Ich hab auch mal am meinem „Toolswheel“ weiter gearbeitet und es jetzt so gut wie fertig.
Als erstes hab ich mit einer zwei-Komponenten-Spachtelmasse unten eine ebene Fläche für das Scharnier geschaffen und als Verstärkung kleine Aluplatten ausgesägt um das Scharnier damit zu hinterlegen:
An die Oberseite kam ein Klappriegel, dessen Verstärkung gleichzeitig einen Anschlag für den Deckel bildet, damit dieser nicht nach innen durch fällt:
Danach gings ans positionieren des Feuerlöschers:
Eigentlich wollte ich ihn ja in die Mitte hängen, aber dort war das Kippmoment zu stark, so dass sich der Deckel durch bog.
Die Lösung war, den Halter weiter unten an zu schrauben, so dass sich der Halter selbst am festen Teil des Rades abstützt:
Das limitiert zwar den Öffnungswinkel, aber damit kann ich leben. Zur Not muss ich halt den Feuerlöscher gerade abschrauben. Der hat dafür extra Flügelmuttern bekommen. Dieser Winkel ist noch einfach möglich:
Fertig sieht das ganze jetzt so aus:
Fehlt noch nen Happen schwarze und silberne Farbe und man muss zwei mal hingucken, um den Unterschied zu erkennen. Für Version 1.0 bin ich ganz zufrieden. Mal sehen, wie lange meine Konstruktion den Erschütterungen und Vibrationen stand hält.
Der nächste Schritt ist jetzt die Befüllung. Habt ihr irgendwelche Geheimtipps?
Gestern hab ich mal den Ölstand bei Sir Edward gechecked:
Das war knapp! Muss ich echt öfter nach gucken!
Es fehlten ziemlich genau 500ml. Das sind umgerechnet 200ml auf 1000 km. Laut Forum sind 500ml auf 1000 Meilen (1600km) ok. Das macht ca. 300 ml auf 1000 km. Na, ich werde die Sache mal im Auge behalten. Interessanterweise bläut er nicht merklich während der Fahrt. Öllecks am Motor sind auch keine wesentlichen ersichtlich.
Das Zündkerzengesicht ist ein wenig dunkel:
Aber das liegt wohl eher daran, dass ich momentan immer mit teilweise gezogenem Choke fahre (eliminiert das Ruckeln!).
Ich stelle den Vergaser morgen mal fetter.
In diesem Zusammenhang muss ich auch mal das Ölleck am Getriebe erwähnen:
Der hintere Dichtring zur Kardanwelle scheint undicht zu sein. Da will ich dieses Wochenende mal nach dem Ölstand sehen. Das Leck selbst muss noch warten. Da hab ich momentan keine Zeit zu. Vielleicht gehe ich da dran, wenn ich mal die Kreuzgelenke der Kardanwelle erneure. Muss ich mich schlau lesen, welche Arbeiten da ein Aufwasch sind.
Ok, ich geb’s zu: Langsam gehen mir die Ideen aus, woran Sir Edwards Schluckauf liegen könnte. Ich hab ja nun schon alle möglichen Ursachen beseitigt, aber er bockt immer noch. Es ist zwar um Welten besser geworden, aber schön ist das immer noch nicht.
Da mir die möglichen Ursachen ausgehen, bin ich jetzt dazu übergegangen wahllos Teile aus zu tauschen. Machen moderne Werkstätten auch so. Als erstes war die Zündungsseite dran.
Die alte Zündspule schwitzte immer ihr Öl (Kühlung) aus:
Wer weiß, ob die nicht einmal zu oft überhitzt ist und nun nen Schlag hat?! Da gabs also Ersatz in Form einer neuen Flamethrower-Spule:
Die neue Spule hat 3 Ohm Widerstand und produziert 40.000 Volt. Das soll bei Vierzylindern bis 6.000 U/min ausreichend sein.
Bei der Demontage fiel mir mal wieder eine der wenigen kaputten Stellen in der Karosserie von Sir Edward auf:
Da muss irgendwer mal die Schraube der Halteschelle der Zündspule mit Herkules-Kräften angeknallt haben. Naja, beeinträchtigt die Funktion nicht und bricht auch nicht weiter. Kann also erstmal so bleiben.
Außerdem gabs noch neue Zündkabel. Ich hab einen Satz zum selber konfektionieren genommen. Klar birgt das auch wieder Fehlerpotential, aber das ist zum einen keine Weltraumtechnik und zum anderen gibts für die Reliant-Motoren keine fertigen Sätze bzw. nur solche unbekannter Qualität. Also selber ran.
