Kategoriearchiv: Reliant Rialto

Hier geht es um meinen 1984er Reliant Rialto 2 GLS Estate. Mein erstes richtiges Auto.

Damits funkt

Ok, ich geb’s zu: Langsam gehen mir die Ideen aus, woran Sir Edwards Schluckauf liegen könnte. Ich hab ja nun schon alle möglichen Ursachen beseitigt, aber er bockt immer noch. Es ist zwar um Welten besser geworden, aber schön ist das immer noch nicht.
Da mir die möglichen Ursachen ausgehen, bin ich jetzt dazu übergegangen wahllos Teile aus zu tauschen. Machen moderne Werkstätten auch so. Als erstes war die Zündungsseite dran.
Die alte Zündspule schwitzte immer ihr Öl (Kühlung) aus:

Wer weiß, ob die nicht einmal zu oft überhitzt ist und nun nen Schlag hat?! Da gabs also Ersatz in Form einer neuen Flamethrower-Spule:

Die neue Spule hat 3 Ohm Widerstand und produziert 40.000 Volt. Das soll bei Vierzylindern bis 6.000 U/min ausreichend sein.
Bei der Demontage fiel mir mal wieder eine der wenigen kaputten Stellen in der Karosserie von Sir Edward auf:

Da muss irgendwer mal die Schraube der Halteschelle der Zündspule mit Herkules-Kräften angeknallt haben. Naja, beeinträchtigt die Funktion nicht und bricht auch nicht weiter. Kann also erstmal so bleiben.
Außerdem gabs noch neue Zündkabel. Ich hab einen Satz zum selber konfektionieren genommen. Klar birgt das auch wieder Fehlerpotential, aber das ist zum einen keine Weltraumtechnik und zum anderen gibts für die Reliant-Motoren keine fertigen Sätze bzw. nur solche unbekannter Qualität. Also selber ran.
Die Kabel haben eine Edelstahlseele mit äußerst geringem Widerstand (ca. 1,5 kOhm/m) sind silikonummantelt und kommen mit lebenslanger Garantie.

Crimpen war echt easy (wobei Silikonspray zum einziehen der Kabel in die Kappen essentiell ist!):

Dadurch, dass Sir Edward nur sehr kurze Kabel braucht, hab ich jetzt noch nen ganzen Sack Zündkabel übrig:

Naja, findet sich schon noch nen Verwendungszweck für…
Die alten Kabel hatten recht hohe Widerstände wie ich fand. Das Längste von ihnen (Zündspule – Verteilerkappe) hatte 32,5 kOhm:

Die neuen Kabel haben 0,00 – 0,07 kOhm…. wahrscheinlich geht nun bei den Nachbarn der Fernseher aus, wenn ich den Boliden starte. Kommt Zeit kommt Entstörung. Was ist da an Widerstand eigentlich normal? Ich hab gelesen, dass ab 25 kOhm Probleme auftreten können…

Wie ihr meinem Tonfall (Wie nennt man eigentlich den entsprechenden Schreibstil? „Schriftfall“?) entnehmen könnt, hat diese Aktion nix am Geruckel geändert…. *Kacke*

Ön/Öff, drauf drüggn! III

Seit kurzem wollte meine herrliche Relais-Steuerung für die Scheinwerfer nicht mehr.
Zündung war an, aber es gab kein *Klick* vom Relais und die Scheinwerfer blieben dunkel… Über den Schalter im Armaturenbrett konnte ich das Licht aber noch ganz normal einschalten. Hat also gerade mal ne knappe Woche lang funktioniert. Großartig…
Eine kurze Untersuchung ergab erstaunliches:
geschmolzener Sicherungshalter
Die kleinen Chinesen, die das Teil zusammengeklöppelt haben, haben zwar ne Sicherung verbaut, allerdings waren die Übergangswiederstände am Sicherungshalter anscheinend so groß, dass selbiger einfach geschmolzen ist! Nicht das die Sicherung sowas verhindern sollte…nöööö! Die ist nur Deko, damit die da deutsche Prüfsiegel drauf pappen dürfen. Schöner Schrott, den HP Autozubehör da vertreibt.
Das Teil hat sich so verzogen, dass ich noch nicht mal die Sicherung raus bekommen habe.
Ich hab jetzt das Kabel vor und hinter der Sicherung durch gekniffen und einen neuen Halter (noch aus Kriegsproduktion) mit einer 16A-Sicherung verbaut. Vorher waren da 30A drin.
Zum Glück hat das Relais diesen Suizid des Halters überlebt und funktioniert mit dem Neuen wieder einwandfrei. Ich hab nach zwei Stunden mal angepackt: Alles schön kühl bzw. Hand-warm. Ich werde es kritisch im Auge behalten.

