-Ignition stößt an
Der Körper der 123ignition ist oberhalb des Schaftes dicker als der Lucas 45D4-Verteiler. Die 123 stößt an diese „Stufe“ im Motorblock. Zum Zylinderkopf ist genug Platz. Nur diese kleine Stufe ist nen halben Millimeter im Weg. Verdammte Kacke! Es hätte so schön sein können!
In dieser Stellung kann ich den Verteiler weder fest schrauben, noch greift der Antrieb des Rotors.
Was mache ich nun?
Entweder ich feile die Stufe vom Motorblock soweit weg, dass der Verteiler passt oder ich lasse mir den Körper der 123ignition abdrehen, damit er dünner wird.
Beides nicht geil….. irgendwelche Vorschläge?
Ich schreibe morgen früh mal an 123ignition und frage, wie viel „Fleisch“ der Körper an dieser Stelle hat.

Literaturrecherche

Meine Bibliothek an Reliant-Literatur hat in den letzten Tagen Zuwachs bekommen.
Amazone lieferte das Buch „Reliant North Cape Challenge 2008„:

Sollte die obige Einbettung der Google-Books-Vorschau nicht lüppen, hier nochmal der Link.
Es ist das zweite Buch von Elvis Payne in meiner Bibliothek.
Außerdem habe ich bei eBay.co.uk die Januar 1985-Ausgabe des „Car„-Magazins erstanden:
Literatur
Der Titel, „Taking a new view of the untouchables“ in Verbindung mit dem Bild des Rialtos, sagt eigentlich schon alles…
Dennoch will ich euch den Test des Reliant Rialto 2 nicht vorenthalten. Die Zeitschrift hat die „poverty models“ Lada Riva 1500GLS, Reliant Rialto 2, Citroen 2CV Special und Skoda Estelle Two verglichen. Hier erstmal das Vorwort zur Ausgabe:
Reliant Rialto 2 LS Test CAR 01/85 Page 1
Und hier der Rialto-Test:
Reliant Rialto 2 LS Test CAR 01/85 Page 2

Reliant Rialto 2 LS Test CAR 01/85 Page 3
Die Punkte das Ratings haben als Referenz für jeweils 10 Punkte den Vauxhall Cavalier 1,6GL und für 0 Punkte den Fiat 126.
Aber was wissen Autotester schon…..*Pfff*

Weiterer Neuzugang in meiner Bibliothek ist ein ganzer Stapel von Originalprospekten für den Reliant Rialto aus verschiedenen Jahren.
Besonders gefreut habe ich mich über den sehr gut erhaltenen Prospekt für den Rialto 2 (also genau Sir Edwards Modell). Er atmet sehr viel Zeitgeist! Besonders schön finde ich die Aussage, dass der Kombi sich auch sehr gut fürs campen eignet:
Reliant Rialto Prospekt
Ebenfalls sehr gefreut habe ich mich über die Preis- und Farbenliste, die in dem Stapel lag:
Reliant Rialto Farbkarte
Leider ist sie von 1988 und damit nicht aussagekräftig für Sir Edwards Neupreis. Auf der Rückseite findet sich übrigens eine Preisliste für den Reliant Fox. Dort gibt es einen offiziellen Rabatt von 90 Pfund, wenn man den Wagen nur grundiert kauft…

Regenrinne

Als ich auf der Suche nach dem Falschluft-Leck bei Sir Edward war, teilte man mir im R3W-Forum mit, dass das Tropfblech unter dem Vergaser falsch herum montiert ist. Auf diesem Foto aus der Anfangszeit, sieht man die alte Montageposition:
Unterdruckanschluss
Das Tropfblech soll dazu dienen, dass Benzin, welches aus dem Vergaser tropft, nicht auf den heißen Auspuffkrümmer läuft und den geliebten Rialto in einen Feuerball verwandelt. Außerdem soll der angenietete Asbestlappen Hitze vom Vergaser fern halten und so Dampfblasenbildung verhindern.
Also schon ganz sinnvoll das Teil.
Wie man auf dem Foto oben sieht deckte das Blech früher nicht den Bereich unter dem Benzinreservoir ab. Weiterhin waren seine Seiten nach unten abgerundet, so dass austretendes Benzin einfach dort drüber laufen könnte. Wenn man so drüber nach denkt, hätte mir das auch früher mal auffallen können…
Keine Ahnung, warum das mal jemand aus Versehen falsch rum montiert hat.
Dank neuem Ratschenkasten war die Reparatur schnell erledigt.
Hier das Blech richtig rum mit Lappen:
Tropfblech
Und hier richtig rum montiert:
Tropfblech richtig herum montiert
Es ist zwar auch nicht schön, dass etwaiges Benzin nun hinten einfach runter tropft, aber der Sicherheitsgewinn sollte schon immens sein! Bei der Gelegenheit habe ich auch das Anschlussgummi der Verbrauchsanzeige erneuert und gegen ein 90°-Stück aus dem Unterdruck-Steuerungssatz getauscht.
Jetzt ist vorne auch mehr Platz zum hantieren:
Tropfblech richtig herum montiert
Wieder was abzuhaken. Sehr schön!

Links hui, Rechts pfui

Nope, dieses Blog wird nicht spontan politisch!
Es geht vielmehr um Sir Edwards Fahrtrichtungsanzeiger bzw. dessen Rücksteller.
Seit ich ihn habe, muss man nach einer Rechtskurve immer den Blinkerhebel selber in seine Ausgangsposition zurück führen. Bei einer Linkskurve springt der Hebel von alleine wieder zurück. Nix tragisches, aber nen Blick auf den Mechanismus kann man ja trotzdem mal werfen. Vielleicht ist es ja nur eine Kleinigkeit.
Also Abdeckung von der Lenksäule ab und analysieren:
Lenksäulenabdeckung entfernt
Auf der Lenksäule sitzt ein Ring mit einem Nocken. Dieser Nocken befindet sich bei Geradeausfahrt auf „neun Uhr“. Lenkt man nun nach rechts, dreht sich der Nocken im Uhrzeigersinn und gleitet unter dem angeschrägten Arm des Blinkerhebels durch, indem er diesen nach oben drückt:
Blinkerbetätigungsnocken läuft drunter her
Dreht man nach Beendigung der Kurvenfahrt das Lenkrad nun wieder zurück, so stößt der Nocken auf seinem Rückweg gegen die stumpfe Seite des Hebelarms und drückt ihn zurück in seine Ausgangsposition. Simples Prinzip. Gut zu durchschauen.
Leider kommt der Arm des Hebels für den „Rechts-Anschlag“ aber nicht tief genug runter, so dass der Nocken auf seinem Rückweg einfach unter ihm durch gleitet:
Blinkerbetätigungsnocken
Blöd. Es fehlt ungefähr ein Millimeter. Drehen der Blinkerarmatur bringt auch nix, da sie dabei ja nicht näher an die Lenksäule kommt. Und eine Einstellschraube für den Arm gibts leider auch nicht. Also entweder muss ich eines der beiden Teile mit Klebezeug „aufbauen“ oder irgendwie den Arm tiefer bekommen. Mal sehen, was mir da im Laufe der Zeit noch zu einfällt.