Die Kabel haben eine Edelstahlseele mit äußerst geringem Widerstand (ca. 1,5 kOhm/m) sind silikonummantelt und kommen mit lebenslanger Garantie.
Crimpen war echt easy (wobei Silikonspray zum einziehen der Kabel in die Kappen essentiell ist!):
Dadurch, dass Sir Edward nur sehr kurze Kabel braucht, hab ich jetzt noch nen ganzen Sack Zündkabel übrig:
Naja, findet sich schon noch nen Verwendungszweck für…
Die alten Kabel hatten recht hohe Widerstände wie ich fand. Das Längste von ihnen (Zündspule – Verteilerkappe) hatte 32,5 kOhm:
Die neuen Kabel haben 0,00 – 0,07 kOhm…. wahrscheinlich geht nun bei den Nachbarn der Fernseher aus, wenn ich den Boliden starte. Kommt Zeit kommt Entstörung. Was ist da an Widerstand eigentlich normal? Ich hab gelesen, dass ab 25 kOhm Probleme auftreten können…
Wie ihr meinem Tonfall (Wie nennt man eigentlich den entsprechenden Schreibstil? „Schriftfall“?) entnehmen könnt, hat diese Aktion nix am Geruckel geändert…. *Kacke*
Seit kurzem wollte meine herrliche Relais-Steuerung für die Scheinwerfer nicht mehr.
Zündung war an, aber es gab kein *Klick* vom Relais und die Scheinwerfer blieben dunkel… Über den Schalter im Armaturenbrett konnte ich das Licht aber noch ganz normal einschalten. Hat also gerade mal ne knappe Woche lang funktioniert. Großartig…
Eine kurze Untersuchung ergab erstaunliches:
Die kleinen Chinesen, die das Teil zusammengeklöppelt haben, haben zwar ne Sicherung verbaut, allerdings waren die Übergangswiederstände am Sicherungshalter anscheinend so groß, dass selbiger einfach geschmolzen ist! Nicht das die Sicherung sowas verhindern sollte…nöööö! Die ist nur Deko, damit die da deutsche Prüfsiegel drauf pappen dürfen. Schöner Schrott, den HP Autozubehör da vertreibt.
Das Teil hat sich so verzogen, dass ich noch nicht mal die Sicherung raus bekommen habe.
Ich hab jetzt das Kabel vor und hinter der Sicherung durch gekniffen und einen neuen Halter (noch aus Kriegsproduktion) mit einer 16A-Sicherung verbaut. Vorher waren da 30A drin.
Zum Glück hat das Relais diesen Suizid des Halters überlebt und funktioniert mit dem Neuen wieder einwandfrei. Ich hab nach zwei Stunden mal angepackt: Alles schön kühl bzw. Hand-warm. Ich werde es kritisch im Auge behalten.
Nachdem der Reinigungsschlick ca. fünf Betriebsstunden im Kühlsystem zirkulieren durfte, habe ich den Kühler und den Block mal gespült.
Eigentlich wollte ich das Zeug da ja noch ein paar Stunden länger drin lassen, aber auf der Rückfahrt von Osnabrück wurde Sir Edward doch sehr heiß. Erst bei 70-80 km/h war die Temperaturanzeige wieder im zumindest schwer erträglichen Bereich:
Zwischen durch musste ich eine Zwangspause auf einem Rastplatz einlegen, um dem Motor Zeit zum abkühlen zu geben:
Die Pfütze vor dem Wagen ist glücklicherweise nicht von ihm.
Allerdings war der Druck im Kühler so groß, dass es aus dem Überlauf raus drückte:
So kroch ich dann gemächlich nach hause.
Dort angekommen, habe ich erst mal die Masse der Batterie abgeklemmt und den Verteiler und die Zündspule in Plastiktüten gesteckt:
Als Anleitungen dienten mir mal wieder Fifers Reliant Hints and Tips und dieses Video:
Der Reliant 850ccm-Motor hat neben/unterhalb dem Krümmer übrigens eine separate Ablassschraube für das Kühlwasser:
Der kam raus und schon lief die Suppe in ein Schälchen:
Die Färbung stammt von dem Reinigungsschlamm. Vorher war das Kühlwasser normal grünlich.
Den Kühler habe ich separat abgelassen und gespült.