Arterienverkalkung II

Nachdem der Reinigungsschlick ca. fünf Betriebsstunden im Kühlsystem zirkulieren durfte, habe ich den Kühler und den Block mal gespült.
Eigentlich wollte ich das Zeug da ja noch ein paar Stunden länger drin lassen, aber auf der Rückfahrt von Osnabrück wurde Sir Edward doch sehr heiß. Erst bei 70-80 km/h war die Temperaturanzeige wieder im zumindest schwer erträglichen Bereich:
Kühlwasseranzeige heiß
Zwischen durch musste ich eine Zwangspause auf einem Rastplatz einlegen, um dem Motor Zeit zum abkühlen zu geben:
abkühlen auf einem Rastplatz
Die Pfütze vor dem Wagen ist glücklicherweise nicht von ihm.
Allerdings war der Druck im Kühler so groß, dass es aus dem Überlauf raus drückte:
übergekochtes Kühlwasser
So kroch ich dann gemächlich nach hause.
Dort angekommen, habe ich erst mal die Masse der Batterie abgeklemmt und den Verteiler und die Zündspule in Plastiktüten gesteckt:
Zündanlage abgedeckt
Als Anleitungen dienten mir mal wieder Fifers Reliant Hints and Tips und dieses Video:

Der Reliant 850ccm-Motor hat neben/unterhalb dem Krümmer übrigens eine separate Ablassschraube für das Kühlwasser:
Ablassschraube im Motorblock
Der kam raus und schon lief die Suppe in ein Schälchen:
braunes Kühlwasser
Die Färbung stammt von dem Reinigungsschlamm. Vorher war das Kühlwasser normal grünlich.
Den Kühler habe ich separat abgelassen und gespült.
Wenn der Gartenschlauch das Wasser durch den Block drückt sollte man mit einem Draht etwas in der Öffnung der Ablassschraube rum stochern:
Wasserstrahl aus dem Block
Dort lagert sich nämlich reichlich Sediment ab, dass man so gut raus bekommt.
Der blaue Müllsack auf dem Bild ist übrigens auch ratsam! Ansonsten verwandelt der kräftige Strahl aus der Bohrung den Innenraum in eine Fußbadewanne…
Während das so vor sich hin plätscherte hab ich mal das Thermostatgehäuse ab genommen:
alte Thermostatgehäuse-Dichtung
*Mjam*
Die Dichtung zu entfernen war eben so lecker:
alte Dichtung abgekratzt
Das Thermostat war so mit seinem Sitz verklebt, dass wir es mit einem Maulschlüssel „losdrehen“ mussten. Zum Glück ist es recht stabil konstruiert, so das es dies unbeschadet überstanden hat.
Thermostat im Block
Als der Schlick aus dem Bereich raus war, sah das Gehäuse sogar wieder ganz ansehnlich aus:
Temperaturfühler im Block
Auf dem Bild erkennt man auch schön den Temperaturfühler.
Auch das Innere des Kühlers sieht nach der Schlickbehandlung wieder ganz schick aus:
Blick in den Kühler
Interessanterweise ist das Thermostat ein 82°C-Thermostat:
Thermostataufdruck
Laut Forum hatten die Rialtos normalerweise 88°C-Thermostate. Allerdings waren das auch die späteren Modelle mit Ausgleichsbehälter.
Um seine Funktion zu testen, habe ich es mal zusammen mit zwei Thermometern in einen Kochtopf geworfen:
Thermostat im Kochtopf
Ich hab zwei Thermometer dazu getan, da sie sich vorher nicht einig waren, wie hoch die Raumtemperatur ist. Auf dem Weg Richtung kochen haben sie sich aber geeinigt. Mit Befriedigung habe ich feststellen können, dass das Thermostat wie gewünscht funktionuckelt.
Am Ende der Spülaktion fand sich übrigens dieser kleine Sandstrand in der Schüssel unter dem Motorblock:
Sedimente im Kühlwasser
Die vom Kühler sah nicht wenig anders aus. Ich war schon beeindruckt, was sich da alles angesammelt hat.
Da ich meinen Dichtungssatz in Osnabrück vergessen hatte, bekam das Thermostatgehäuse ein individuell zugeschnittene Korkdichtung. Um ihre Form fest zu legen, habe ich sie mal über ein Stempelkissen gewälzt:
Stempelfarbe am Thermostatgehäuse
Eine 32er-Nuss gab den passenden Innendurchmesser:
Nuss auf Korkdichtung
Alles wieder hübsch:
Thermostat wieder montiert
Die Schrauben des Gehäuses darf man übrigens nur wenig mehr als Hand-warm anziehen! Die Gehäuse sind bekannt dafür, sehr leicht zu brechen wenn man die Schrauben zu fest an zieht. Also lieber bei Undichtigkeit noch mal etwas nach ziehen, als gleich zu ruinieren!
Die Wiederbefüllung des Kühlsystems ist bei Rialtos eine etwas spezielle Sache, denn leider ist der Kühler nicht die höchste Stelle des Systems und somit besteht die reelle Gefahr sich ein paar Luftblasen einzuhandeln. Höher als der Kühler liegt der Wärmetauscher für die Heizung. Kein besonders heller Tag bei Reliant als sie das konstruiert haben. Muss übrigens der gleiche Tag gewesen sein, als sie einen Ausgleichsbehälter als neumodischen Schnick-Schnack verworfen haben…
Um Luftblasen bestmöglich auszuschließen, habe ich nach eingehender Überlegung das System folgendermaßen wieder befüllt:

  1. Alles wieder zusammen bauen
  2. Kühlmittelkonzentrat in berechnetem Mischungsverhältnis (das Kühlsystem fasst 2,84 Liter) in den Kühler füllen
  3. Schlauch des Wärmetauscher-Ventils (Das mit dem Bowdenzug zum Innenraum) am Kasten abziehen.
  4. Dort Wasser einfüllen (Gartenschlauch), bis es in einem stetigen Strahl wieder am Tauscher aus tritt
  5. Finger auf den Austritt am Tauscher
  6. Den abgezogenen Schlauch mit Wasser füllen und ebenfalls Finger drauf
  7. Beides in katzengleicher Bewegung wieder miteinander verbinden
  8. Kühler bei Bedarf weiter auffüllen
  9. Testrunde drehen und bei Bedarf im Kühler nachfüllen

Bei Sir Edward hat das so ganz gut geklappt.
Auf der Rückfahrt blieb die Temperaturanzeige selbst bei Dauertempo 100-110 km/h bei 3/4:
Temperaturanzeige 3/4-heiß
Das ist ok. Die Anzeigen geben eh nur grobe Richtwerte….
Sollte sich das bei höheren Außentemperaturen verschlechtern, werde ich nochmal ne Runde Reinigungsschlamm durch jagen.

Überraschungsei IV

Nachdem die Temperaturen jetzt endlich die 18°-Marke geknackt hatten, habe ich mich mal daran gemacht, mit meiner GFK-Ersatzrad-Werkzeugkiste weiter zu kommen.
Also fix der besten Freundin von allen den Gartentisch gemopst (und sicherheitshalber dick mit Plastiktüten eingewickelt) und weit ab von allen Nachbarn ans Werk gegangen:
Arbeitstisch draußen
Da absehbar war, dass mein anfangs bestellter Vorrat an Epoxydharz und Glasfasermatten nicht ausreichen würde, habe ich, entgegen meiner eigenen Grundsätze, kurzerhand im Baumarkt gewildert. Natürlich war das Zeug viel zu teuer und qualitativ Kacke. Hier mal ein Vergleich zwischen dem spezial Biaxial-Gelege, mit dem ich bisher gearbeitet habe und dem groben Baumarkt-Zeug:
GFK-Matten Vergleich
Wie ihr seht, ist das Profi-Zeug viel engmaschiger und gleichmäßiger. Durch die 45°-Überschneidungen und die vernähten Lagen ist es bei gleichem Gewicht um ein vielfaches stabiler, als das 90° gewobene Zeug. Wobei ich allerdings auch sagen muss, dass sich das Baumakt-Gelege wesentlich leichter zuschneiden lässt! Das Bi-axial-Gelege werde ich nur noch bestellen, wenn ich extrem feste GFK-Schichten brauche. Ansonsten tuts auch normales (was beim Profi ungefähr die Hälfte kostet wie im Baumarkt).
Ich hab mit dem Baumarkt-Glasgelege dann die Vorderseite weiter von innen verstärkt:
Vorderseite verstärkt
Sind jetzt fünf Schichten in der Fläche und sechs in der Lauffläche.
Wichtiger Lerneffekt dabei: Immer aufpassen, dass man alle Luftblasen unter dem Gelege raus streicht. Ansonsten hat man nachher solch hübsch hohle Blasen:
Luftblase im GFK
Als das ganze schön trocken war, hab ich mich daran gemacht den Deckel auszusägen. Natürlich nicht ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen:
Atemschutz
Ich hab als erstes mal den Dremel mit ner gezahnten Scheibe probiert:
Dremel mit Sägeblatt
Die Scheibe hat aber schon nach kurzem ihre Zähnchen eingebüßt. Also keine gute Wahl. Als nächstes hab ich mal ne Trennscheibe für Metall versucht:
Deckel halb ausgesägt
Die hat aber die Rundungen nicht überlebt.
Im Endeffekt half nur ein Eisensägeblatt und ne gehörige Portion Muskelschmalz:
Eisensägeblatt
Ausdauer führt zum Ziel:
Ersatzrad mit Loch
Nicht schön, ich gebs zu, aber für einen ersten Versuch ganz brauchbar.
Nach der Verstärkung ist die Dicke nun auch ganz ordentlich:
Deckel ausgesägt
Da sollte auch der Feuerlöscher dran halten.
Danach habe ich durch die Öffnung die Rückseite verschlossen:
Rückseite laminieren
Ich wollte so verhindern, dass der Außendurchmesser zu nimmt und es nachher nicht mehr in die Hülle passt.
Leider ging mir dabei auch das Profi-Harz aus und ich musste ebenfalls auf Baumarkt-Kack zurück greifen. Sieht erstens aus wie Pekinesenkotze:
Pekinesenkotze
Und zweitens war es nach ca. 5 Minuten so hart geworden, dass es sich nicht mehr verarbeiten ließ. Dreckszeug! Das Harz aus dem Bootszubehör konnte ich bequem 30-50 Minuten lang verstreichen. Das hier verklebte schon nach 3 Minuten den Pinsel:
Baumarkt Härter
Somit hat die Rückseite bisher nur eine Schicht GFK bekommen und ich muss nochmal bei Bootsservice Behnke bestellen. Blöd, weil ich eigentlich nur ne Dose Harz brauche. Die kostet ziemlich genauso viel wie der Versand. Hab schon überlegt mir nen Vorrat zuzulegen, aber das Harz soll nur mind. 6 Monate haltbar sein. Da riskiere ich lieber nochmal die Versandkosten.

Arterienverkalkung

Seit dem die Temperaturen den zweistelligen Bereiche erreicht haben, wird Sir Edward immer etwas warm ums Herz. Ich tippe auf verkalkten Kühler bzw. Kühlwasserwege im Block. Daher habe ich mir mal so ne Dose Kühlerreiniger besorgt:
Bars Kühlerreiniger
Mal sehen, ob das was kann.
Ist übrigens keine Flüssigkeit, sondern ein Pulver. Erinnert irgendwie an instant-Kaffee:
Kühlerreiniger
Die Dose reicht für Kühlsysteme mit bis zu 12 Litern Kühlmittel. Ich hab von dem Pulver so viel in den Kühler geschaufelt, wie ich rein bekommen habe. Allerdings war nach ca. 2/3 der Dose Schluss. Naja, soll wohl für die 5 Pints (2,84 Liter) Kühlmittel ausreichen, die da drin sind.
Anschließend soll man den Motor 20 Minuten lang fahren, ohne ihn abzustellen.
Nachdem das Kühlwasser wieder etwas abgekühlt war, habe ich den Deckel abgeschraubt und nen ersten Blick gewagt:
Reiniger eingefüllt
Mein Finger ertastete das, was ich befürchtet hatte: Külmpchen.
Mal hoffen, dass diese Klumpen sich mit der Zeit auflösen und mir nicht noch zusätzlich das System verstopfen.
Das Zeug muss jetzt für mindestens vier Betriebsstunden im Kühler verbleiben (max. 24 Betriebsstunden). Danach will ich den Kühler und den Block mal durch spülen und das Thermostat im Kochtopf testen.
Auf der Autobahn kletterte der Zeiger während der Rückfahrt bis kurz vor den roten Bereich (trotz Lüftung auf höchster Stufe). Erst als ich nur noch 70-80 km/h gefahren bin, kam er langsam wieder runter.
Ich bin skeptisch….