Wenn der Gartenschlauch das Wasser durch den Block drückt sollte man mit einem Draht etwas in der Öffnung der Ablassschraube rum stochern:
Dort lagert sich nämlich reichlich Sediment ab, dass man so gut raus bekommt.
Der blaue Müllsack auf dem Bild ist übrigens auch ratsam! Ansonsten verwandelt der kräftige Strahl aus der Bohrung den Innenraum in eine Fußbadewanne…
Während das so vor sich hin plätscherte hab ich mal das Thermostatgehäuse ab genommen:
*Mjam*
Die Dichtung zu entfernen war eben so lecker:
Das Thermostat war so mit seinem Sitz verklebt, dass wir es mit einem Maulschlüssel „losdrehen“ mussten. Zum Glück ist es recht stabil konstruiert, so das es dies unbeschadet überstanden hat.
Als der Schlick aus dem Bereich raus war, sah das Gehäuse sogar wieder ganz ansehnlich aus:
Auf dem Bild erkennt man auch schön den Temperaturfühler.
Auch das Innere des Kühlers sieht nach der Schlickbehandlung wieder ganz schick aus:
Interessanterweise ist das Thermostat ein 82°C-Thermostat:
Laut Forum hatten die Rialtos normalerweise 88°C-Thermostate. Allerdings waren das auch die späteren Modelle mit Ausgleichsbehälter.
Um seine Funktion zu testen, habe ich es mal zusammen mit zwei Thermometern in einen Kochtopf geworfen:
Ich hab zwei Thermometer dazu getan, da sie sich vorher nicht einig waren, wie hoch die Raumtemperatur ist. Auf dem Weg Richtung kochen haben sie sich aber geeinigt. Mit Befriedigung habe ich feststellen können, dass das Thermostat wie gewünscht funktionuckelt.
Am Ende der Spülaktion fand sich übrigens dieser kleine Sandstrand in der Schüssel unter dem Motorblock:
Die vom Kühler sah nicht wenig anders aus. Ich war schon beeindruckt, was sich da alles angesammelt hat.
Da ich meinen Dichtungssatz in Osnabrück vergessen hatte, bekam das Thermostatgehäuse ein individuell zugeschnittene Korkdichtung. Um ihre Form fest zu legen, habe ich sie mal über ein Stempelkissen gewälzt:
Eine 32er-Nuss gab den passenden Innendurchmesser:
Alles wieder hübsch:
Die Schrauben des Gehäuses darf man übrigens nur wenig mehr als Hand-warm anziehen! Die Gehäuse sind bekannt dafür, sehr leicht zu brechen wenn man die Schrauben zu fest an zieht. Also lieber bei Undichtigkeit noch mal etwas nach ziehen, als gleich zu ruinieren!
Die Wiederbefüllung des Kühlsystems ist bei Rialtos eine etwas spezielle Sache, denn leider ist der Kühler nicht die höchste Stelle des Systems und somit besteht die reelle Gefahr sich ein paar Luftblasen einzuhandeln. Höher als der Kühler liegt der Wärmetauscher für die Heizung. Kein besonders heller Tag bei Reliant als sie das konstruiert haben. Muss übrigens der gleiche Tag gewesen sein, als sie einen Ausgleichsbehälter als neumodischen Schnick-Schnack verworfen haben…
Um Luftblasen bestmöglich auszuschließen, habe ich nach eingehender Überlegung das System folgendermaßen wieder befüllt:
Alles wieder zusammen bauen
Kühlmittelkonzentrat in berechnetem Mischungsverhältnis (das Kühlsystem fasst 2,84 Liter) in den Kühler füllen
Schlauch des Wärmetauscher-Ventils (Das mit dem Bowdenzug zum Innenraum) am Kasten abziehen.
Dort Wasser einfüllen (Gartenschlauch), bis es in einem stetigen Strahl wieder am Tauscher aus tritt
Finger auf den Austritt am Tauscher
Den abgezogenen Schlauch mit Wasser füllen und ebenfalls Finger drauf
Beides in katzengleicher Bewegung wieder miteinander verbinden
Kühler bei Bedarf weiter auffüllen
Testrunde drehen und bei Bedarf im Kühler nachfüllen
Bei Sir Edward hat das so ganz gut geklappt.
Auf der Rückfahrt blieb die Temperaturanzeige selbst bei Dauertempo 100-110 km/h bei 3/4:
Das ist ok. Die Anzeigen geben eh nur grobe Richtwerte….
Sollte sich das bei höheren Außentemperaturen verschlechtern, werde ich nochmal ne Runde Reinigungsschlamm durch jagen.